Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2022


Helmut Hille
Physik und Sehgewohnheiten
15.01.2022
Zur Frühjahrstagung der Sektion Materie und Kosmos der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), deren Mitglied ich bin, habe ich 3 Kurzfassungen (Abstracts) zum Thema "zur Rolle des Beobachters" eingereicht. Die erste trägt den Titel "Physik und Sehgewohnheiten". Aus den Sehgewohnheiten ergeben sich alltägliche Sprachgewohnheiten, die jedoch in der Wissenschat irreführend sein können, weshalb auf sie aufmerksam gemacht werden muss. Hier also mein erster Titel, den ich bei 2 Fachverbänden eingereicht habe:

Es ist eine Sehgewohnheit, getrennt Gesehenes als für getrennt Existierendes zu halten, Das kann für das Überleben wichtig sein, können wir doch dadurch Einzelnes besser fokussieren. Aber was ist z.B. mit Erde, Sonne und Mond? Reagieren sie nicht als ein Ganzes? Das Wasser der Meere türmt sich in Richtung Mond. Und wenn Mond und Sonne in einer Linie stehen, gibt es die gefürchtete Springflut. Und so ist es doch mit allen kosmischen Objekte, die ewig umeinander herumtanzen und um ihre Zentren kreisen. Keines täte es von sich aus. Einstein sagte: "Es gibt keine Fernwirkungen" Richtig! Die Dinge sind sich nicht fern, wir sehen sie nur so! Alles wurde beim Urknall miteinander verschränkt und reagiert dadurch von Anfang an als ein Ganzes. Wir nennen die Kraft, die dies bewirkt, Schwerkraft oder Gravitation, deren Reichweite allerdings durch Verdünnung im Raum jeweils begrenzt ist, weshalb der Kosmos immer schneller expandiert. Das Problem der Fernwirkungen erledigt sich so ohne jede Hypothese, allein durch Beachtung unserer Sehgewohnheit. Ebenso ist es mit dem Problem der Bewegung bei Unbelebten, was näher ausgeführt wird.

Wegen der Pandemie wird die ursprünglich für Heidelberg an der dortigen Universität geplante Tagung auch diesmal wieder virtuell, also im Internet stattfinden. Einzelheiten dazu sind bisher nicht bekannt. Ich plane, den Langtext erst nach dem Vortrag auf ZEIT UND SEIN zu veröffentlichen, um das Interesse wach zu halten.

WEGE DES DENKENS - www.helmut-hille.de
WAYS OF THINKING - www.helmut-hille.de/prolog-e.html
ZEIT UND SEIN - www.helmut-hille-philosophie.de
http://www.helmut-hille-philosophie.de


Helmut Hille
Die Natur der Allgemeinbegriffe
15.02.2022
In der Natur existiert nur Einzelnes. Indem das Gehirn bei vielem Einzelnen gemeinsame Merkmale erkennt und benennen kann, kommt es zu Allgemeinbegriffen wie Steine, Fahrzeuge, Tiere, Menschen usw. usf. Allgemeinbegriffe sind eben ökonomischer als z.B. die Aufzählung mehrere verschiedener Tiere als Beispiel für die Gattung der Tiere. Das ist die wahre Denkökonomie, die rein der schnellen Verständigung unter Menschen dient. Und mehr gibt es dazu auch nicht zu wissen und zu sagen. Um der heute unter Physikern weit verbreitete Meinung entgegen zu treten, dass Raum und Zeit reale Dinge wären, die man biegen, dehnen, stauchen und messen könnte (Begriffsrealismus), habe ich mich mal ganz grundsätzlich mit der Frage der Natur der Allgemeinbegriffe auseinandergesetzt. Hier die Einleitung meines geplanten Vortrags zur bevorstehenden Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) 2022:

Der Sprecher des DIN-Ausschusses für Einheiten und Formelgrößen (AEF), ein Mathematikprofessor aus Kiel, Lehrstuhl für Logik, schrieb mir 1996 zur Situation im AEF wörtlich: "dass die Meinungen über den Größenbegriff, was ich sehr bedauere, weit auseinander gehen. Das ist der Grund, warum man (noch?) nicht von "der" Meinung des AEF sprechen kann." Es geht dabei um die Frage nach der Natur von Messgrößen. Sind sie etwas, was auch irgendwo real existiert (Begriffsrealismus) oder sind sie Erzeugnisse des menschlichen Geistes zur Beherrschung der Natur? (Nominalismus) Seit dem 11. Jahrhundert haben im Mittelalter Philosophen und Theologen heftig darüber gestritten, ob Allgemeinbegriffe auch real oder nur rein geistig existieren, der sog. Universalienstreit. Bekannt ist Ihnen sicher der Nominalist Wilhelm von Ockham (1288 - 1347)* mit Ockhams Rasiermesser, überflüssige Erklärungen zu unterlassen, um was es hier ebenso geht. M.E. genügt es zu wissen, dass Messgrößen geistige Aspekte sind, die wir an die Dinge herantragen, um sie uns geistig und real verfügbar zu machen. Daher kann man z.B. eine Distanz messen, ohne dass es eine Sache Distanz gibt. Aber natürlich gibt es auch keine Sache "Länge" " Volumen" oder "Zeit" usw. usf. - aber es gibt sie eben als Aspekte, mit denen wir geistig umgehen können. Um das geht es und das zu wissen genügt.
*bekannt auch durch den Film "Der Name der Rose"

