2005: 100 Jahre Spezielle Relativitätstheorie

Fragen zur SRT



Aller geistige Niedergang zeigt sich zuerst am falschen Gebrauch der Begriffe.

Im Buch von Max Born "Die Relativitätstheorie Einsteins" (Springer 1969) heißt es auf S. 265:

"Wir schließen damit die Darstellung der speziellen Einsteinschen Relativitätstheorie ab. Ihr Ergebnis können wir etwa so zusammenfassen:
(1) Nicht nur die Gesetze der Mechanik, sondern die aller Naturvorgänge, besonders die elektromagnetischen Erscheinungen, lauten vollkommen identisch in unendlich vielen, relativ zueinander gleichförmig geradlinig bewegten Bezugssystemen, die man Inertialsysteme nennt.
(2) Wenn man in jedem dieser Systeme Längen und Zeiten mit physikalischen gleichen Maßstäben und Uhren misst, ergibt sich für eine bestimmte Länge oder Zeit in jedem System ein anderes Messergebnis, aber diese Maße sind durch die Lorentz-Transformationen miteinander verknüpft."
(kursiv im Original, Nummerierung und Absatz zwischen (1) und (2) von mir, Rechtschreibung automatisch neu)

Vorbemerkung:
Absatz (1) und (2) schließen sich gegenseitig aus, denn entweder sind die Gesetze "aller Naturvorgänge ... vollkommen identisch" oder für "Länge oder Zeit in jedem System (ergibt sich) ein anderes Messergebnis", abgesehen davon, dass man ohne den Besitz normierter, unveränderlicher Größen und ihrer sie abbildender Maßstäbe nicht von einem Vorgang des Messens sprechen und somit auch kein Wissen über "Länge oder Zeit" der Systeme haben kann. Maßstabslos vergleicht man unverbindlich Beliebiges nur miteinander ohne einen über das Verglichene hinausgehenden nachvollziehbaren allgemeinen Aussagewert. - Und bitte wo gibt es in einem dynamischen Universum, wo alle Himmelsobjekte sich gegenseitig beschleunigen und dadurch keines auf geraden Bahnen unterwegs ist, "unendlich viele, relativ zueinander gleichförmig geradlinig bewegte Bezugssysteme, die man Inertialsysteme nennt"? Wo existiert das überhaupt, von dem hier gesprochen wird? Doch wie praktisch: Eine Theorie, die nichts Reales zum Gegenstand hat, kann an der Realität auch nicht scheitern!

Trotzdem halte ich zu Borns Sätzen um der Klarheit willen folgende Anmerkungen für nötig:

  1. Wegen der Einheit der Natur ist es vernünftig davon auszugehen, dass "Naturvorgänge" überall nach gleichen Regeln erfolgen, was Satz (1) zuerst im Prinzip richtig besagt. Was die Beschränkung auf bestimmte Systeme betrifft, geht es nicht mehr um Naturvorgänge, sondern um ihre wissenschaftliche Beschreibung, "Gesetze" genannt, auf ausgewählte Merkmale hin, während "Erscheinungen" wiederum Naturvorgänge sind, wie sie unter den Bedingungen des kognitiven Apparates eines Beobachters in seinen Sinnen aufscheinen. Schon hier wäre es um der Klarheit der Aussage willen angebracht, zwischen den verschiedenen Ebenen der Realität, den "Naturvorgängen", den "Erscheinungen" und den "Bezugssystemen" des Beobachters zu unterscheiden, will man denn überhaupt verstehen, um was es geht.

  2. Aus dem selben Grund ist auch die schon in Einsteins Aufsatz "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" anzutreffende Gleichsetzung von "Bezugssystemen" mit "Inertialsystemen" unzulässig, da Bezüge immer eines Beobachters bedürfen, der sie herstellt, wozu er sich des Hilfsmittels "Bezugssystem" bedient. Auch ein Koordinatenkreuz auf einem Blatt Papier ist ein Bezugssystem und keine Sache, während ein "Inertialsystem" ein reales, von äußeren Kräften freies System ist, in dem die Gesetze der Physik in ihrer einfachsten Form gelten. Ich werde daher, wie von Born in Satz (2) auch, bevorzugt den Begriff "Systeme" verwenden, die bei mir real bestimmte Systeme meint, z.B. das Sonnensystem, bedingt durch die Schwerkraft der Sonne. Was nur im Kopf eines Beobachters oder auf einem Blatt Papier existiert, kann nicht Gegenstand der Physik sein. Das sah Einstein aber nicht so, der auf Gedanken-Experimente setzte (= Gedanken ohne Experimente), wobei natürlich falsche Denkvoraussetzungen nicht falsifiziert werden können. Die Gleichsetzung von Bezugs- mit Inertialsystemen, sowie von Gesetzen der Mechanik mit Naturvorgängen bzw. Erscheinungen, ist kein sprachlicher Ausrutscher Borns, sondern gehört zur relativistischen Praxis und Unfähigkeit, zwischen Geistigen und Materiellen nicht unterscheiden zu können, auch "Positivismus" genannt, der diesen Mangel zur Tugend erklärt hat. Einerseits wird dadurch Geistiges materialisiert, z.B. die Ordnungsschemata Raum und Zeit werden als wechselwirkende universale Realitäten hingestellt und physikalische Größen, wie z.B. die Masse, die das Maß eines mechanischen Widerstandes von Materie ist, Trägheit genannt, wird gleich als die Materie selbst angesehen. Andererseits wird die Materie biologisiert und mentalisiert, wie unter 7. dargelegt wird. Dass diese Praxis der Nivellierung von Begriffen zu Verständnisproblemen führen muss und führt ist evident, beruht doch das intellektuelle Vermögen der Menschen auf der Fähigkeit, unterscheiden zu können. Warum das intellektuelle Vermögen hier ausgeblendet wird, ist eine der interessantesten Fragen der Wissenschaftsgeschichte, der unten in "Eine Frage drängt sich auf: Warum das alles?" ausführlicher nachgegangen wird.

