Die Heilbronner Deutung  (Heilbronn - Stadt Robert Mayers*)

Quantenphysik allgemeinverständlich

Physik ist eben mehr als nur Naturwissenschaft

zugleich etwas Wissenschaftstheorie



"Wer nur Physik versteht, versteht auch die nicht recht", frei nach Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Problem der Quantenphysik
Außenwelt: Selbstverständlich gibt es vernünftigerweise eine beobachterunabhängige Wirklichkeit - aber nur solange, wie sie nicht beobachtet wird. Der Beobachter kann daher nicht ignoriert werden.

"Beobachtung" ist im Quantenreich zugleich Störung durch Wechselwirkung. Entweder man kennt dann den genauen Ort oder den genauen Impuls des Quantums, aber nie zugleich beides. So bleibt unsere Kenntnis von den Quanten "unscharf".

Die Unschärfe
Die "Unschärfe" ist dabei keine der Quanten, sondern zwangsläufig eine unseres Wissens über Quanten. Die Superposition dagegen ist eine Bezeichnung für das Nichtwissen über den Zustand eines Objekts in einem abgeschlossenen System - z.B. ob dort eine Katze lebendig oder tot ist. Eine simple Selbstverständlichkeit. Man spricht nur gern geheimnisvoll. (Nur insofern als die Superposition über das Nichtwissen hinaus real noch etwas ist, sind Quantencomputer möglich, vor allem durch definitiv mehr als 2 möglichen Zuständen von Teilchen.)

Der Zufall
Weil eine Messung auf einen unbekannten Zustand von Quanten trifft, wird das Messergebnis "zufällig" genannt. Umgang mit dem "Zufall": man macht eine relevanten Zahl von Messungen und arbeitet dann mit dem Mittel, also mit "Wahrscheinlichkeiten".

Wie die Dynamik Newtons ist die Quantenphysik keine ausgedachte Theorie wie Einsteins Relativitätstheorie mit ihren frei herbei philosophierten Gegenständen, sondern als pragmatische Wissenschaft eine aus dem Sachverständnis ihrer Begründer heraus entwickelte Anweisung, wie mit den kleinsten quantifizierbaren Einheiten der Physik wie Elektron, Photon, Feld, Drehimpuls, Spin usw. sachgerecht und zielgerichtet umzugehen ist. Sie versucht nicht die Welt mit unbewiesenen Behauptungen zu beschreiben und dabei das Denken zu fixieren, sondern gibt Physikern erprobte Regeln zum Umgang mit bestimmten Phänomenen. (Das Sprechen von Theorien ist erst durch Einsteins Theorie üblich geworden.)

Klassische Physik und Quantenphysik sind keine Gegensätze, sondern werden auf unterschiedliche Größenordnungen physikalischen Forschens angewandt und ergänzen sich so.

Die Verschränkung
In der Quantenphysik kennt man das Phänomen der Verschränkung von Teilchen mit gemeinsamem Ursprung, wodurch hernach örtlich getrennte Teilchen momentan als Ganzes reagieren. Ebenso wurde beim sog. "Urknall" alle daran beteiligte Materie/Energie miteinander verschränkt. Zur Unterscheidung beider Verschränkungen habe ich die des Urknalls "Superverschränkung" genannt. Seit dieser ist alles bestrebt, diese Einheit wieder herzustellen, dem jedoch die beim Urknall ebenfalls erzeugte kosmische Fliehkraft entgegensteht, die alles auseinander treibt.

Die Kraft der Verschränkung wurde von Newton "Zentripetalkraft" genannt, weil sie alles zu einem Zentrum hin streben lässt. Wir nennen sie Schwerkraft oder Gravitation. Ihr Sitz ist an die Teilchen gebunden und gehört zu deren Natur als weitere unverlierbare Eigenschaft. Ihr Wirken ist ohne Zeitfaktor, wie das Newton schon sah. denn sonst würden Körper zu Orten hingezogen, wo kein anderer mehr ist Der Beweis der Schwerkraft ist allgegenwärtig - im Himmel wie auf Erden.

Wo Schwerkraft und kosmische Fliehkraft im Gleichgewicht sind, haben sich als dauerhafte Einheiten Sonnen. Planetensysteme, Kugelsternhaufen, Galaxien und Galaxienhaufen gebildet - unser Kosmos eben. Definition: Ein Kosmos ist ein durch ein gemeinsames Ereigni geordnetes Ganzes, das gemeinsam reagiert. Die Dinge getrennt zu sehen ist nur eine auf Erden nützliche Sehgewohnheit, die in der Kosmologie nichts beweist.

Eine neue Kosmologie
Die durch das gemeinsame Ereignis Urknall, besser Ur-Sprung genannt - denn von Nichts kommt nichts - erzeugte neue Ordnung ist ein Kosmos im Universum, das selbst ohne Grenzen in Raum und Zeit ist. Es kann unzählige Kosmen geben, auch wenn wir es nie wissen können. Denken aber schon. Die Kosmen kommen und gehen, aber das Universum/die Energie bleibt.