Neben meiner Mitgliedschaft bei den Didaktikern der Physik, (den Lehrern) bin ich seit der Gründung im Jahr 2004 ferner auch noch Mitglied des AKPhil = Arbeitskreis Philosophie der Physik jetzt AGPhil Arbeitsgruppe Philosophie der Physik, weil man erkannt hat, dass ohne gründliches philosophisches Nachdenken über die Grundlagen der physikalischen Wissenschaft ein Fortschritt in der Theorie nur schwer möglich ist. So haben insbesondere Gründer der Quantenphysik, wie Niels Bohr und Erwin Schrödinger, die Notwendigkeit philosophischen Denkens erkannt und sich darin versucht. Ich bin überzeugt, dass erst mit Hilfe der noch jungen Neurophilosophie - das ist die Verbindung von Ergebnissen der Hirnforschung mit philosophischen Fragen - die dazu notwendige Tiefe des Nachdenkens ermöglicht wird, von der es auch bei den Sentenzen zahlreiche Beispiele gibt.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
linkes Menü, 3. Block
Alle deutschen Texttitel und Spezialverzeichnisse
Verzeichnis der Texte zur Neurophilosophie
https://www.helmut-hille.de/texttitel.html#XII


Helmut Hille
Zum Vortrag "Die Erfindung der Zeit"  - die 200. Sentenz!
15.03.2022
"Die Erfindung der Zeit" hatte ich ursprünglich als Sentenz für museumsart geschrieben, wo sie im Dezember 2021 veröffentlicht wurde. Im Zuge meiner Anmeldungen zur nächsten Tagung der DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) im März 2022 habe ich bei der Arbeitsgruppe Philosophie der Physik (AG Phil), der ich angehöre, auch einen extra geschriebenen Text zum Thema vorgeschlagen. Über meine beiden anderen Vorschläge haben die zwei hier vorausgehenden Sentenzen bereits berichtet. Anschließend nun die eingereichte Kurzfassung zur Erfindung der Zeit:

Die Zeit ist nicht nur Physikern und Philosophen ein Rätsel, das sie in immer neuen Anläufen zu entschlüsseln versuchen. Richtig ist, sie als Dimension zu bezeichnen, nämlich die des (zeitlichen) Nacheinanders, neben den 3 räumlichen Dimensionen des Neben-, Über- und Hintereinanders. Das räumliche Erleben geschieht dadurch, dass das Gehirn die 2-dimensionalen Bilder der Wahrnehmung - es gibt keine anderen! - so überlagert, dass ein räumlicher Eindruck entsteht. Gleiches geschieht mit den gerichteten Schallwahrnehmungen der beiden Ohren beim Stereohören. So wie ferner das Gehirn das Farbensehen zur besseren Unterscheidung von Objekten und ihrer Teile erfunden hat, wo in der Natur gar keine Farben sind, so hat es auch das Zeiterleben erfunden, obwohl alle Dinge nur in der Gegenwart existieren, die zeitlos ist. Jeder Moment ist so gegenwärtig wie jeder andere, Die Rolle des Beobachters in allen Wahrnehmungen kann also gar nicht überschätzt werden. Trotzdem wird sie so wenig verstanden, weil das Gehirn das so will. Es möchte ungestört arbeiten können, weshalb es sich bedeckt hält. Es kann hier aber mit Hilfe der Neurophilosophie* gezeigt werden, wie es zum Zeiterleben kommt, das für unser Menschsein unverzichtbar ist.
*Verbindung von Ergebnissen der Hirnforschung mit philosophischen Fragen

Der etwas ausführlichere Zeit-Text gegenüber den beiden anderen Texten zur Rolle des Beobachters (hier auch mehr Vortragszeit) ist gewissermaßen 2022 der Abschluss dieser Trilogie und wahrscheinlich auch der Abschluss meiner Vorträge vor der DPG. Ob er als 200. Beitrag auch der Abschluss meiner Sentenzenreihe bei museumsart wird, bleibt abzuwarten. Als Abschluss wünsche ich mir dort die Wiederholung der nachdenklichen Sentenz vom Mai 2014 wo ich mich frage: "Alles in Ordnung?"

