Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2019

- Was Viren sind und was das Coronavirus besagt s. die letzte Sentenz von 2019 -


Helmut Hille
Der Weltseele auf der Spur
14.01.2019
"In der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in Verbindung mit dem Ganzen steht." (Johann Wolfgang von Goethe)

"Die Weltseele (lateinisch anima mundi, griechisch...psyché tou pantós) ist ein religiöses und naturphilosophisches Konzept. Es beruht auf der Vorstellung einer Analogie zwischen der Gesamtheit des Kosmos und dem einzelnen Lebewesen, speziell dem Menschen. Das Universum als Makrokosmos soll analog zum Menschen, dem Mikrokosmos, strukturiert sein. Als Lebens- und Bewegungsprinzip wird für beide eine Seele angenommen. So wie man sich ein einzelnes Lebewesen als beseelt und von seiner Einzelseele belebt vorstellt, so wird der Kosmos als lebendiger, mit einer eigenen Seele ausgestatteter Organismus aufgefasst." (Wikipedia)

Insbesondere der Mensch wird als ein Lebewesen betrachtet, das eine Seele hat, die seine Persönlichkeit ausmacht. Der Sitz dieser Seele konnte jedoch nie ermittelt werden, weil sie offensichtlich nicht etwas Einzelnes ist. Trotzdem ist sie da, als ein die Ganzheit des Menschen zu seiner Lebenszeit Bestimmendes und Lenkendes. Und ähnlich ist es im Kosmos als dem geordneten Ganzen der Welt. Auch im Kosmos sorgt eine unsichtbare Kraft dafür, dass Planeten Milliarden von Jahren zuverlässig ihre Sonne umkreisen und noch viel länger die Sterne der Galaxien ihre Zentren umrunden. Newton nannte sie Zentripetalkraft - auf das Zentrum eines Körpers gerichtete Kraft - wir kennen sie als Schwerkraft bzw. Gravitation. Newton hat ihre Stärke und ihre Verteilung im Raum beschrieben. Aus Respekt vor ihrer Besonderheit und weil er als Wissenschaftler korrekt bleiben wollte, hat er keine über die Erfahrung hinausgehenden Hypothesen über sie ersonnen. Doch konnte er sagen, dass ein (Himmels-)Körper der Mittelpunkt des jeweiligen Kraftfeldes ist, als eine zweite ihm zugehörige Seite, nicht jedoch selbst auch noch die Ursache dieser Kraft, wie ihm gern unterstellt wird. Da müssen wir schon woanders suchen.

Heute, im Siegeszug der Quantenphysik mit der Erfahrung von Verschränkungen, bei der auch weit voneinander entfernte Teilchen als Eines reagieren, unabhängig von Zeit und Raum, sehe ich mich berechtigt, die alles beherrschende Schwerkraft als ein Verschränkungsphänomen anzusehen, "das die Welt im Innersten zusammenhält". Ursache dieser Verschränkung ist der Urknall, so wie die Verschränkung von Teilchen auch immer einen gemeinsamen Ursprung als Voraussetzung hat. Und diese Kraft selbst, die Schwerkraft, ist und bleibt unsichtbar wie eine Seele. Jemand hat sie einmal als "subatomar" bezeichnet, für welche die engen Gesetze der atomaren Ebene nicht gelten, wie das auch verschränkte Teilchen demonstrieren, was so wenig verstanden wird. Und indem die Schwerkraft - also die einem anderen Körper Schwere verleihende Kraft - zusammen mit der beim Urknall ebenfalls entstandenen, aber alles nur auseinander treibenden kosmischen Fliehkraft die Welt regiert, kann man die Schwerkraft im übertragenen Sinne als die lenkende Seele der Welt bezeichnen. Und wie Lebewesen und deren Seelen kommen und gehen, so verliert sich infolge der Fliehkraft die beim Urknall entstandene kosmische Seele letztlich in den Weiten des Weltraums, weil die Reichweite von Schwerefeldern begrenzt ist. Oder wie ich es in meiner Kosmologie sage, unseren Kosmos als einen von vielen im Universum sehend: "Die Kosmen kommen und gehen, doch die Energie, das Universum bleibt." Und immer wieder können im Universum neue Kosmen entstehen. Und in ihnen Leben.