  3. Alles Messen ist ein Vergleichen! Die Feststellung, dass (Bezugs-)Systeme "zueinander gleichförmig geradlinig bewegt" sind, kann nur durch gleichförmige Maßstäbe getroffen werden - die es aber gar nicht geben soll! Denn in Satz (2) heißt es, dass sich, aus nicht genanten Gründen, beim Messen mit "physikalischen gleichen Maßstäben und Uhren" "in jedem dieser Systeme" "für eine bestimmte Länge oder Zeit" "ein anderes Messergebnis ergibt". Wodurch man von der Differenz zwischen "einer bestimmten Länge oder Zeit" und dem "anderen Messergebnis" wissen kann, wo wir Längen und Zeiten doch nur durch Messen bestimmen können, ist eines der großen Geheimnisse der SRT. Sie geht von Sachverhalten aus, wie "gleichförmig geradlinig bewegt" oder von "einer bestimmten Länge oder Zeit", um anschließend darzulegen, dass, wegen der Relativität der Messmittel, uns solche Feststellungen gar nicht möglich sind. Und überhaupt: Woher wir beim Fehlen konstanter Messmittel von deren eigener Nichtkonstanz oder wiederum von der angeblich ehernen Konstanz der Lichtgeschwindigkeit solid wissen können, ist Einsteins größtes Geheimnis.

  4. Ebenfalls offen bleibt in der SRT immer die Frage und sie ist ein ewiger Streitpunkt, durch welches objektive Merkmal sich "ruhende" von "bewegten" Systemen unterscheiden, wo es sich dabei um Messaussagen ohne Messvorgang handelt, obwohl dieser Unterschied doch entscheidend für ihr Längen- und Zeitverhalten sein soll. Auch Einstein konnte natürlich nie ein solches Merkmal benennen, weil es ja keines gibt, ist doch die Unterscheidung beider Zustände nur eine Frage der persönlichen Sehgewohnheit. Und auch zum Nebensatz von (2) "aber diese Maße sind durch die Lorentz-Transformationen miteinander verknüpft", gibt es ebenfalls etwas zu bemerken: woher können wir bei soviel Relativität aller Messmittel die korrekte Größe "v" nehmen, die in die Lorentz-Transformationen eingesetzt werden muss, um relativistische Zeitintervalle, Längen und Massen zu ermitteln, von denen ja "v" wieder abhängt, wie umgekehrt auch? Ich denke, wir haben es hier mit einem unendlichen Regress zu tun. Relativisten sehen das Problem nicht, da sie ja schon vor aller Messung die richtige Maßzahl und den Bewegungszustand zu kennen glauben, auf der sie dann beharren und abweichende Messergebnisse auf das Wunschergebnis hin relativieren. Daher der Name "Relativitätstheorie".

  5. Zuersteinmal ist es richtig, dass bei Verwendung "physikalisch gleicher Maßstäbe und Uhren" von einem Vorgang des "Messens" gesprochen werden kann, wobei es aber überhaupt nicht auf die physikalische Gleichheit der Maßstäbe ankommt, sondern einzig und allein darauf, dass sie den gültigen Normen entsprechen, z.B. Längenmaßstäbe der internationalen Meterkonvention. Bei Uhren kommt es auf die Richtigkeit des Uhrengangs an. Daher können auch Uhren vollkommen unterschiedlicher physikalischer Bauart verwendet werden, und man kann trotzdem Zeitpunkt und Dauer eines Ereignisses richtig und zuverlässig bestimmen. Entscheidend ist nur, dass die Uhren der gültigen Norm - dem internationalen Zeitnormal - entsprechende Ergebnisse liefern. Wegen ihrer Ausgrenzung alles Geistigen, sofern sie es nicht für materiell halten, wollen Relativisten von Normen und Größen als geistige (Voraus-)Setzungen jedoch nichts wissen, weshalb sie sich immer auf physikalische Gleichheit berufen müssen. Von Bureaus of Standard, die Größen und ihre Einheiten definieren, von einer Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und von Eichämtern, die für die Einhaltung der Normen sorgen, wissen oder halten sie offensichtlich nichts. Doch ohne Normen und die ihre Anwendung überwachenden Ämter gäbe es kein überall nachvollziehbares quantitatives Wissen und keine technische Zivilisation. Wer nicht versteht, was Voraussetzung einer Messung und ihrer Gültigkeit ist, wird auch das Ergebnis einer Messung nicht richtig deuten können.