Auf alle Fälle danke ich der Herausgeberin Ingrid Sandfort-Blanken schon jetzt für ihre Mühe, Sorgfalt und Geduld mit der Veröffentlichung meiner Texte seit 2003 und deren Archivierung auf ihrem Rechner, die durch die Verbindung von Kunst und Philosophie wahrscheinlich ein seltenes bis vielleicht einmaliges Zeugnis menschlichen Schaffens sind. Den mir unbekannten Lesern danke ich für ihr Interesse. - Als Tipp zum Weiterlesen habe ich hier den 2022 bei der DPG nicht zum Vortrag kommenden Text "Die Natur der Allgemeinbegriffe" vorgeschlagen, der auf ZEIT UND SEIN bereits erschienen ist. Die beiden anderen Texte der Trilogie werde ich nach den Vorträgen Ende März 2022 dort unter …/heidelberg_a.html bzw. …/heidelberg_c.html ins Netz stellen. Einen Überblick über die für 2022 eingereichten 3 Abstracts (Kurztexte) zur Rolle des Beobachters gibt der Tagungsbeitrag (15) gleichen Titels. Sie können sicher sein: Ich theoretisiere nicht über Neurophilosophie - ich wende sie an. So haben Sie Gelegenheit bei mir mitzudenken.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Erhellungen von Helmut Hille
Tagungsbeitrag (15b)
Die Natur der Allgemeinbegriffe (Vortrag)
http://www.helmut-hille-philosophie.de/heidelberg_b.html


Helmut Hille
Die Weisheit des Schamanen
23.05.2022

Helmut Pfingsten 2017 in Neu-Ulm beim Vortrag von (L12) - Foto Wilko v. Hagen (Ausschnitt)

Der Schamane eines Indianerstammes hatte den Glauben an seine hellseherischen Fähigkeiten schon früh verloren. Als er eines Tages von den Stammesangehörigen gefragt wurde, wie der nächste Winter wird, sagte er daher vorsichtshalber, um sie nicht zu enttäuschen und nicht zu gefährden: "Das wird ein sehr langer und harter Winter." Aufgeschreckt rannten die Indianer daraufhin los und fingen an, Holz zu sammeln. Eine Woche später packte den Schamanen das schlechte Gewissen, und er ging zum Wetteramt der nächsten Stadt, um sich Gewissheit zu verschaffen. Auf seine Frage, wie der kommende Winter wird, sagten ihm die Fachleute dort: "Das wird ein sehr langer und harter Winter." Der Schamane erleichtert: "Gut, und woher wissen Sie das?" - "Wie wir bemerkt haben, sammeln die Indianer jetzt schon fleißig Holz."

Und es wurde tatsächlich ein ungewöhnlich langer und harter Winter. In Unkenntnis des wahren Sachverhalts sahen sich die Wissenschaftler des Wetteramts in ihrer prognostischen Methode "glänzend bestätigt" und sonnen sich seither in ihrem damaligen Erfolg. Und der Schamane galt bei seinem Leuten, und bald auch darüber hinaus, als genial und weise. Dabei hatten beide nur Glück gehabt! Mit weiterhin Glück und Schläue erfüllte der Medizinmann noch viele Jahre seine ihm zugedachte Rolle nach seinen Möglichkeiten. So sagte er diplomatisch, z.B. wenn jemand ihn fragte, ob sich die Sonne um die Erde oder die Erde um die Sonne "bewegt", weil er es entweder selber nicht wusste oder weil er immer niemand enttäuschen wollte, denn es ist ja stets leichter Irrtümer zu bedienen, als sie aufzuklären: "Das ist relativ", denn das war seine orakelhafte Lieblingsvokabel. Und indem er mit schwammigen Begriffen, wie "relativ", "äquivalent" oder "entsprechend" entweder Gegensätzliches gelten ließ oder umgekehrt Ungleiches für irgendwie gleich "erklärte" , konnte die Forschung ergeben, was sie wollte: der Schamane hatte scheinbar immer irgendwo recht. "Raffiniert ist der Herrgott", sagte er. Doch er war es auch. So lernte er, dass zumindest bei ihm die Popularität die Summe der Missverständnisse ist.

Als es mit ihm zu Ende ging, schrieb er zur Erleichterung seines Gewissens einem Freund: "Sie stellen es sich so vor, dass ich mit stiller Befriedigung auf ein Lebenswerk zurückschaue. Aber es ist ganz anders von der Nähe gesehen. Da ist kein einziger Begriff, von dem ich überzeugt wäre, dass er standhalten wird, und ich fühle mich unsicher, ob ich überhaupt auf dem rechten Wege bin ..." Das zeigt, dass er wirklich ein Weiser geworden war, denn alle Weisheit beginnt mit der Einsicht in das eigene Nichtwissen. Sie lässt den Menschen sensibel werden, sowohl gegenüber dem Gesprochenen, als auch gegenüber dem, was sich allen Worten entzieht - und er fängt an zu verstehen.

nur hier:
T-shirt: "I want to know God's thoughts ... the rest are details"  Einstein, Zitat: Einstein 1949 an Solovine
mein Vortrag am Bunten Abend einer internationalen Tagung in Ulm/Neu-Ulm, auf der ich 2 Workshops leitete (s. Weiterlesen-Link)
Ulm - Einsteins Geburtsort, der mit ihm mächtig Kult betreibt

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Erhellungen von Helmut Hille
Tagungsbeitrag (9)
Zeit und Sein - warum Menschen glauben und nach Sinn suchen
http://www.helmut-hille-philosophie.de/anhang9.html


Helmut Hille
10 Grundlegende Definitionen
15.06.2022
Philosophieren ist das Ringen um die Freiheit des Geistes.