Damit Physik Wissenschaft ist und bleibt, ist stets der Grund-Satz von der Erhaltung der Energie zu beachten, wie bei der Entstehung des Kosmos, so auch bei der Erstehung seiner Atome. Sie sind Folge der Energie des Ur-Sprungs oder der von Supernovä. Atomexplosionen spiegeln diese Ereignisse. Auf seine Weise ist alles auch gegenwärtig wie der Ur-Sprung durch die Hintergrundstrahlung. Man muss es nur herausfinden.

Wissenschaftlichkeit
Wie Newton zur Wahrung der Wissenschaftlichkeit zur "Zentripetalkraft" (Gravitation) keine Spekulationen anstellen wollte - "hypotheses non fingo" - erlauben sich Quantenphysiker nicht, über prinzipiell nicht Überprüfbares zu spekulieren, z.B. über die Bahn einer Teilchens zwischen den Messungen. Daher ist der Quantensprung für sie auch die untere Grenze des Wissbaren, der Ur-Sprung wäre die obere. Dann muss die Vernunft weiterhelfen, z.B. mit dem Energieerhaltungssatz, mit Logik sowieso. Verstand aber ist immer vonnöten.

Von Ur-Sprung bis Quantensprung
Die Natur macht Sprünge. Das ist ihr schöpferisches Prinzip, durch das jedes Mal etwas Neues entsteht, das etwas ganz anderes ist als die Summe seiner Teile, weshalb das Neue nicht einfach aus ihnen abgeleitet werden kann. Alle Anfänge liegen daher unvermeidlich im Dunklen und können nur akzeptiert werden. Sie nicht mit Vertrauten "erklären" zu können (um nicht neu denkem zu müssen) ist kein Gegenargument, sondern in der Natur der Sache begründet. Es gehört ferner zur Würde des Menschen offene Fragen auszuhalten und nicht immer gleich in einen Glauben zu flüchten.

Die Gesetze der Quanten steuern die Welt sowohl im Kleinsten wie im Größten. Wir brauchen keine 2. Theorie. Die Quantenphysik genügt, doch wird z.B. ihre Anwendung auf den Weltraum von der DLR gerade erst entwickelt**. So kann die Einheit der Physik wieder hergestellt werden. Diesem Ziel wären in der Physik alle Aktivitäten unterzuordnen. Heute jedoch geht es noch viel zu oft darum, scheinbar Recht zu haben. "Die vielgerühmte wissenschaftliche Objektivität ist letztlich Ausdruck von Machtstrukturen aufgrund derer sich die Wissenschaft durchsetzt." (Felix Mühlhölzer) Mal darauf achten! Ich aber würde mich schämen, einen nur noch mathematisch darstellbaren Wackler der Erde von "ein Milliardstel Milliardstel cm" (10hoch18cm) für einen "Beweis" ausgeben zu müssen. Merkt denn niemand wie absurd das ist? Physik des Nirwanas.
**s. meinen Tagungsbeitrag (12) auf ZEIT UND SEIN mit Nachbemerkungen, englicher Originaltext mit Foto der Postersitzung
s. hier

Gegner der Quantenphysik
Menschen die unsicher sind, mögen die Wahrscheinlichkeiten und Zufälle der Quantenphysik nicht. Sie ängstigen sie und lehnen daher die Quantenphysik entschieden ab. Sie wollen dass alles klar berechenbar bleibt. Eine Rolle des nur schwer zu durchschauenden Beobachters mögen sie überhaupt nicht. Und für Materialisten gibt es diese Rolle gleich sowieso nicht, ist sie doch etwas Geistiges mit eigenen Regeln.

Physik als Religionsersatz.
Newton (1643 - 1727) wurde von Leibniz (1646 - 1716) am englischen Königshof der Gottlosigkeit bezichtig, weil in Newtons demokratisch verfassten Physik alles "von sich aus" wirkt und "von sich aus" einbringt.*** Genau aus diesem Grund wird er heute noch von den modernen Deterministen (den neuen Gläubigen) verleugnet, für die möglichst alles vorhersehbar sein sollte und Gott nicht würfelt. Ängstliches Klammern. Physik als Religionsersatz. Die Suche nach den "versteckten Parametern" war die verzweifelte Suche nach Gottes lenkenden Händen. Man fand aber keine. Die Physik als Wissenschaft braucht sie auch nicht, was Newton schon gezeigt hatte. Doch gibt es weiterhin die Sehnsucht nach dem Irrationalen, die bedient sein will. Physik ist eben mehr als nur Naturwissenschaft, weil sie sowohl die Schöpfungsfrage als auch die Frage nach der Rolle des Beobachters berührt, die geklärt und nicht geleugnet oder mißbraucht sein wollen.