Diese kosmische Seele ist in uns und überall außerhalb von uns und nicht nur die Ursache geordneter Himmelssysteme, sondern schafft durch deren lange Existenz auch die Voraussetzung von Leben. So hatten erste einfachste Lebewesen auf der Erde viel Zeit, sich evolutionär zu entwickeln. Und wir vermögen keinen Schritt zu tun und keine andere körperliche Bewegung ausführen ohne Beachtung der Schwerkraft. Ebenso achtsam sollten wir mit ihr in der Kosmologie umgehen und nicht für viel Geld in den Weiten des Alls zeitgeistigen Hirngespinsten hinterherjagen, die sich in der kosmischen Umgebung nicht zeigen, was bereits gegen das kosmologische Prinzip der Einheitlichkeit verstößt, dass besagt, dass der Kosmos durch den gemeinsamen Ursprung überall von gleicher Natur ist.* In meiner Sicht ergibt sich so ein Weltbild von großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit, das darin nicht übertroffen werden kann.
*jede andere Annahme wäre willkürlich

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Texte in Versform
[7] Die Lehre von der Allgewalt der Schwere. Szene Faust/Newton
http://www.helmut-hille-philosophie.de/schwere.html


Helmut Hille
Was besagt der Gottesbegriff?
Ein Beispiel für Neurotheologie als Teil der Neurophilosophie
15.02.2019
Wer nur Philosophie versteht, versteht auch die nicht recht. Man sollte auch wissen, wie das Gehirn funktioniert.

Martin Walser schreibt in "Die Stimmung, das Wissen, die Sprache" (UNIVERSITAS Sept.1995 S. 817): "Wer sagt: Gott existiert nicht, hat doch damit schon von ihm gesprochen. Man spürt direkt, wie schwach die Verneinungskraft der Sprache ist, verglichen mit einem Hauptwort. Wenn es Gott nicht gäbe, könnte man doch nicht sagen, dass es ihn nicht gebe. Es gibt das Wort. ... Wir brauchen diese Wörter, sonst gäbe es sie nicht. Sie drücken unser Bedürfnis aus. Unseren Mangel. Unsere Not." Wir sollten also als Erstes versuchen zu verstehen, was der Begriff "Gott" besagt. Da hilft uns am besten die Neurophilosophie, das ist die Verbindung philosophischer Fragen mit den Ergebnissen der Hirnforschung.

Das Unbewusste ist ein rationales Organ, das verstehen will, weshalb es immer nach Gründen und Ursachen fragt in der Grundüberzeugung, dass von Nichts nichts kommt. Da die Welt nun mal da ist, muss es folglich ein ewig Existierendes und Schöpferisches geben, dass wir "Gott" nennen. "Gott" ist deshalb ein höchst rationaler Begriff, weshalb er so hartnäckig und für das Weltverständnis so unverzichtbar ist. Erst seine bei Christen gewohnte Verbindung mit einer menschenähnlichen Erscheinung hat ihn fragwürdig werden lassen. Mohamed dagegen hatte klugerweise den Gebrauch von Bildern in Zusammenhang mit seiner Lehre gleich ganz verboten, weshalb Mohammedaner dieses Problem nicht haben. Ihr Gott wird ihnen nicht fragwürdig!

Was ist nun das ewig Existierende? In einem der ältesten Texte der griechischen Philosophie heißt es bei Anaximander aus Milet (um 611 - 545 v.d.Z.): "Der Ursprung der seienden Dinge ist das Unbegrenzte. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles. Weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert werden und wieder zu jenem [Unbegrenzten] vergehen, aus dem sie entstehen." Hier ist von einem Universum ohne Grenzen in Raum und Zeit die Rede, das zwar nicht erfahrbar ist, das sich jedoch in letzter Konsequenz logisch ergibt. Aber wie schon in der Religion mit ihren Vermenschlichungen hat sich der Westen auch in der Wissenschaft geistig blockiert, indem er den von uns bewohnten, durch einem "Urknall" entstandenen Kosmos hartnäckig als "Universum" bezeichnet, der jedoch wahrscheinlich nur einer von vielen in einem grenzen- und zeitlosen Weltall ist. Auch die scheinbar fortschrittlichere Rede von "Paralleluniversen", die ebenfalls einmal entstanden wären, bringt uns da nicht weiter. Es gilt daher als Erstes Kosmos und Universum zu unterscheiden. Das schafft die notwendige Klarheit. Was gibt es daran nicht zu verstehen???