Wahrheit ist die Übereinstimmung zwischen dem Gesagten und Gewussten. Es gibt keine andere Wahrheitsinstanz.

Die Rolle des Beobachters ist unendlich, nämlich nicht hintergehbar.

Evolution ist kein Prozess der Anpassung, sondern der genetischen Verzweigung mit anschließender Selektion.

Gesundheit ist das Gleichgewicht auf- und abbauender Körperkräfte.

Ethisches Leben ist Leben aus dem Zusammenhang des Ganzen und auf es hin.

Außenwelt: Selbstverständlich gibt es vernünftigerweise eine beobachterunabhängige Wirklichkeit - aber nur solange, wie sie nicht beobachtet wird. (Problem der Quantenphysik)

Von einem Vernunftwesen mehr als vernünftige Wahrheiten zu erwarten ist unvernünftig.

Das Selbst-Verständliche ist die Grundlage allen Verstehens - Verstand vorausgesetzt.

Mit Selbst-Verständlichen beginnend kann man hoffen, verständigen Menschen sich verständlich zu machen.

Helmut Hille
aus WEGE DES DENKENS
https://www.helmut-hille.de


Helmut Hille
Gedanken zur Quantenphysik
18.07.2022
"Wer nur Physik versteht, versteht auch die nicht recht", frei nach Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Problem der Quantenphysik
Außenwelt: Selbstverständlich gibt es vernünftigerweise eine beobachterunabhängige Wirklichkeit - aber nur solange, wie sie nicht beobachtet wird. Der Beobachter kann daher nicht ignoriert werden.

Beobachtung ist im Quantenreich zugleich Störung durch Wechselwirkung. Entweder man kennt dann den genauen Ort oder den genauen Impuls des Quantums, aber nie zugleich beides. So bleibt unsere Kenntnis über Quanten "unscharf".

Die "Unschärfe" ist also keine der Quanten, sondern zwangsläufig eine unseres Wissens über Quanten. Die Superposition dagegen ist eine Bezeichnung für das Nichtwissen über den Zustand eines Objekts in einem abgeschlossenen System - z.B. ob in einer Kiste eine Katze lebendig oder tot ist. Eine simple Selbstverständlichkeit. Man spricht nur gern geheimnisvoll.

Wie die klassische Physik Newtons ist die Quantenphysik keine ausgedachte Theorie wie Einsteins Relativitätstheorie, sondern als pragmatische Wissenschaft eine aus dem Sachverständnis ihrer Begründer heraus entwickelte Anweisung, wie mit den kleinsten quantifizierbaren Einheiten der Physik wie Elektron, Photon, Feld, Drehimpuls, Spin usw. sachgerecht und zielgerichtet umzugehen ist.

Die Verschränkung
In der Quantenphysik kennt man das Phänomen der Verschränkung von Teilchen mit gemeinsamem Ursprung, wodurch hernach örtlich getrennte Teilchen momentan und als Ganzes reagieren. Ebenso wurde beim sog. "Urknall" alle daran beteiligte Materie/Energie miteinander verschränkt. Seitdem ist alles bestrebt, diese Einheit wieder herzustellen (Energieerhalt), dem jedoch die beim Urknall ebenfalls erzeugte kosmische Fliehkraft entgegensteht, die alles auseinander treibt.

Die Kraft der Verschränkung wurde von Newton "Zentripetalkraft" genannt, weil sie alles zu einem Zentrum hin streben lässt. Wir nennen sie Schwerkraft oder Gravitation. Sie ist ohne Zeitfaktor. Verschränkung ist ihre Natur. Das ist meine Überzeugung. Man muss es sich nur zu denken wagen. Ihr Beweis jedoch ist allgegenwärtig - im Himmel wie auf Erden.

Wo Schwerkraft und kosmische Fliehkraft im Gleichgewicht, gibt es als dauerhafte Einheiten Sonnen. Planetensysteme, Kugelsternhaufen, Galaxien und Galaxienhaufen - unseren Kosmos eben. Definition: Ein Kosmos ist ein durch ein gemeinsames Ereignis geordnetes Ganzes.

Eine neue Kosmologie
Die durch das gemeinsame Ereignis Urknall, besser Ur-Sprung genannt - denn von Nichts kommt nichts - erzeugte neue Ordnung ist ein Kosmos im Universum, das selbst ohne Grenzen in Raum und Zeit ist. Es kann darin unzählige Kosmen geben, auch wenn wir es nie wissen können. Denken aber schon. Die Kosmen kommen und gehen, aber das Universum und seine Energie bleibt.

Von Ur-Sprung bis Quantensprung
Die Natur macht Sprünge. Das ist ihr schöpferische s Prinzip, durch das jedes Mal etwas Neues entsteht, "das dabei etwas ganz anderes ist als die Summe seiner Teile." (P.W. Anderson)

Die Gesetze der Quanten steuern die Welt sowohl im Kleinsten wie im Größten. Wir brauchen keine 2. Theorie. Die Quantenphysik genügt. Durch sie kann die Einheit der Physik wieder hergestellt werden.