  6. Wenn nun, wie von Einstein angenommen, "in jedem dieser Systeme" durch die "Bewegung" relativ zu anderen Systemen Längenkontraktion und Zeitdilatation auftreten, so wären natürlich auch die im System befindlichen "physikalisch gleichen Maßstäbe und Uhren" ebenso davon betroffen, denn es kann ja nicht sein, dass sich die physikalischen Gegenstände verändern, nicht aber die "physikalisch gleichen Maßstäbe und Uhren". Das hat zur Folge, dass - wegen der Physikalität aller - eine "bestimmte Länge oder Zeit" im Gegensatz zu (2) in jedem System unvermeidlich als gleich festgestellt werden wird, so dass sich für die Messenden auch nicht die Notwendigkeit ergibt, die Lorentz-Transformationen zu bemühen. Wegen ihrer Unerweislichkeit sollte man daher gleich auf die Annahme von Längenkontraktion und Zeitdilatation verzichten - selbst wenn sie nicht auszuschließen wären! Und wenn beobachtet wird, dass eine Uhr in einem fremden System anders geht als bei uns, dann geht sie einfach schlicht falsch, weil die physikalischen Randbedingungen ihres Ganges dort andere sind, wie da sind Schwerkraft sowie Druck jeder Art, Temperatur, Feuchte, Magnetismus, Strahlung aller Art usw., weshalb man die Uhr nachjustieren müsste. Da man außerdem vom Uhrengang in entfernten Systemen nur durch von der Uhr ausgehende Signale zu wissen vermag, kann aufgrund einer Relativbewegung der Systeme untereinander auch ein Dopplereffekt vorliegen, wodurch dem Messenden ein bekannter Uhrengang verlangsamt oder beschleunigt erscheint, ohne es zu sein! Einen Uhrengang in einem fremden System, dessen Relativbewegung der Messende nicht kennt, müsste er ersteinmal so hinnehmen, wie er sich ihm zeigt. Eine durch die Relativbewegung zwischen Objekt und Empfänger bedingte Änderung der Signalfrequenz (Rot- oder Blauverschiebung bei Licht), ebenso wie der Gang von Uhren des GPS-Systems infolge ihrer geänderten Randbedingungen in der Höhe, z.B. durch ein gegenüber auf der Erde schwächeres Schwerefeld, wodurch Atomuhren trotz "ihrer Bewegung", also im Widerspruch zur SRT, schneller gehen, weil der Störfaktor "Schwerkraft" kleiner ist!,* bedürfen keiner relativistischen "Erklärung", da die Erklärung mit den wohlbekannten und vor Ort anwesenden Kräften genügt (Ockhams Rasiermesser). Man muss nur nicht in "Denkökonomie" (= Denkfaulheit) die Kräfte und ihre Ursachen ausblenden und nicht alles rein mathematisch formal "lösen" wollen, wozu keinerlei Notwendigkeit besteht. Im Gegenteil: durch die Ignorierung des Kraft- und Ursachenbegriffs aufgrund Machs sensualistischer Lehre, ist in der theoretischen Physik in verheerender Weise viel Wissen, Sachverstand und kritisches Vermögen verloren gegangen, die ich wieder in Erinnerung rufen möchte. So wird z.B. mit Eifer die Lichtgeschwindigkeit im zufälligen Bezugssystem eines zufälligen Beobachters betrachtet - doch die für das Licht und seine Geschwindigkeit zuersteinmal physikalisch verantwortliche Lichtquelle wird völlig außer Acht gelassen, was dem Verständnis der Phänomene natürlich nicht förderlich sein kann. Anstelle bequemer Denkökonomie muss wieder Sachverstand und kritisches Unterscheidungsvermögen treten. Und man sollte dankbar sein für kritische Gedanken und sie nicht unterdrücken wollen, nur um einfachen Gemütern alles "so einfach wie möglich" (d.h. ohne Beachtung der Beobachterrolle) erklären zu können, weil man wahrscheinlich selber ein so einfaches Gemüt hat, das sich nur durch Zufall oder Missverständnis in die Wissenschaft verirrte.
    *Einsteins allgemeine Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie sind genauer als Newtons stark vereinfachte Schwerkraftgleichung für Planetenbahnen und deshalb in der Nähe großer Materiemengen brauchbarer. Ein "Beweis" für die Existenz der Raum-Zeit und für die Richtigkeit der Speziellen Relativitätstheorie ist damit nicht verbunden, auch wenn immer wieder versucht wird, diesen Eindruck zu erwecken. Bekanntlich kann man nach Popper Theorien durch Messungen nicht verifizieren sondern nur widerlegen. Aber Vernunftargumente gelten für Relativisten sowieso nicht, da sie ja zur diskriminierten Rolle des Beobachters gehören.