Und was ist nun das Schöpferische, das uns auf Schritt und Tritt in der Natur begegnet? Bedarf es da nicht doch wieder eines menschenähnlichen, wenn auch eines uns weit überlegeneren Wesens? Seit Darwins Evolutionslehre haben wir zumindest eine Ahnung, wie sich biologische Systeme durch Variation und Auslese entwickeln können, wenn auch noch niemand zeigen konnte, wie aus einer Art eine ganz andere wird, außer durch Symbiose z.B. von Algen und Pilzen wie bei den sehr erfolgreichen Flechten.

Prinzipiell wird das Schöpferische in der Natur wie bei den Flechten durch Emergenz bewirkt, das ist durch Einwirkung einer Energie (z.B. Wärme, die selbst nicht in die neue Verbindung eingeht), die zufällige Verbindung unterschiedlicher Komponenten zu einer neuen dauerhaften Einheit, was ja schon bei den Atomen beginnt. Da das Neue nicht einfach aus den beteiligten Wirkpartnern abgeleitet werden kann, da ja etwas von ihnen Verschiedenes entsteht, wie das Kind von seinen Eltern verschieden ist, kommt hier der Intellekt an seine Grenzen. Wir können da nur staunen und respektieren. So sind wir zwar aufgeklärt, bleiben jedoch ehrfürchtig gegenüber den Wundern der Natur und der Unendlichkeit des Universums. Aber immerhin werden wir dadurch als Mensch zur Stimme des Seins, das beginnt, sich selbst zu begreifen. Und menschliches Dasein gewinnt einen über es selbst hinausweisenden universellen Sinn. Aber natürlich ist niemand daran gehindert, Emergenz als Ausweis einer höheren Weisheit zu verstehen, wenn ihm eine solche Annahme für sein Dasein sinnvoll erscheint.
Text in ( ) nachträglich

Zum Weiterlesen:
Zum Begriff "Emergenz" Sentenz vom Februar 2016:
Emergenz - der Schlüssel zum Verstehen der Welt
http://www.helmut-hille-philosophie.de/st_2016#emergenz

Ein weiteres Beispiel zur Neurotheologie ist die Sentenz vom Januar 2017 "Engel - Boten des Unbewussten", auch auf WEGE DES DENKENS als Datei (III/4a)
Die Sentenz "Was besagt der Gottesbegriff?" wurde Febr. 2021 ebenfalls auf WEGE DES DENKENS als Datei (II/12c) übernommen. Einer meiner besten Texte!


Helmut Hille
Dem Leben auf der Spur
15.03.2019
Nachdem die unbelebte Natur durch Physik und Chemie weitgehend verstanden wird, wenn wir hier von den Irritierungen durch die Relativitätstheorie absehen, wendet sich die Wissenschaft verstärkt der Frage nach der Entstehung des Lebens zu, dass so ganz anders zu sein scheint. Aber so wie die Physik dem Grund-Satz von der Erhaltung der Energie folgen muss, so muss die Biologie dem Grund-Satz von der Erhaltung der Erbinformation folgen, als einer übergeordneten Form von Energie, der alles Lebendige unterliegt. Es geht also letztlich nicht um den Erhalt des einzelnen Lebewesens, auch wenn dessen zeitlich eingegrenzte Existenz notwendig zur Weitergabe der Erbinformation ist, sondern hier um deren Erhalt, will man die Natur verstehen.

Die Forscher wollen nun vermehrt wissen, wie und wo das Leben entstanden sein könnte. Sie fragen sich, welche chemischen Bausteine müssen vorhanden sein, um eine biologische Zelle zu bilden, wo sind zuverlässige energetische Quellen, die eine Synthese bewirken können, welche Umgebung wird gebraucht, damit empfindliche komplexe Zellen Bestand haben. Sie mustern dazu nicht nur Orte auf der Erde und am Meeresgrund durch, sondern auch Objekte des Weltalls wie Kometen und Staubscheiben um werdende Sonnen. Entscheidend ist, dass eine Zelle entsteht, die sich selbst reproduzieren kann. Das wäre der entscheidende Schritt für die Entstehung des Lebens. Ich zweifle aber, dass er jemals vollständig nachvollzogen und verstanden werden kann, denn alle Anfänge liegen unvermeidlich im Dunklen, weil etwas Neues entsteht, was man nicht voraussagen kann. Man kann es nur akzeptieren.