Gegner der Quantenphysik
Menschen die unsicher sind, mögen die Wahrscheinlichkeiten und Zufälle der Quantenphysik nicht. Sie ängstigen sie und lehnen daher die Quantenphysik entschieden ab. Sie wollen dass alles klar berechenbar bleibt. Eine Rolle des nur schwer zu durchschauenden Beobachters mögen sie überhaupt nicht. Und für Materialisten gibt es diese Rolle gleich sowieso nicht, ist sie doch etwas Geistiges mit eigenen Regeln.

Physik als Religionsersatz
Newton (1653 - 1727) wurde von Leibniz am englischen Königshof der Gottlosigkeit bezichtig, weil in Newtons demokratisch verfassten Physik alles "von sich aus" wirkt und sich "von sich aus" einbringt. Genau aus diesem Grund wird er heute von den Deterministen bewusst fehlinterpretiert. Für die soll alles möglichst vorhersehbar sein und Gott nicht würfeln. Ängstliches Klammern. Physik als Religionsersatz. Die Suche nach den "versteckten Parametern" war die verzweifelte Suche nach Gottes lenkenden Händen. Man fand aber keine. Die Physik als Wissenschaft braucht sie auch nicht, was Newton schon gezeigt hatte. Doch gibt es weiterhin die Sehnsucht nach dem Irrationalen, die bedient sein will. Physik ist eben mehr als nur Naturwissenschaft, weil sie sowohl die Schöpfungsfrage als auch die Frage nach der Rolle des Beobachters berührt, die geklärt und nicht geleugnet sein wollen.

Anachronismus
Je mehr die Menschheit den Planeten beherrscht, umso mehr wächst ihr Verantwortung für ihn zu. Da ist eine Lehre von der Unfreiheit des Menschen so unzeitgemäß wie verantwortungslos. Der Autist Einstein, der selbstblind keine Rolle des Menschen bemerken konnte, dazu in "Mein Weltbild": "Für den Physiker, der von den Gesetzmäßigkeiten alles Geschehens durchdrungen ist, handelt der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit, ist also vom Standpunkt Gottes nicht verantwortlich, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen." So wurde Einstein. zum Gewährsmann aller Deterministen, die sich ihm okkupiert haben. Seine Lehre ist auch irrational und gottbezogen genug, damit sie als neuer Glaube geeignet ist. Und ihre Gegenstände (dunkle Materie, dunkle Energie, Gravitationswellen sowie zuvor schon die "versteckten Parameter") muss man in der Grauzone von Messtoleranzen im Unsichtbaren mühsamst suchen. Selbst der Kirchenvater Augustinus (354 - 436) warnte: "Wer immer etwas hinter hinter die Dinge zu sehen versucht, sieht am Ende die Dinge selber nicht mehr."

Nobelpreise
Heutige Quantenphysiker bekommen keine Nobelpreise - mal darauf achten! Der teure "Nachweis" des Higgsteilchen am CERN in Genf dafür aber sofort, weil es "ein Gottesteilchen" ist, das im Verborgenen allen Teilchen Substanz verleiht. Das freut die Gläubigen. Besser aber wäre, man hätte die Substanz ("Masse" genannt) gleich bei den Teilchen gelassen. Dann würden sie immer sofort und "von sich aus" wirken können. Damit wäre ihr Verhalten zudem "so einfach wie möglich" erklärt. Man ist aber auch hier lieber geheimnisvoll. Einstein schwärmte: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle." Vernunft langweilt. Als Philosoph bevorzuge ich die Klarheit des Gedankens. Man sehe es mir nach.

Helmut Hille
Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Arbeitsgruppe Philosophie der Physik
Philosophieren ist das immerwährende Ringen um die Freiheit des Geistes.

Zum Weiterlesen:
Sentenz vom Juli 2009
Tanz der verschränkten Quanten
"https://www.helmut-hille.de/kolumne09.html#3"  (abgelegt auf WEGE DES DENKENS mit Nachbemerkungen)


Helmut Hille
Ist 1 immer auch 1?
Ein Lob der Mathematik
15.08.2022
In der Grundschule lernt man zuerst das "kleine Einmaleins, das Malnehmen der Zahlen 1 bis 10, später das "große Einmaleins" und das Teilen. Neben dem Schreiben und Lesen gehört Rechnen zu den Kulturfertigkeiten die sich mit ihr entwickelt haben und welche die Teilnahme an der Zivilisation ermöglichen. Wie die Musik hat die Mathematik dabei ihre eigene Logik, die angeboren ist, weshalb es auch immer wieder "Wunderkinder" geben kann, die sie nicht mühsam erlernen müssen. Es scheint jedoch so zu sein, dass man entweder ein Wunderkind ist oder mehr oder weniger über die wichtigere soziale Kompetenz Empathie verfügt, die ein friedliches Zusammenleben ermöglicht. Der Volksmund weiß: wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

