Wie wir zu Menschen wurden

Und was noch werden kann -


Philosophische Sentenz des Monats September 2022 auf www.museumsart.de
meine letzte eigens geschriebene Sentenz


Wie alle Astronauten auf der ISS, musste auch Alexander Gerst täglich zweieinhalb Stunden Ausdauer- und Krafttraining absolvieren, um dem Muskelabbau vor allem der Beine durch die Schwerelosigkeit entgegen zu wirken, denn man steht und geht nicht in der ISS, man schwebt. Muskeln die nicht gebraucht werden schwinden, gleich was und wieviel man isst. Es ist also der Gebrauch, der sie stärkt und wachsen lässt. Affen in Südafrika, für die der aufrechte Gang von Vorteil war, bekamen vor Millionen Jahren die Hände für neue Funktionen frei. Sie lernten dann sicherlich auch, mit dem Finger gezielt auf Feind oder Beute zu deuten, was der genaueren Verständigung der Gruppe und damit deren Überleben diente. Diese gezielte lautlose Geste ergänzte die verräterischen Warnlaute durch die Bedeutung, die mit ihr verbunden ist. So lernte der "Südaffe" Australopithecus und die auf ihn folgenden Frühmenschen mit gezielten Gesten neue Bedeutungen zu generieren wie das Zählen mit den Fingern (erste Digitalisierung). Bedeutungen sind der Blut der Sprache, ob verbal oder nonverbal. Am Anfang der Sprache stand also nicht das Wort sondern als schöpferischer Akt die Bedeutung des Gedeuteten. Ohne sie bleibt Sprache leer. Und mit der größer werdenden Zahl von Bedeutungen und ihren Verknüpfungen beim Denken entwickelte sich das Gehirn.

Neue kognitive Fähigkeiten entstanden auch durch die zunehmende Feinfühligkeit der Hände (Fingerspitzengefühl), die ganz neue Erfahrungen machen konnten. Die Hand wurde nach und nach zum Organ des Handelns. Werkzeuggebrauch nahm zu und damit neue Möglichkeiten des Gestaltens, insbesondere das der Umwelt. Dazu brauchte es eben auch die größeren Gehirne, die mit ihren Aufgaben wuchsen. Diese wuchsen also nicht, weil durch den Gebrauch des Feuers die Frühmenschen mehr Fleisch und damit mehr Eiweiß verzehren konnten, wie gerne materiell zu Gunsten der Fleisch- und Pharmaindustrie argumentiert wird. Doch wie Muskuläres durch Gebrauch der Muskeln wächst, so wächst Neuronales durch neuronalen Gebrauch. Durch Fleisch wachsen vor allem der Bauch und die Gefahr des Infarkts.

Hirn und Hand formen den Verstand
Was bei der Vermenschlichung des Gehirns durch die Sensibilisierung der Hände so zugenommen hat ist die Fähigkeit Bedeutungen und damit Sprache zu generieren und mit ihren Verknüpfungen ein immer reicheres Geistesleben zu entwickeln. Die reale und die verstandesmäßige Aneignung der Außenwelt gingen Hand in Hand. Zudem ist der Tastsinn der Sinn der Wahrheit, weil er unmittelbar ohne ein vermittelndes Zwischenmedium ist. Auf ihn kann man sich verlassen. Auf dieser soliden Basis bildet sich im Kopf ab, was die Hände tun: mit den Möglichkeiten des differenzierten Greifens wuchs das geistige Begreifen. Begriffe wurden erarbeitet. Aus dem Fassen wurde geistig das Erfassen, aus dem Bedeuten, was beim Hindeuten gemeint ist, wurde geistig die Bedeutung. Ebenso wurde aus der gezielten aufklärenden Gebärde des Weisens das gezielte geistige Beweisen. Umgekehrt zeigt die unwillkürliche Gestik wiederum, was im Kopf vor sich geht. Deshalb ist andererseits auch Gebärdensprache möglich. Schließlich entstand durch die Differenzierung der die Körpersprache begleitenden Laute die Begriffssprache. Dieser Prozess der Transformation zeigt, was das Geistige ausmacht: Das Geistige ist die nach innen genommene Auseinandersetzung mit dem Dasein, die eben ökonomischer und weniger gefahrvoll ist als die reale und die zudem durch Kommunikation abgeglichen und erweitert werden kann. Das belohnt die Evolution. Mit dem Geistigen ist eine neue Ebene der Wirklichkeit aus Gewussten und Geglaubten entstanden, mit der Menschen in die Welt hineinwirken, deren Folgen zu bedenken immer wichtiger wird.

Mit dem Geistigen kam auch die Sinnfrage auf. Sinn macht, was einem Zweck dient. In erster Linie ist es die Frage nach dem Sinn von Handlungen für das Überleben, das eigene und das der Gruppe. Doch der nun "weise" gewordene Mensch begann auch nach dem Sinn des Lebens überhaupt zu fragen. Doch für Leben und Welt gibt es keinen Sinn, dem sie untergeordnet werden könnten. Sie existieren ziellos aus einem eigenen Grund und entwickeln sich nach ihren Möglichkeiten. Sein ist! Das eben ist Seinsverständnis, das Heidegger verfehlte, als er scheinbar kühn nach dem Sinn von Sein fragte. Wie der Mensch mehr und mehr die Welt zu verstehen lernt* und über sie kommuniziert, könnte er letztlich auch erkennen, dass er die Stimme des Seins ist, das versucht, sich selbst zu begreifen. Menschliches Dasein gewinnt dabei einen über es selbst hinausweisenden universellen Sinn. Seien wir seiner würdig!
*Zu diesem Weltverstehen gehört auch eine rationale Kosmologie, wie z.B. ich sie vorgelegt habe, z.B. mit die Tagungsbeiträge (14) und (17) auf ZEIT UND SEIN oder neuerdings in Zusammenhang mit der Quantenphysik, s. Datei (I/A12).



zurück weiter zurück zum Seitenanfang