  7. Es bleibt überhaupt unerfindlich, woher die Systeme, einschließlich der Uhren des Navigationssystems GPS, ohne Hilfe eines Beobachters von ihrer Relativbewegung zu anderen Systemen "wissen" können. Wir nehmen doch wohl nur deshalb an, der Zeittakt der GPS-Uhren richtet sich nach ihrer "Bewegung" zur Erde, weil wir Menschen immer alles auf uns und damit auch auf die Erde beziehen. Die von Menschen gebauten Uhren des Ortungssystems hätten dann diese schlichte Angewohnheit von ihren Herstellern einfach übernommen, denn warum sollten sie sich vielleicht nicht nach dem Mond, nach der Sonne, nach Flugzeugen oder nach Kometen usw. richten wollen, wenn sie angeblich schon einen Hang zur Fremdbestimmung haben, der aber nur dem Wunschdenken des Deterministen Einstein entstammt, der immanente Ursachen nicht gelten lassen wollte, weil sie ihm zu "metaphysisch" waren, d.h. jenseits seines Verständnishorizontes? Dass Relativisten die entscheidende Frage nach der Herkunft der Informationen der Uhren zu ihrem Gang gar nicht sehen, obgleich Einstein das Prinzip der Lokalität eingefordert hatte, liegt m.E. daran, dass sie, wegen der Ignorierung der Beobachterrolle und der damit fehlenden Unterscheidung von Beobachter und Beobachtetes, wie sie auch von Borns eingangs zitierten Sätzen belegt wird, zwangsläufig vom sehenden Beobachter auf informierte Systeme schließen, diese also mentalisieren, d.h. Fähigkeiten eines Beobachters unbewusst auf sie übertragen und dann noch als ganz selbstverständlich annehmen, dass sie sich nach dem so übertragenen "Wissen" auch richten. Eine solche Annahme halte ich jedoch für absurd, denn es geht in der Mechanik um tote Materie, die keine Wahrnehmungsorgane und damit auch keine Fernerkennung hat, wie sie überhaupt über keinerlei mentale Fähigkeiten verfügt, sondern bar jeden Wissens und fehlender Außensteuerung lediglich in ihrem Zustand verharrt bzw. ihn zu erhalten versucht, wenn auf sie eingewirkt wird. Diese von Newton stammende Formulierung halte ich für die sachlich einzig zutreffende, weil der toten Materie gerecht werdende Beschreibung, von der physikalisch auszugehen ist. Zugleich ist sie eine Selbst-Verständlichkeit, da sie - wie alle Erhaltungssätze - weder einer weiteren Begründung bedarf noch zugänglich ist.

  8. Pflanzen haben Rezeptoren, Kartoffeln sogar "Augen" - aber was haben Mikrowellen, Teilchen, Atome, Satelliten, Uhren, Planeten usw. für Organe, um von "ihrer" Geschwindigkeit und "ihrer" Beziehung zu anderen Objekten oder sogar zu dem nur im Kopf des Beobachters existierenden Bezugssystem "wissen" zu können? Und dann müssten sie auch noch über eine Sehgewohnheit verfügen, die besagt, welches der "unendlich vielen" Systeme das maßgeblich "ruhende" ist, nach dem sich ihre tatsächliche Geschwindigkeit ergibt, obwohl Einstein 1905 zuerst selbst ganz richtig geschrieben hatte, dass "dem Begriff der absoluten Ruhe ... keine Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen" ("Zur Elektrodynamik bewegter Körper"). Die Schwierigkeit wäre kleiner, wenn es ein natürliches universales Bezugssystem gäbe, eine Art realen, vor Ort anwesenden "absoluten Raum", der den Dingen kräftig den Ätherwind um die Ohren wehen lässt, wodurch sie ihre Relativgeschwindigkeit und die Ausrichtung ihrer Bewegung automatisch (aber wie?) bestimmen könnten. Ich weiß nicht, ob Einstein "Fehler" gemacht hat, wie seine Kritiker sagen, aber ich weiß, dass die von der Relativitätstheorie behandelte Problematik einfach verschwindet und damit sicher auch sie selbst, sobald die Menschen mit wenigstens einen Funken Weisheit gelernt haben, kritisch zwischen Beobachter und Beobachtetes zu unterscheiden und sie nicht mehr unter diesem Niveau argumentieren wollen. Die Frage, warum es Einstein, bei aller Intelligenz und trotz eindringlicher Argumente von Bohr, selbst nicht möglich war auch nur die kleinste Beobachterrolle zu akzeptieren, hat mit seinem Autismus (Aspergersyndrom) zu tun, der ihn sowohl hinderte, sich einerseits in die Eigenart physikalischer Gegenstände hinein zu versetzen, als auch andererseits zu einer Wertschätzung des Geistigen zu kommen, denn "Autismus ist die Unfähigkeit etwas einen Wert zu geben, das man nicht messen kann" (Paulina Borsook). Näheres dazu in (I/B7a) in "Einsteins blinder Fleck". Und da das Messen, wie jeder Erkenntnisgewinn, ein aktiver mentaler Vorgang ist (alles Messen ist ein Vergleichen), geht den hier angesprochenen Autisten auch jedes Verständnis des Messvorgangs ab.

  9. Newtons "absoluten Raum", mit dessen Absolutheit Newton nur die für ein zuverlässiges Messen notwendige Unabhängigkeit räumlicher Maße von realen Randbedingungen meinte, wollte Einstein, für den Raum und Zeit etwas Physikalisches waren, nicht gelten lassen, weshalb er in seinem Physikalismus mit missionarischen Eifer den von ihm für real gehaltenen absoluten Raum aus seiner physikalischen Unberührbarkeit "erlösen" wollte - einzig und allein, weil dieser ihm nicht physikalisch genug war! Er wollte, dass der Raum nicht nur physikalische Wirkungen ausübt, wie er vermeinte, sondern sie auch erleidet! Doch in der Newtonschen Dynamik spielt der absolute Raum keine Rolle, weil für sie nur die Änderung der Bewegungsgröße (die Beschleunigung) physikalisch relevant ist, wozu Newton mit Hilfe der Differentialrechnung den durch das Bezugsdenken sich ergebenden subjektiven Faktor "v" einfach herauskürzt. Newton ist immer schon dort, wo Einstein immer erst hin will, nämlich zu einer objektiven Beschreibung von Kräften. Einstein macht mit seinen Lorentztransformationen Newton einfach nur nach, ohne jedoch den Sinn der Herauskürzung von "v" zu verstehen, schon weil er die Subjektivität von Beziehungen nicht gelten lassen wollte, weshalb er es für notwendig hielt, für seine Gleichungen eine quasi-materielle Begründung zu ersinnen. Die Richtigkeit seiner Begründung versuchen seitdem Generationen von Physikern zu "beweisen", um nicht selbst über dieses Problem erneut nachdenken zu müssen. Und während die Dynamik Newtons seit Jahrhunderten völlig unabhängig von einem absoluten Raum und einwandfrei funktioniert, auch weil bei Newton Körper ihre Trägheit von sich aus haben (Principia Definition III), was keiner weiteren Begründung bedarf, kommt Einsteins Relativitätstheorie letztlich nicht ohne so etwas wie einen "absoluten" oder sich durch Massen krümmenden materiellen Raum aus, will sie nicht in "unendlich viele Bezugssysteme" und damit in unendliche viele Relativgeschwindigkeiten und somit in Beliebigkeit versinken.