Irgendwann in den Seminaren tauchte die Frage auf, was die Mathematik eigentlich ist. Ist sie eine Naturwissenschaft? Oder ist sie eine Geisteswissenschaft, unabhängig von der Erfahrung? Was ist ihre Grundlage? Sieht man bei Google nach, was an Definitionen der Mathematik vorliegt, kann man eine gewisse Ratlosigkeit bemerken. Im Sept. 2020 stammte die m.E. noch beste Definition von Meike Germeroth: "Mathematik ist eine Geisteswissenschaft, die ihre Anwendung in den Naturwissenschaften hat. Als reine Mathematik ist sie durch den deduktiven Aufbau (d.h. vom Allgemeinen zum Besonderen) in sich selbst begründet und a posteriori gültig." Die Einschränkung der Mathematik auf Anwendungen in den Naturwissenschaften ist schon mal falsch. Sie wird auch in vielen anderen Bereichen gebraucht, z.B. in der Technik, im Handel, in den Versicherungen usw.. Doch sie selbst hängt von keinem Bereich ab. Und ihre Algorithmen sind die Grundlage des digitalen Zeitalters. Ein weiterer Fehler von Meike Germeroth ist es, die Mathematik als "a posterior"i gültig" zu bezeichnen (oder hat sie nur die Begriffe verwechselt?), d,h. die Mathematik wäre von Erforschbaren abhängig. Dann wäre sie aber keine Geisteswissenschaft, die deduktiv vorgeht. Es müsste "a priori gültig" heißen, d.h. vor aller Erfahrung, also in eigener Logik rein rational gegeben, wie das die Wunderkinder der Mathematik beweisen. Sie hat sich mit dem wachsenden Unterscheidungsvermögen entwickelt.

Die Mathematik ist eine Wissenschaft der Quantitäten/Mengen. Darum kann sie auch graphisch als Mengenlehre dargestellt werden. In ihr bleibt mengenmäßig 1 immer 1! Auch für sie gilt - wie in der Physik - der Erhaltungssatz als höchstes Kriterium. Eine Gleichung ist immer dann richtig gelöst, wenn die eingegebenen Mengenwerte in allen Rechenoperationen erhalten bleiben. Und Zahlen selbst sind nicht interpretierbar. 1 bleibt immer nackt 1 und sonst nichts (das gilt auch für Teile von 1). Beide Eigenschaften machen die Zuverlässigkeit der Mathematik aus. Wenn die Relativitätstheorie dagegen fordert, dass Lichtgeschwindigkeiten nicht addiert werden dürfen, wenn also 1 + 1 nicht mehr 2 ist, dann hat Einsteins Theorie den Bereich der Wissenschaft bereits verlassen. Hier hilft nur Strenge. "Wissenschaftlich arbeiten" (Harald Lesch) heißt eben immer auf ihrem Boden zu bleiben - auch wenn es schmerzt.

Der Mensch hat nach und nach zu zählen gelernt. Den Menschen der Steinzeit wird nachgesagt - obgleich man es nicht wissen kann - dass sie "eins, zwei und viele" gezählt hätten.* Mit den Römern war 1000 die Grenze des Zählbaren, was sich bis heute im Sprachgebrauch erhalten hat. Nach Tausende kommen höchstens noch Abertausende. Und was nicht gut zählbar ist, sind dann einfach "tausend" Dinge wie die Füße des Tausendfüßlers oder die Fertigkeiten eines Tausendsassas. Mit dem Kapitalismus kam das Zählen in Millionen und kamen die Millionäre als die Reichsten auf. Heute müssen wir uns gerade an Milliarden - eine 1 mit 9 Nullen - gewöhnen. Und Milliardäre gibt es auch schon, wobei die Milliarde in den USA Billion genannt wird, Dort sind es also Billionäre (die mein Rechtschreibprogramm nicht kennt). So verlassen wir immer mehr den Bereich des Vorstellbaren. Die Mathematik aber hat damit keine Probleme. Sie eilt weiterhin ihren Anwendungen voraus.
*Ich denke, dass ein tierischer grober Sinn für Mengen ursprünglich war, während das genaue Zählen mit Zahlen zu den sich entwickelden Kulturfertigkeiten gehört. Einleuchtend ist, dass die Frühmenschen mit Hilfe der Finger einer Hand - die Anzahl der Objekte mit der gleichen Anzahl der Finger zeigend - als erstes bis 5 zählen konnten. (zur Folge von Gestik siehe die nachfolgende Sentenz)