So war es sicher einerseits Zufall, dass eine sich selbst vermehrende Zelle entstand, andererseits hat die kosmische Materie die vom Urknall verliehene Neigung, zueinander hin zu streben, weshalb es im Weltall Himmelskörper jeglicher Größe und Form gibt. So ist auch eine Zelle ein Körper unter dieser Bedingung, jedoch mit ganz neuen Eigenschaften. Alle biologischen Systeme sind Mangelwesen, wie Heidegger einmal den Menschen nannte. Alle wollen ja sich nicht nur sich erhalten, sondern wollen auch wachsen und sich vermehren. So sind sie auf Energieaufnahme angewiesen. Meine Definition von Leben lautet deshalb: Leben ist Materie mit der Fähigkeit zur Anverwandlung fremder Strukturen in die eigene, mit dem Ziel der Selbstreproduktion. Das ist für mich der zentrale Befund, was Leben ausmacht. Da gibt es nichts zu beschönigen. Und eines Tages hat sich das Leben auch noch aus seiner genetischen Gefangenschaft in der Zellteilung mit Hilfe der Zweigeschlechtlichkeit befreit, wodurch die Evolution einen sich selbst verstärkenden Schwung bekam.

Während rein materielle Strukturen bei fehlender Fremdeinwirkung bleiben wie sie sind, ansonsten eher der Erosion unterliegen, hat Lebendiges die Tendenz sich auf Kosten seiner Umgebung auszubreiten. Dabei kann es wieder zum Ziel anderer Lebewesen werden, was in der Natur für ein gewisses Gleichgewicht sorgen kann. So können Fleischfresser zum Schützer von Pflanzen und deren Biotope werden. Da aber jeder biologische Körper bereits selbst zum Biotop von Bakterien, Viren und Parasiten werden kann, vermag er nur zu überleben, wenn er gegen sie immun ist. Auf diese Weise hat sich zum biologischen System ein Immunsystem dazu entwickelt, was nicht wichtig genug genommen werden kann. Dass es eine gewisse Selbstständigkeit besitzt erkennt man an den Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte, Rheuma, Morbus Basedow usw., wenn es beim Menschen z.B. durch dessen Hygiene unterfordert ist. Zur Immunisierung trägt auch bei die ständige Neuentwicklung von Lebewesen und Lebensformen bis hin zur Individualität des Einzelnen, um den Parasiten zu entkommen.

Verstehen wir ganz nüchtern, was das Leben ausmacht und was seine Folgen sind, gilt es die Konsequenzen für unser Dasein und unser Handeln zu bedenken. Die zügellose Vermehrung der Menschheit bei begrenzten Ressourcen der Erde wird in einem Desaster enden, wenn wir nicht früh genug von unserer Vernunft Gebrauch machen. Dafür haben wir sie ja!

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
III. Biologie, Evolution und Ethik
(III/2) Die Genese des Lebens
http://www.helmut-hille.de/page25.html


