Anhang an (III/8): Offener Brief an einen Atheisten
      bei den Unitariern wiedergegeben unter: Den Dingen ihre Heiligkeit zurückgeben

Unitarische Briefe 08.06.2021 - Seite 33 / 94
Foto: Wolf-Jürgen Weber / Unitarier EUT2017 Neu-Ulm


Die Unitarier und ich


Es war Mitte der 90er Jahre, als mich in München ein Freund zu einem Treffen der Unitarier mitnahm und ich sie kennenlernte. Deren unkonventioneller Gedankenaustausch und verständnisvoller Umgang miteinander sprach mich so an, dass ich regelmäßig zu ihren Treffen kam. Zur Jahresanfangsfeier Januar 1997 war ich von der Landesgemeinde dann eingeladen, meinen "Offenen Brief an einen Atheisten" vorzutragen, der von den "unitarischen blättern" (ub) März/April 1999 unter dem Titel "Den Dingen ihre Heiligkeit zurückgeben" veröffentlich wurde, zu finden in meiner Homepage WEGE DES DENKENS als Datei (III/8) mit der Textgestaltung in den ub und mit einen Link zu Ihnen. Dazu ein sehr einfühlsamer Leserbrief von Gerhard Kaufmann. Diese Homepage dient in erster Linie der Dokumentation meiner Vorträge und Veröffentlichungen. In der nächsten Datei dort findet sich eine Zusammenstellung meiner Aussagen zur Ethik und über ethisches Verhalten in verschiedenen Texten von mir, die dann vom Heft 2 der ub von 2001 übernommen wurde (10 Seiten). Auf Einladung, wahrscheinlich von Gunde Hartmann, fuhr ich im selben Jahr zum Jahrestreffen der Unitarier in Weinheim, wo Prof. Kahl vom Geistigen Rat der Unitarier auf mich zukam und mir zum Ethikartikel gratulierte.

Im Jahr 2000 zog ich von München nach Heilbronn, wo ich immer noch bin. Ich konnte mit der dortigen Unitariergemeinde bald Kontakt aufnehmen und auch mit der Gruppe in Stuttgart, wo ich ebenfalls fast regelmäßig Treffen besuchte, auch in Gemeinden südlich der Stadt bis Rottenburg, wo ich mich an Diskussionen beteiligte. Gefragt waren auch immer wieder die von mir zusammengestellten und geordneten Texte von Meister Eckhart mit einer Einführung von mir, Datei (II/11) und (II/12), vorgetragen in München im Jahr 2000, in Heilbronn 2001, auf der sehr gelungenen Morgenfeier in Kassel 2002. Auf Einladung von Horst Prem habe ich 2010 in München den Vortrag nochmals gehalten. Auf dem Europäischen Unitariertag EUT2017 in Ulm/Neu-Ulm, zu dem mich Prof. Karsten Urban einlud, hatte ich mir zu meinem Workshop "Zeit und Sein - warum Menschen glauben und nach Sinn suchen“ Horst Prem als Moderator gewünscht, für den Workshop „Warnung vor falschen Propheten im Namen der Wissenschaft“, der dann in den ub von Juli/August 2017 noch sein Echo fand, Alke Prem als Moderatorin, von der auch 2 Texte in WEGE DES DENKENS zu finden sind. (s. Gastautorenverzeichnis)

Ich habe jetzt erneut die Grundgedanken der Unitarier gelesen und könnte sie alle unterschreiben. Ich war immer schon davon angetan, dass es für sie keine absoluten Wahrheiten gibt und jedes Mitglied aufgerufen ist, seinen Beitrag zu den Grundgedanken und weiteren zu leisten. Ich selbst bin seit meiner Jugend an Philosophie interessiert, war in 3 Philosophischen Gesellschaften, davon bei zweien im Vorstand, und habe nach meinem vorzeitigen Ruhestand an der Uni München u.a. 10 Semester lang Philosophievorlesungen besucht, dazu Seminare, und habe 4 Semester lang an der TU München "Philosophiegeschichte in Hinblick auf Wissenschaftsgeschichte" studiert. Nachdem es möglich war, auch als Privatmann Texte im Internet zu veröffentlichen, habe ich 1996 sofort begonnen Arbeiten von mir im Netz zu dokumentieren. Die Sparte II. "Das Verhältnis von Denken und Sein" hatte dabei von Anfang an den Untertitel "Texte zur Philosophie und Hirnforschung" und die ganze Website ist für mich eine "Expedition in das Innere des Verstandes", wollte ich doch wissen, warum Menschen so denken wie sie denken.