  10. Nun ist aber auch Max Born Einsteins Not mit einer SRT ohne absoluten Raum nicht entgangen und er zieht aus seinen eingangs wiedergegebenen Sätzen kurz danach folgenden Schluss:

    "Einsteins spezielle Relativitätstheorie beseitigt also nicht* den Newtonschen absoluten Raum [da sie ihn physikalisch benötigt] in dem eingeschränkten Sinn, den wir diesem Wort früher gegeben haben. Sie stellt gewissermaßen nur für die ganze Physik einschließlich der Elektrodynamik denjenigen Zustand her, den die Mechanik seit Newton hatte."
    *Betonung im Original, kursiv von mir

    Also könnten wir Einsteins SRT doch getrost vergessen, auch wenn sie uns herausgefordert hat (oder doch herausgefordert haben sollte), über viele Begriffe und Kriterien neu nachzudenken und sprachlich nicht einfach weiter so dahinzuschludern, nicht zwischen Beobachter und Beobachtetes unterscheidend einen hemmungslosen Subjektivismus pflegend. Schon wer bei unbelebten Dingen statt von Ortsveränderung von "Ruhe" und "Bewegung" spricht, redet wie ein Bauer vom Vieh auf der Weide, wodurch es ihm nicht gelingen kann, das Verhalten unbelebter Dinge ihnen angemessen zu beschreiben, was zu den "Problemen" geführt hatte, die Einstein dann "lösen" wollte. Aber Einstein selbst war es, der in seiner berühmten Schrift von 1905 zuerst richtig bemerkte, "dass dem Begriffe der absoluten Ruhe .... keine Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen" und so selbst auf die Scheinhaftigkeit des Eindrucks von Ruhe und Bewegung aufmerksam machte, allerdings ohne den Grund dafür - die von ihm abgelehnte Beobachterrolle - verstanden zu haben, weshalb er sein Relativitätsprinzip lediglich "eine Vermutung" nannte, die er aber in seiner Schizophrenie zugleich für "erwiesen" hielt. So ist es kein Wunder, dass in seiner anschließenden Argumentation das "erwiesene" Fehlen der Objektivität des Begriffs der "absoluten Ruhe" unbeachtet bleibt, im Gegenteil, er ständig mit der "Ruhe" physikalisch argumentiert, obwohl ihr ja, wie "erwiesen"(!), "keine Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen"*, wäre uns doch sonst die ganze SRT erspart geblieben. Denn was keine Eigenschaft der Erscheinungen ist, sondern eine vom Beobachter zu seinem Verständnis einer Sache (zumeist unwillkürlich) dazugegebene Eigenschaft aus zweiter Hand, hier sogar auch noch in Analogie zum Biologischen, kann natürlich real auch nichts bewirken und somit auch kein Gegenstand der Physik sein, die es ja mit messbaren Wirkungen und nicht mit persönlichen Eindrücken zu tun haben sollte, die Mach zur Physik erheben wollte. Angeblich wollte er metaphysische Erklärungen, wie er Argumente der Vernunft nannte, vermeiden, die mangels Sachverstand jenseits seines Verständnisses waren. Weil man die Vernunft, wie die Atome, nicht sieht, könnte es sie auch nicht geben bzw. hätte sie keine Bedeutung.
    *Mit dieser Aussage Einsteins ist es möglich, seine SRT in einem Satz zu widerlegen. Doch um mich nicht auf Einstein und einem Satz von ihm verlassen zu müssen, war es nötig, den Satz zu begründen, was mir hoffentlich gelungen ist.