Helmut Hille
Heilbronns neue Experimenta
12.04.2019
In dem großen Gebiet zwischen den Universitäten Stuttgart und Heidelberg gab es zum Studieren nur die Hochschule Heilbronn u.a. mit zahlreichen eher seltenen Fächern. Zur allgemeinen Vermittlung von Wissen kam, neben den sehr rührigen Volkshochschulen, 2009 in Heilbronn ein Science Center durch Umbau eines seit dem Krieg nicht mehr als Ölsaatenspeicher genutzten Lagergebäudes aus Backstein hinzu. Dessen hochwertige Lern- und Erlebniswelt soll Naturwissenschaft und Technik für Menschen aller Altersgruppen begreifbar machen. In einer Zeit, in der das Technikinteresse im Rückgang ist - es gibt z.B. zu wenig Ingenieure - ist eine solche Gegenmaßnahme wichtig. Die "Akademie junger Forscher" ist dabei das Schüler-Forschungszentrum der experimenta. Parallel dazu hat der Hauptsponsor, die Dieter-Schwarz-Stiftung (Lidl) den Aufbau eines Bildungscampus in der Nähe der experimenta mit großen Beträgen gefördert. Ein vorläufiger Höhepunkt der Bautätigkeit ist die kürzliche Eröffnung der "School of Management" mit dem Schwerpunkt "Digital Technologies" der Technischen Universität München (TUM) in einem eigenen großen Hochhaus. Auf Grund dieser Fakultät möchte Heilbronn sich jetzt gern "Universitätsstadt"* nennen, obwohl der Focus auch der neuen Bildungseinrichtungen (wie die Duale Hochschule) weiterhin auf Management und Betriebswirtschaft liegt, also weitgehend auf dem Kaufmännischen, das sicher auch wichtig ist, wie man z.B. an den Heilbronn-Fränkischen weltweit agierenden Handelsfirmen Lidl und Schrauben-Würth ersieht.
*ab 1. Februar 2020 darf sich Heilbronn "Universitätsstadt" nennen. Gratuliere!

Kurz vor Eröffnung der Bundesgartenschau Heilbronn (BUGA) am 17. April 2019 durch den Bundespräsidenten hat nun auch die neue experimenta am 31. März ihre Pforten geöffnet. Das alles ist ein mächtiger Paukenschlag für Heilbronn, das sich immer zu wenig beachtet gefühlt hatte, und für Dieter Schwarz, der seine Heimatstadt in einem gehoberenen Licht erscheinen und sich selbst ein Denkmal setzen möchte. Das neue Experimenta-Gebäude aus Stahl und Glas steht mit 5 gegeneinander verdrehten fünfeckigen Stockwerken wie ein riesiger Kristall zwischen Campus und BUGA und ist in jeder Beziehung einmalig in Deutschland. Es lockt mit Erlebniswelten, in deren Mittelpunkt der Science Dome mit einem 700 Quadratmeter großen 360°-Kuppelkino sowie einen drehbaren Zuschauerraum lockt. In den anderen Räumen laden den ganzen Tag 275 interaktive Exponate zum Erforschen und Mitmachen ein. Teilnehmer können in 24 ausgewählten Talentstationen mehr über sich selbst und ihre Fähigkeiten erfahren, was ja bereits zur ursprünglichen Zielsetzung des Unternehmens gehörte. In dem alten Gebäude (mit dem Neubau unterirdisch verbunden) befinden sich jetzt 9 hochwertige Labore für Schüler. Dazu hat das 105 Meter lange Laborschiff "MS EXPERIMENTA", das während der Bauphase auf dem Neckar zur Verfügung stand, nun am Bundesgartenschaugelände angelegt und ist von diesem aus weiterhin nutzbar. Aber wo können die so für Naturwissenschaft und Technik begeisterten Schüler danach in der Region studieren?

Um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, habe ich die neue experimenta jetzt kurz nach der Eröffnung besucht. Zu meiner Überraschung ist das Experimenta-Parkhaus in etwa dreimal so lang wie vorher, im Einfahrtsbereich aber noch Baustelle. Ohne einen Hinweis auf den Eingang der experimenta ging ich einfach am Haus entlang bis sich ein Glassegment von selbst auftat, wo mich sofort eine freundliche junge Dame ansprach und mir die Lage von Restaurant, Garderoben und Toiletten erklärte - gut zu wissen! An der Kasse wurde ich 11 Euro los, im Parkhaus später noch 4 Euro 50, wobei der Preis für den Science Dome noch nicht dabei war, der aber auch nur bei Veranstaltungen öffnet, ebenso die Sternwarte. Ich fuhr sofort in den 5. Stock (Dachterrasse - aber: "momentan geschlossen"), wo man einen guten Rundblick über die Stadt und ihre Weinberge hat, und schlenderte danach stockabwärts durch die Exponate des Hauses, wo überall freundliche Helfer einen erwarteten. Getestet habe ich mich nicht, weil ich gegenüber den Jugendlichen, für die das alles gedacht ist, sicher enttäuschend abgeschnitten hätte. In der Ausstellung im 1. Stock über die Natur der Dinge ging es schon fast philosophisch zu. Erst konnte ich lesen, dass wir sehr viel mehr wissen, als wir sagen können, später dass unser geistiger Radius durch die Sprache begrenzt ist. Ob irgendwo auch noch die Auflösung dieses Widerspruchs steht, weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich noch von einem Helfer erfahren, dass für beide Häuser ca. 300 Leute fest angestellt sind und es zusätzlich ca. noch 150 Halbtagskräfte zur Betreuung der Besucher gibt. Ich kann nur hoffen, dass bei einem Eintrittspreis von 5 Euro für die große Gruppe der Ermäßigten die Dieter-Schwarz-Stiftung finanziell da recht lange durchhält und das Interesse am Wissen noch zunimmt.