Später habe ich dann in einem Buch über Erkenntnistheorie gelesen, dass dazu seit einigen Jahren der Vorschlag einer Neurophilosophie vorliegt. Wenn man um die Voraussetzungen von Erkenntnis weiß, ist man als Philosoph nicht mehr im Blindflug, sondern weiß, warum man etwas weiß und wie zuverlässig es ist. Intuitionen sind Urteile des Unbewussten, das ein rationales Organ ist, das verstehen will, Bewusstsein sein Korrektivorgan. Man kann Intuitionen jedoch nicht blind vertrauen, weil man deren Prämissen nicht kennt. Es gilt Intuitionen anhand geklärter Axiome zu prüfen. Axiome sind weder wahr noch unwahr sondern durch sich selbst verständlich, basierend auf dem Grundsatz, dass von Nichts nichts kommt, z.B. dass beim Unbelebten ohne Ursachen nichts geschieht. Wenn wir das Gefühl haben, dass eine Aussage "wahr" ist, dann ist dies eine gefühlte Übereinstimmung des mit der linken Hirnhälfte Gesagten mit dem in der rechten Hirnhälfte gespeicherten Wissen der Person. Von daher ist klar; dass es keine absoluten Wahrheiten geben kann, sondern nur Wahrheiten für uns, mehr oder weniger gut begründet. Ich selbst sehe meine Texte als Vorschläge zu einem besseren Verständnis der Dinge.

Was mir bei den Unitariern auch besonders gut gefällt, ist die Betonung der Ganzheit von allen. "Wir glauben, dass alles, was ist, eine Ganzheit bildet." Gerade zu diesem Thema habe ich vor der DPG = Deutsche Physikalische Gesellschaft, deren Mitglied ich bin (u.a. im Arbeitskreis Philosophie der Physik), schon öfters vorgetragen. Für 2020 war meine beiliegende ultimative Kosmologie "Für ein neues Weltbild der Physik" mit dem Untertitel "mit meinem Vorschlag was die Welt im Innersten zusammenhält" für die Tagung an der Uni Bonn vorgesehen. Wegen Corona musste die Tagung leider abgesagt werden. Bezüglich der Ganzheit unseres Kosmos, der m.E. einer von vielen ist, verlasse ich mich auf die Erfahrung, dass in unserem kosmischen Bereich die Himmelskörper dank der Gravitation ohne Zeitverlust als eine Einheit reagieren. Bereits Newton hatte keinen Zeitfaktor in seiner Gravitationsgleichung, schon weil ein solcher zu absurden Konsequenzen führen würde. Körper würden zu Orten hingezogen, den die anziehenden Körper schon längst verlassen hätten, was man auch noch nie beobachten konnte. Und die Abstrahlung von Gravitationsenergie in Form von Gravitationswellen würde letztlich zu einem Kosmos voller Gravitationsenergie ohne anziehende Körper führen. Irre! Außerdem unterscheide ich zwischen Kosmos und Universum, wodurch sowohl die Vergangenheit und als auch die Zukunft unseres Kosmos gleich geklärt ist und die nicht nachzuvollziehende Annahme heutiger Kosmologen entfällt, der Kosmos wäre plötzlich aus dem Nichts entstanden. Da hört Physik auf, Wissenschaft zu sein. Beim Big Bang wurde aller Materie unseres Kosmos zwei Urkräfte verliehen, die kosmische Expansion vom Ursprungsort fort, und die Gravitation als das Bestreben, die Einheit des "Urknalls" zu erhalten. Eine solche Einheit durch einen gemeinsamen Ursprung nennt man in der Quantenphysik "verschränkt". Dem Gleichgewicht beider Kräfte verdanken wir im Chaos der Explosion Galaxien, Kugelsternhaufen und die Sonnen mit ihren Planeten, weshalb Quantenphysik und Kosmologie zusammengehören. In dieser Sicht wäre die lange gesuchte Einheit der Physik endlich hergestellt. Man könnte das auch eine Unitarische Physik nennen.

Helmut Hille

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