  11. Interessiert man sich oberflächlich und vordergründig jedoch nur für Sinneseindrücke, darin einer Parole Machs folgend, der im Zuge der allgemeinen Geistfeindlichkeit als überschießende Reaktion auf den vorangegangenen Idealismus, es für besonders wissenschaftlich hielt, dem Anschein und nicht mehr der Vernunft zu trauen, weshalb sie auch in seiner Nachfolge mitsamt dem Unterscheidungsvermögen verloren ging, dann muss man konsequenterweise sich auch aller Sachaussagen enthalten, genauso wegen der Ablehnung der Dynamik auch aller dynamischen Begriffe, wie der z.B. der Masse, wenn man glaubhaft bleiben und Konfusionen vermeiden will. Schon Einsteins Titel von 1905 "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" ist ohne den abgelehnten Kraftbegriff irrig, weil es ohne Kräfte keine Dynamik gibt. Auf den Konflikt zwischen Instrumentalismus und Realismus bei fehlender sauberer Trennung beider weisen schon in (I/B3) die beiden Autoren Galeczki und Marquardt detailliert hin. Doch gilt gerade für Relationen, die ein Beobachter herstellt: Wir wissen von der Natur nur aufgrund von Beobachtungen. Daher ist unvermeidlich der Beobachter in jedem Wissen, z.B. in Form der Relationen, präsent! Das heißt: der Beobachter ist ein Teil des Systems seiner Erkenntnisse, hätte er doch sonst keine! Das ist eine Selbst-Verständlichkeit! Nur durch das Bedenken der Beobachterrolle - und nicht durch ihre Leugnung - vermögen wir Wissen zu objektivieren, um was es in der Wissenschaft doch eigentlich gehen sollte und wie es uns u.a. die Quantenmechanik erfolgreich vorgemacht hat. Also: 100 Jahre SRT und Indoktrination müssten eigentlich reichen. Auch der Verstockteste müsste nach so einer Zeitspanne merken, dass etwas nicht stimmen kann, wenn Jahr für Jahr neue dicke Bücher zum Thema erscheinen, obwohl Einstein doch alles "ganz einfach" erklären wollte, und immer noch weiter nach teuren "Beweisen" gesucht werden muss.* Wenigstens die NASA möchte ein Forschungsprogramm "Beyond Einstein" auflegen, denn einer Weltmacht, die es bleiben möchte, geht es nicht um schöne Theorien sondern um wirtschaftlich und machtpolitisch verwertbare Ergebnisse. Nur das "alte Europa" denkt immer noch, es könnte sich den Luxus "schöner" Theorien leisten und Tatsachen und alternative Überlegungen weiterhin ignorieren. Dass Donald Rumsfelds "altes Europa" jetzt (Dez. 2003) von der Gesellschaft für deutsche Sprache auch noch zum "Wort des Jahres" mit positiver Bedeutung gewählt wurde, zeigt nur, wie selbstverliebt und wenig selbstkritisch wir "alten Europäer" sind.
    *Man beachte: Um Einsteins SRT zu rechtfertigen, greift man mehr und mehr auf Bestätigungen zu Vorhersagen der Allgemeinen RT zurück, die sich mit der realen Schwerkraft und nicht mit mentalen "Bezugssystemen" befasst, ohne dass man diese unterschiedliche Zuständigkeit deutlich macht. Auch hier gilt es, sich nicht bluffen zu lassen. Auch nicht durch die Praxis der falschen Wortwahl, mit der von Relativisten gern der Anschein eines Beweises erzeugt wird (s. im Langtext von IB/5 das Kapitel "Nachträge und Anmerkungen zum Thema Gravitation"), wie überhaupt die von Einstein ausgehende notorisch falsche Verwendung von Begriffen weiterhin praktiziert wird. Doch noch so viele sog. "Beweise" sind nicht in der Lage glaubhaft zu machen, dass bloße Materie über Bewegungs- und Sinnesorgane sowie über mentale Fähigkeiten verfügt, ohne einen völlig neuen Materiebegriff einzuführen, der dann von dem biologischer Systeme nicht mehr zu unterscheiden wäre und der somit das Ende der Physik als eigenständige Wissenschaft bedeuten würde. Was meine Argumente hier betrifft wird man wahrscheinlich sagen, dass Born bzw. ich Einstein und seine SRT nur nicht verstanden hätten. Aber ich denke eher, dass einerseits Born als langjähriger intimer Kenner und Freund Einsteins und Nobelpreisträger für Physik sich redlich um eine gültige Darstellung bemüht hat, andererseits ich sie in ihren Motiven und Winkelzügen nur zu gut verstanden habe und dass sie sich eigentlich fürchten muss, in ihrem Mentalismus auch von einer breiteren Öffentlichkeit wirklich verstanden zu werden, sobald kritisches Denken und nicht bloßes Nachbeten der "Fachleute" und Nachplappern der Medien wieder gefragt ist. "Nichts ist schädlicher einer guten Einsicht in die Cultur, als den Genius und sonst nichts gelten zu lassen. Das ist eine subversive Denkart, bei der alles Arbeiten für die Cultur aufhören muß." (Friedrich Nietzsche)