Zum Weiterlesen:
Sentenz vom Oktober 2021
Das Gesetz der großen Zahl


Helmut Hille
Wie wir zu Menschen wurden
Und was noch werden kann
15.09.2022
Wie alle Astronauten auf der ISS, musste auch Alexander Gerst täglich zweieinhalb Stunden Ausdauer- und Krafttraining absolvieren, um dem Muskelabbau vor allem der Beine durch die Schwerelosigkeit entgegen zu wirken, denn man steht und geht nicht in der ISS, man schwebt. Muskeln die nicht gebraucht werden schwinden, gleich was und wieviel man isst. Es ist also der Gebrauch, der sie stärkt und wachsen lässt. Affen in Südafrika, für die der aufrechte Gang von Vorteil war, bekamen vor Millionen Jahren die Hände für neue Funktionen frei. Sie lernten dann sicherlich auch, mit dem Finger gezielt auf Feind oder Beute zu deuten, was der genaueren Verständigung der Gruppe und damit deren Überleben diente. Diese gezielte lautlose Geste ergänzte die verräterischen Warnlaute durch die Bedeutung, die mit ihr verbunden ist. So lernte der "Südaffe" Australopithecus und die auf ihn folgenden Frühmenschen mit gezielten Gesten neue Bedeutungen zu generieren wie das Zählen mit den Fingern (erste Digitalisierung). Bedeutungen sind der Blut der Sprache, ob verbal oder nonverbal. Am Anfang der Sprache stand also nicht das Wort sondern als schöpferischer Akt die Bedeutung. Ohne sie bleibt Sprache leer. Und mit der größer werdenden Zahl von Bedeutungen und ihren Verknüpfungen beim Denken entwickelte sich das Gehirn.

Neue kognitive Fähigkeiten entstanden auch durch die zunehmende Feinfühligkeit der Hände (Fingerspitzengefühl), die ganz neue Erfahrungen machen konnten. Die Hand wurde nach und nach zum Organ des Handelns. Werkzeuggebrauch nahm zu und damit neue Möglichkeiten des Gestaltens, insbesondere das der Umwelt. Dazu brauchte es eben auch die größeren Gehirne, die mit ihren Aufgaben wuchsen. Diese wuchsen also nicht, weil durch den Gebrauch des Feuers die Frühmenschen mehr Fleisch und damit mehr Eiweiß verzehren konnten, wie gerne materiell zu Gunsten der Fleisch- und Pharmaindustrie argumentiert wird. Doch wie Muskuläres durch Gebrauch der Muskeln wächst, so wächst Neuronales durch neuronalen Gebrauch. Durch Fleisch wachsen vor allem der Bauch und die Gefahr des Infarkts.

Hirn und Hand formen den Verstand
Was bei der Vermenschlichung des Gehirns durch die Sensibilisierung der Hände so zugenommen hat ist die Fähigkeit Bedeutungen und damit Sprache zu generieren und mit ihren Verknüpfungen ein immer reicheres Geistesleben zu entwickeln. Die reale und die verstandesmäßige Aneignung der Außenwelt gingen Hand in Hand. Zudem ist der Tastsinn der Sinn der Wahrheit, weil er unmittelbar ohne ein vermittelndes Zwischenmedium ist. Auf ihn kann man sich verlassen. Auf dieser soliden Basis bildet sich im Kopf ab, was die Hände tun: mit den Möglichkeiten des differenzierten Greifens wuchs das geistige Begreifen. Begriffe wurden erarbeitet. Aus dem Fassen wurde geistig das Erfassen, aus dem Bedeuten, was beim Hindeuten gemeint ist, wurde geistig die Bedeutung. Ebenso wurde aus der gezielten aufklärenden Gebärde des Weisens das gezielte geistige Beweisen. Umgekehrt zeigt die unwillkürliche Gestik wiederum, was im Kopf vor sich geht. Deshalb ist andererseits auch Gebärdensprache möglich. Schließlich entstand durch die Differenzierung der die Körpersprache begleitenden Laute die Begriffssprache. Dieser Prozess der Transformation zeigt, was das Geistige ausmacht: Das Geistige ist die nach innen genommene Auseinandersetzung mit dem Dasein, die eben ökonomischer und weniger gefahrvoll ist als die reale und die zudem durch Kommunikation abgeglichen und erweitert werden kann. Das belohnt die Evolution. Mit dem Geistigen ist eine neue Ebene der Wirklichkeit aus Gewussten und Geglaubten entstanden, mit der Menschen in die Welt hineinwirken, deren Folgen zu bedenken immer wichtiger wird.

Mit dem Geistigen kam auch die Sinnfrage auf. Sinn macht, was einem Zweck dient. In erster Linie ist es die Frage nach dem Sinn von Handlungen für das Überleben, das eigene und das der Gruppe. Doch der nun "weise" gewordene Mensch begann auch nach dem Sinn des Lebens überhaupt zu fragen. Doch für Leben und Welt gibt es keinen Sinn, dem sie untergeordnet werden könnten. Sie existieren ziellos aus einem eigenen Grund und entwickeln sich nach ihren Möglichkeiten. Das eben ist Seinsverständnis, das Heidegger verfehlte, als er scheinbar kühn nach dem Sinn von Sein fragte. Wie der Mensch mehr und mehr die Welt zu verstehen lernt* und über sie kommuniziert, könnte er letztlich erkennen, dass er die Stimme des Seins ist, das versucht, sich selbst zu begreifen. Menschliches Dasein gewinnt dabei einen über es selbst hinausweisenden universellen Sinn. Seien wir seiner würdig!
*Zu diesem Weltverstehen gehört auch eine rationale Kosmologie, wie z.B. ich sie vorgelegt habe, z.B. mit dem Tagungsbeitrag (14) auf ZEIT UND SEIN