Alle speziellen Informationen zur experimenta sind deren Prospekten entnommen.

Zum Weiterlesen:
http://www.experimenta.science

An diese Kolumne wurden von museumsart 4 zum Thema passende Kunstobjekte angehängt (bitte beachten)


Am Handgelenk zu tragende Eintrittskarte mit Funktionen - eingerissen bei dem vergeblichen Versuch, sie gewaltsam zu entfernen (Bild und Text nur hier)



Helmut Hille
Eine neue Geschichte des Himmels
15.05.2019
könnte das heißen, was ich im März 2019 in der Technischen Universität München (TUM) im Rahmen der Frühjahrstagung der DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) vorgetragen habe. Dieser Titel ist mir jedoch erst im Nachhinein eingefallen, als mir klar wurde, dass man komplexe Sachverhalte am besten in Form von Geschichten vorträgt. Man nennt eine solche Textform "narrativ", auf die heute immer mehr Wert gelegt wird. Zudem geht es in meinen Überlegungen zum Kosmos eben gerade um seine Geschichte. die bis heute unvollendet ist. Man weiß weder, was vor dem "Urknall" war, hat sogar verboten danach zu fragen, noch hat man eine Vorstellung von der Zukunft des von uns bewohnten Kosmos. Ich habe in München versucht, da Abhilfe zu schaffen.

Als Erstes habe ich dazu vorgeschlagen, Kosmos und Universum zu unterscheiden. Beide Begriffe werden nämlich ständig miteinander vertauscht, als ginge es um ein und dasselbe. Das Unverständnis geht sogar so weit, dass man in beiden Fachschaften, bei denen ich die Kurzform meines Vortrags eingereicht hatte, meinen Untertitel "Universum und Kosmos" nicht übernahm, sondern durch "Philosophie des Universums" bzw. "Philosophy of Cosmology" ersetzte, was eigentlich als eine Art von Zensur verstanden werden kann, die es angeblich in der DPG nicht gibt. Die neuen Untertitel sind aber auch nicht falsch, auch wenn sie den Kern meines Anliegens verfehlen. Sie sind Beispiel einer Praxis in der Wissenschaft, wie man unverstandenes oder unerwünscht Neues unterschlägt, ohne deshalb gleich etwas Falsches zu sagen. "Raffiniert ist der Herrgott" sagte Albert Einstein. Aber die Wissenschaftler sind es auch wenn es gilt, scheinbar Recht zu behalten.

Zu einer Definition von Universum habe ich am Anfang Anaximander aus Milet (ca. 611 - 545 v.d.Z.) zitiert, von dem überliefert ist "Der Ursprung der seienden Dinge ist das Unbegrenzte. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles. Weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert werden." Ein Kosmos dagegen ist ein geordnetes Ganzes, das im Universum aus einem gemeinsamen Ereignis hervorgegangen ist. Dank fleißiger Astronomen wissen wir nämlich seit etwa 100 Jahren, dass die beobachtbaren Galaxien sich voneinander entfernen, woraus sich ergibt, dass sie einen gemeinsamen Ursprung gehabt haben müssen, der im Englischen sachlich richtig "Big Bang", im Deutschen etwas mystisch verklärt "Urknall" genannt wird.