Eine Frage drängt sich auf: Warum das alles?
Die in der Relativitätstheorie durchgängig zu bemerkende unkritische, dafür umso hartnäckigere Gleichsetzung von Beobachter und Beobachtetes, bei Born hier beginnend mit der keineswegs zufälligen Gleichsetzung des Bezugs- mit dem Inertialsystem, dass dann "natürlich" auch in seiner Vermenschlichung "weiß", wie andere Systeme sich zu ihm verhalten, zeigt für mich an, dass es in der ganzen Argumentation und Theorie gar nicht um Physik sondern um Physikalität und somit um Physikalismus geht. Hier wird Physik nur missbraucht! In Kröners Philosophischem Wörterbuch heißt es in der 21. Auflage unter dem Stichwort "Physikalismus": "Der Physikalismus ist eine philosophische Anschauung, die alles für sinnlose Forschungsarbeit hält, was nicht mit den Methoden der Physik erfassbar und in ihrer Sprache darstellbar ist [bzw. sie usurpiert sich - wie hier gezeigt - diese andere Sprache]. Zum Physikalismus neigen Neupositivismus und Neurealismus; ..." Ernst Mach war der Neupositivist, auf den Einstein hörte, weshalb wir uns über das Resultat nicht zu wundern brauchen. Einerseits war es Machs Intention, durch Abschaffung des Ursachenbegriffs Metaphysik zu vermeiden, d.h. Vernunftargumente und Sachverstand auszuschließen, andererseits ebnete er dem dogmatischen Panphysikalismus als einer neuen, von ihm als konsequenten Positivisten aber abgelehnten Metaphysik den Weg, weshalb er Einstein die Tür wies. Einstein physikalisierte nicht nur Raum und Zeit wie die übrigen Maßeinheiten, sondern letzten Endes selbst Gott, und zwar zur "fernen Masse", ein physikalistisches Pantheon schaffend, denn im Gegenzug stiegen die Ordnungsschemata Raum und Zeit zur heiligen Viereinigkeit, der vierdimensionalen "Raum-Zeit" auf, mit deren Hilfe die "ferne Masse" alles lenkt, allerdings gebremst durch die Schwester der siamesischen Zwillinge, die sakrosankte Lichtgeschwindigkeit, der sich das Tempo aller Bewegungen unterzuordnen habe, damit es zu keinen negativen Lösungen der Lorentz-Transformationen und damit zu keinen "geisterhaften Erscheinungen" (Einstein) kommt, die dann auch ein Einstein nicht mehr "erklären" könnte. (Aber vielleicht hat er sich nur nicht getraut laut zu sagen, obwohl sich dies als Konsequenz aus seinen Lorentz-Transformationen und dem machschen Prinzip ergibt: der Bereich der Überlichtgeschwindigkeit ist das von Theologen vielbemühte "Jenseits", in dem die von ihrer Erdenschwere befreiten, nun zu Gott eilenden toten Seelen am Tage des Jüngsten Gerichts am Ende (= am Rand) der Welt von Gott (der fernen = echte Teilchen spendenden Masse, den Higgsbosonen) soweit auf Unterlichtgeschwindigkeit abgebremst werden, dass sie auferstehen und mit ihm auf ewig zusammensein zu können - ganz im Ernst: nicht ohne Grund ist besonders katholischen Theologen Einstein seit langen der prominenteste "moderne" Zeitzeuge ihrer Metaphysik, schon weil er sich so oft auf "Gottes Standpunkt" berief, womit er sich allerdings nur der Verantwortung für seine Meinung entledigen wollte, wusste er doch selbstblind nicht, warum er sie vertrat.) Wenn Roger Penrose, ein Schüler Einsteins, heute ähnlich phantasiereich anhand der Quantenmechanik das Bewusstsein "erklären" will (ausgerechnet der Quantenmechanik, für die die Rolle des Beobachters wesentlich war!), dann ist das unter der Prämisse des Physikalismus nur konsequent. (Die heute so beliebte Forderung, dass das Bewusstsein "erklärt" werden müsste, um die Hunderte von Neurobiologen sich z.Zt. emsig bemühen, meint lediglich seine Reduktion auf das neurophysiologische Korrelat, was aber das Phänomen des Bewusstseins außen davor lässt.) Wir haben es also hier mit einer religiöse Züge tragenden Ideologie zu tun, die in ihrem Panphysikalismus alles Lebendige, Seelische, Geistige und Metaphysische für sich zu vereinnahmen versucht, die aber ein Paradoxon ist, denn nichts ist so rein geistig, wie eine Ideologie. Und der Materialist vermeint deshalb mit seinem Materiebegriff auskommen zu können, weil er ihm - infolge der fehlenden Trennung der emergenten Bereiche - unbewusst emergente Eigenschaften verleiht, vermöchte er doch sonst auch gar nicht zu argumentieren. Während der Philosoph, der das Ganze bedenkt, durch die gewissenhafte Unterscheidung zwischen Beobachter und Beobachtetes, die Natur in ihrem Sosein tiefer zu verstehen sucht, begnügt sich der Physikalist als reiner Macher im doppelten Sinne mit ihrem vordergründigen Für-uns-Sein, hält das aber für besonders objektiv und wissenschaftlich, weil Mach (der Name verpflichtet!) es ihm so gelehrt hatte. Durch die nicht aufgelöste Verquickung von objektiven Eigenschaften der Dinge mit subjektiven Wertungen des Beobachters, die eben "keine Eigenschaften der Erscheinungen" sind wie "ruhend" oder "bewegt", ergeben sich unvermeidlich Probleme, die er durch "kühne" Hypothesen zu "lösen" versucht, die unweigerlich zu neuen Problemen führen müssen, während das Bedenken der Beobachterrolle diese Probleme gar nicht erst aufkommen lässt. Der Physikalist spricht zwar gern vom Beobachter und von Bezugssystemen, hegt dabei aber die Illusion, nicht von Menschen, mit ihren nur schwer durchschaubaren mentalen Fähigkeiten und ihren Denk- und Sehgewohnheiten, sondern nur von einfachen Apparaten wie Fernrohre oder Kameras oder gar nur von Fotoplatten zu sprechen, um schlichten Gemütern "alles so einfach wie möglich zu erklären" (nämlich ohne Berücksichtigung der Beobachterrolle) und das auch noch bewusst mit der Kinematik, die lediglich eine beschreibende Wissenschaft ist - womit die Unredlichkeit der ganzen "Erklärerei" schon mit dem Titel beginnt.