Anachronismus
Je mehr die Menschheit den Planeten beherrscht, umso mehr wächst ihr Verantwortung für ihn zu. Da ist eine Lehre von der Unfreiheit des Menschen so unzeitgemäß wie verantwortungslos. Der Autist Einstein, der selbstblind keine Rolle des Menschen bemerken konnte, dazu in "Mein Weltbild": "Für den Physiker, der von den Gesetzmäßigkeiten alles Geschehens durchdrungen ist, handelt der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit, ist also vom Standpunkt Gottes nicht verantwortlich, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen." So wurde Einstein. zum Gewährsmann aller Deterministen, die sich ihm okkupiert haben. Seine Lehre als Spiegel seines Autismus ist auch irrational und gottbezogen genug, damit sie als neuer Glaube geeignet ist. Und ihre Gegenstände (dunkle Materie, dunkle Energie, Gravitationswellen sowie zuvor schon die "versteckten Parameter") muss man in der Grauzone von Messtoleranzen im Unsichtbaren mühsamst suchen. Selbst der Kirchenvater Augustinus (354 - 436) warnte: "Wer immer etwas hinter hinter die Dinge zu sehen versucht, sieht am Ende die Dinge selber nicht mehr." "Wie die meisten Einsteinkritiker hatte ich früh erkannt, daß den relativistischen Schreibtischtheoretikern die physikalische Wirklichkeit völlig fremd ist." (Gotthard Barth) Es fehlt einfach an Sachverstand, nicht nur den Autisten. Deshalb sollte ja wenigstens alles berechenbar sein. Mach pries dieses Manko als "Denkökonomie". Doch ersparte Gedanken bringen keine Zinsen.

Nobelpreise
Heutige Quantenphysiker bekommen keine Nobelpreise - mal darauf achten! Der teure "Nachweis" des Higgsteilchen am CERN in Genf dafür aber sofort, weil es "ein Gottesteilchen" ist, das im Verborgenen allen Teilchen Substanz verleiht. Das freut die Gläubigen. Besser aber wäre, man hätte die Substanz ("Masse" genannt - doch genau genommem ist "Masse" nur ein Maß der Menge und keine Sache) gleich bei den Teilchen gelassen. Dann würden sie immer sofort und "von sich aus" wirken können. Damit wäre ihr Verhalten zudem "so einfach wie möglich" erklärt. Man ist aber auch hier lieber geheimnisvoll. Einstein schwärmte: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle." Vernunft langweilt, das Absonderliche fasziniert. Als Philosoph bevorzuge ich die Klarheit des Gedankens. Man sehe es mir nach.

Heilbronn, den 2. Juli 2022
(21.07.2022 neu: Zufall, Größenordnung; 25.07.2022 neu: Superverschränkung, Energie der Atome, Zitat Barth; 26./27.07.2022 zu Wahrscheinlichkeiten, Quantensprung, Energieerhalt u.a.; 28.07.2022 zur Wissenschaftlichkeit; Ober- und Untertitel neu, 29./30.07.2022 und 07.08.2022 weitere Ergänzungen)
Helmut Hille
Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Arbeitsgruppe Philosophie der Physik
Philosophieren ist das immerwährende Ringen um die Freiheit des Geistes.


s. auch: Tanz der verschränkten Quanten

s. auch: Was besagt der Gottesbegriff? Ein Beispiel für Neurotheologie

*Robert Mayer, Heilbronn, formulierte als Erster das Energieerhaltungsgesetz  s. Datei (I/C10)

***Schon der Begründer des Rationalismus, René Descartes (1596 - 1650), nannte es "das Erste Naturgesetz", dass das Verhalten der Dinge nur durch sie selbst bestimmt wird ("soweit es an ihnen liegt"), weshalb er von der Kath. Kirche 1650 in Stockholm ermordet wurde. Das hätte sich Leibniz für Newton wahrscheinlich wohl auch gewünscht, weshalb er ihn beim englischen König der Gottlosigkeit bezichtigte, ist der engliche König doch das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche und Gottlosigkeit ein schwerwiegender Vorwurf. Newton aber hatte Gott nie geleugnet, sondern wie zuvor schon Descartes ihn nur für das Verhalten der von ihm geschaffenen Dinge nicht verantwortlich gesehen. Für mich ist der Determinismus die Philosophie der Feigen und Ängstlichen, die auch nicht gern selbst Verantwortung übernehmen. Autisten sind da entschuldigt. - Der französiche TV-Sender arte hat in seinem Antiklerikalismus am Samstag, den 6. August 2022 Einstein und Hawking wiedereinmal einen Abend lang zur besten Sendezeit als geistige Helden zelebriert, weil deren Weltbild ohne Gott auskommt (obgleich sich Einstein gern auf ihn berief)*. Das muss man auch verstehen und hat mit Wissenschaft eigentlich nichts zu tun, die hier nur missbraucht wird.
*Diese Unentschiedenheit gehört zu seiner autistischen Persönlichkeit - s. in der Datei (I/B8) den Text "Einstein als Zwilling"


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