Zum Weiterlesen:
Sentenz vom August 2014
Gedanken zur Sprache


Helmut Hille
Alles in Ordnung?
Wiederholung vom Mai 2014 - vorerst nur hier/ ggf. als Abschluss der Sentenzenreihe/ Foto hier neu
Foto Wolf-Jürgen Weber/Unitarier Es heißt zu Recht: "Ordnung ist das halbe Leben." Denn Ordnung schafft Wissen und Übersicht. Ich habe einen Hang zur Ordnung: z.B. gehe ich an einem Supermarktregal vorbei und sehe etwas falsch abgelegt, wahrscheinlich von einem anderen Kunden, lege ich es an die richtige Stelle, wenn sie in der Nähe ist. Auch in meiner Küche räume ich zuerst auf, bevor ich dort etwas Neues beginne. Das muss man nicht immer positiv sehen, denn andere finden sich auch im Chaos gut zurecht. Aber so bin ich nun mal und muss damit leben.

Positiv und fast zwangsläufig war die Entwicklung eines Organisationsgeräts, "Plangalerie" genannt, das auf 8 Ebenen Pläne, Zeichnungen und Listen zum schnellen Zugriff bereithält, das bei namhaften Firmen zum Einsatz kam. (s. WEGE DES DENKENS Datei L19) Auch gedanklich strebte ich immer nach Ordnung und schrieb Übersichten. So gewann ich Klarheit und konnte Defizite erkennen. Wo diese erkannt sind, versucht das Unbewusste sie zu klären, auch wenn es dazu Stunden, Tage oder Monate braucht. Es ist nichts vergessen, bis es geklärt ist. So arbeitet das Gehirn als rationales Organ. Und wie ich von meiner Ordnung profitiere, so würde auch die Gemeinschaft vom Ordnungssinn profitieren. Kung-fu-tse, der Weise aus China lehrte: "Soll die Gemeinschaft sich ordnen und der Einzelne seine Bestimmung erfüllen, dann müssen zuerst die Begriffe in Ordnung gebracht werden, denn die Unordnung ist zuerst im Denken."

Political Correctness bewirkt dort das Gegenteil von Ordnung, wo die angeblich so menschenfreundliche Haltung dazu benutzt wird, Widersprüche und Probleme nicht beim Namen zu nennen. Aber alles was unterdrückt wird, rächt sich eines Tages, weil das Unbewusste nichts vergisst, auch nicht das des Volkes. Es gilt mit dem Unbewussten zu arbeiten, denn das sind wir selbst. Das Bewusstsein ist nur das Korrektivorgan des Unbewussten, um seine Entscheidungen überprüfen zu können. In der Regel kennen wir nämlich die Kriterien dieser Entscheidungen nicht, weshalb sie ggf. hinterfragt werden müssen. Nur so bleiben wir Herr im eigenen Haus. Weder überlassen wir uns dann den Intuitionen des Unbewussten, noch ignorieren wir sie. Und wenn wir Fragliches erkennen, fängt das Unbewusste an, den Sachverhalt zu klären. Wenn wir offen im Dialog mit ihm bleiben, wächst unser Weltbild und gewinnt mehr und mehr an Klarheit. Hegel sagte: "Der Weg des Geistes ist der Umweg." Nämlich über das Argument, das erarbeitet werden muss. Und wenn sich schließlich Argument widerspruchslos an Argument reiht, haben wir ein System, auf das wir uns verlassen können.

Nachdem ich nun zwei überwiegend philosophische Webseiten ins Netz gestellt und über einhundert philosophische Sentenzen geschrieben habe, frage ich mich, ob nun wirklich alles in Ordnung und gut geordnet ist, was ich da niedergeschrieben habe? Ist es das? Und habe ich auch sonst mein Leben genügend geordnet? Da kann es ja schon Diskrepanzen geben, so wie man von berühmten Leuten aus Erfahrung sagt, "wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten." Aber kaum ein Mensch ist ohne Licht, das ihn leitet, weshalb wir niemand verachten dürfen. Manches in meinem Leben hätte ich sicher besser machen können, manch lieber Mensch hätte sicher mehr Achtung und Hinwendung verdient. Aber das zu korrigieren ist jetzt im Alter zumeist nicht mehr möglich. So kann ich vor allem nur noch weiter an der Ordnung meiner Gedanken und Webseiten arbeiten, so dass ich mehr und mehr das Gefühl habe "alles in Ordnung".

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
Texte zur Philosophie und Hirnforschung:
(II/13) Das Bewußtsein des Seins. Letzte Gedanken
           mit: Mein Vermächtnis
https://www.helmut-hille.de/ego.html


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Dokument: http://www.helmut-hille-philosophie.de/st_2022.html