    Mir wichtig erscheinende grundsätzliche Fragen zur SRT, die man sich nicht relativieren oder sonstwie aufweichen lassen sollte:
  1. Wodurch kann man von einer Differenz zwischen "einer bestimmten Länge oder Zeit" und dem "Messergebnis" wissen, wo Längen und Zeiten doch eben nur durch dieses Messen bestimmt werden können?
  2. Woher können wir beim Fehlen konstanter Messmittel von deren eigener Nichtkonstanz wissen?
  3. Woher können wir beim Fehlen konstanter Messmittel von der ehernen Konstanz der Lichtgeschwindigkeit wissen?
  4. Durch welches objektive (d.h. in der Sache selbst liegendes) Merkmal unterscheiden sich "ruhende" von "bewegten" Systemen?
  5. Oder: Durch was können wir sonst vor aller Messung wissen, ob ein System in "Ruhe" oder "Bewegung" ist, ist diese Aussage doch schon eine Messung?
  6. Auf welche Weise können Bezugssysteme und physikalische Objekte ohne Hilfe eines sehenden und Bezüge herstellenden Beobachters von ihrer Relativbewegung zu anderen Systemen und von ihrer Geschwindigkeit "wissen"? (s. den anschließenden Text "Was heißt "beobachten"?)
  7. Wie kann es überhaupt eine Bewegung und ihre Geschwindigkeit ohne ein Bezugssystem, also ohne einen Beziehungen herstellenden und nutzenden Beobachter geben?

Die Fragen ergeben sich, weil Einstein ein von Forschung und Normung unabhängiges Wissen zu besitzen vermeinte - seine nicht hinterfragten Denkgrundlagen und Erwartungen - anhand deren er sich in der Lage fühlte, Abmessungen, Konstanzen, Bewegungszustände, Geschwindigkeiten und Maßstäbe freihand zu beurteilen und letzteren zu sagen, worin sie sich "irren", weil ihm die Messergebnisse nicht zu seinen Erwartungen passten. Die hier genannten und vielleicht noch weitere, m.E. unbeantwortbare Fragen sind es, welche einem rationalen Nachvollzug der SRT im Wege stehen und sie somit unverständlich machen, während ihre Absicht, die eigenständige Rolle des Geistigen zu eliminieren, für jedermann offen zu Tage liegt, der die benutzten Worte ernst nimmt und versteht. Das ist z.B. bei Prof. Dr. Jürgen Renn vom MPI für Wissenschaftsgeschichte der Fall, wenn er im "Physik Journal" der DPG vom März 2004 seinen wissenschaftshistorischen Artikel über die Entstehung der Speziellen Relativitätstheorie mit der Parole der Hegelkritik des dialektischen Materialismus überschreibt: "Die klassische Physik vom Kopf auf die Füße gestellt", d.h.: was ursprünglich als Universalien nur im Kopf existierte wurde durch den Materialisten Einstein zur materiellen Basis erklärt, die alles bewegt. Dabei war es aber gerade die Berücksichtigung der Beobachterrolle, welche die klassische Physik bis heute brauchbar macht. Das gern benutzte, meist allgemein gehaltene Argument, Newtons Physik würde "unlösbare Probleme" enthalten, ist eine reine Schutzbehauptung, die durch die Praxis widerlegt wird. Ein zentrales "Problem" wäre dabei die "Paradoxie", dass der absolute Raum angeblich Wirkungen ausübt aber keine erleidet - doch alle Dinge beharren lt. Newton (Definition III) "von sich aus" in ihrem Zustand, benötigen also dazu keinen sie haltenden Raum, wofür ein Determinist jedoch kein Verständnis hat, da er in seiner (Sehn-)Sucht nach Fremdbestimmung, um von jeglicher Verantwortung für seine Meinungen frei zu sein, überall "versteckte Parameter" wittert. Dass Newtons Lehre in Randbereichen und auf neue Fragestellungen hin erweitert und fortentwickelt werden muss, ist noch keine Widerlegung, sondern wäre ein ganz natürliches Verfahren zu einem fruchtbaren Ansatz, wenn es denn praktiziert würde, was heutige Physiker, die unter Vernachlässigung von Sachverstand sich aufs Herumrechnen verlegt haben, leider nicht leisten können, weil sie nicht verstehen, was die Wissenschaftlichkeit der Physik ausmacht.

Wenn es in der "modern" sein wollenden Physik im Geiste Machs schicklich geworden ist, über die Kausalität die Nase zu rümpfen und so zu tun, als käme sie in ihr nicht mehr vor (Feststellung von E. Scheibe in seinem Buch von 2006 "Die Philosophie der Physiker, S. 210), dann wäre es an der Zeit, alle Physiker aus Gutachtergremien, die für die Gesellschaft Ursachenforschung betreiben sollen, z.B. zum Waldsterben, zum Ozonloch, zum Klimawandel usw. sowie zur Reaktorsicherheit, wegen Inkompetenz (fehlenden Sachverstand) zu entfernen und überhaupt die Forschungsmittel der Physik radikal zu kürzen, wenn bei ihrem so forschen "Forschen" doch nichts weiter herauskommt als wieder nur ein bequemer Algorithmus, der ihren Theoretikern als weiterer Spielball dient, ohne etwas zum Verständnis der untersuchten Sache selbst beizutragen.

© HILLE 2004 - 2010
05.01.07 neuer Schluss, 16.07.08 Ergänzungen, 01.02.2010 nachträgliche Vorbemerkung, 20.06.17 Nietzsche-Zitat


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