In der gegenwärtigen Kosmologie ist unser Kosmos eine ursachenlose Schöpfung aus dem Nichts, vielleicht durch Gott (doch wo kommt der denn her?) und wir könnten den höchsten Grundsatz der Physik, den von der Energieerhaltung, vergessen und damit die Physik als Wissenschaft. Denn wenn schon unser riesiger Kosmos keiner physikalischen Ursache bedarf, dann bedürfen auch alle geringeren Ereignisse danach erst recht keiner. Da weist nun die Unterscheidung von Universum und Kosmos einen Ausweg. Unser Kosmos ging aus einer zusammenströmenden Materie oder Antimaterie oder deren Zusammenstoß hervor, die bei genügender Menge und Dichte explodierte, wobei alle vorherigen Formatierungen ausgelöscht wurden. Übrig blieb reine Energie, die wiederum durch ihren Druck kondensierte und erste Verbindungen hervorbrachte, nämlich Wasserstoff und Helium. Später entstanden aus diesen Grundelementen infolge der hohen Energie von Supernovä zusätzlich die komplexeren Elemente, wie wir sie heute kennen.

Wenn nun so hohe Energien erforderlich sind, um die Elemente zu bilden, ist es nicht verwunderlich, dass bei ihrer Zerstörung auch wieder riesige Energien frei gesetzt werden, wie wir von Atom- und Wasserstoffbomben wissen, die beide als Echo ihrer Entstehung ein Beweis für den Big Bang und seine Folgen sind. Einsteins berühmte Gleichung E = mc² gibt uns davon eine Ahnung, wieviel Energie in der Materie steckt. Aber das Ende unseres Kosmos, von dem es im Universum wahrscheinlich viele gibt, müssen nicht gleich Explosionen sein, sondern die fliehenden Galaxien verlieren sich einfach in den Weiten des Universums und ihre Teile könnten irgendwann Teil neuer Ereignisse werden. Zu ihrer über alle Erwartungen der Physiker hinaus gehenden immer schneller werdenden Flucht trägt auch bei, dass die Reichweite der um die Himmelskörper herum verteilten und sie zusammenhaltenden Gravitationsenergie durch die Quantelung der Energie begrenzt ist, was meines Wissens bisher nicht berücksichtig wurde.*

Zum Verständnis der Geschichte des Himmels sind neben dem Satz von der Erhaltung der Energie nämlich auch immer die bewährten Vorgaben der Quantenphysik zu beachten, ferner Newtons Gravitationsverständnis sowie die Unterscheidung von Universum und Kosmos. Mit diesen vier Bedingungen haben wir alle Elemente zum Verständnis der Dynamik und der Geschichte des Himmels in der Hand. Mehr braucht es nicht, auch keiner Suche nach dunkler Energie und Materie zum Ausgleich der Defizite unzureichender Berechnungen. Ich habe ferner vorgeschlagen, die Gravitation als das Ergebnis des Big Bang zu verstehen, der alle beteiligte Materie und Energie miteinander verschränkte, so eine neue Einheit schuf, weshalb Himmelskörper - der vom Big Bang verursachten Fliehkraft entgegen - ständig zueinander hinstreben, um wieder vereint zu werden, während sie zugleich miteinander "fliehen". Stabile Galaxien, Kugelsternhaufen und Planetensysteme sind das Ergebnis des Gleichgewichts der beiden miteinander ringenden Urkräfte, das jedermann offen vor Augen liegt. Wir haben es so mit einem Weltbild von großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit zu tun, dass darin nicht übertroffen werden kann. Beginnend mit einem sehr alten Zitat, habe ich in München mit dieser Sicht in knapp 15 Minuten versucht, die Geschichte des Himmels und den Weg zu ihrem Verständnis neu zu erzählen - weiß aber nicht, ob das jemand bemerkt hat.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Tagungsbeiträge
(11) DPG 2019: Die Gedanken sind frei. Universum und Kosmos
http://www.helmut-hille-philosophie.de/anhang11-AG.html

*Meldung von heise online vom 26.04.2019, gefunden am 03.05.2019, nachdem ich den obigen Text gerade ins Netz gestellt hatte:
"Hubble-Konstante: Universum expandiert noch schneller als erwartet
Die Diskrepanz zwischen der erwarteten kosmischen Expansionsgeschwindigkeit und der ermittelten ist noch größer als bislang gedacht. Neue Theorien müssen her."



Helmut Hille
Expedition in das Innere des Verstandes
15.06.2019
Selbst Naturwissenschaftler haben oft das Problem zu unterscheiden, was real und was rein geistig existiert, weil sie sich zu wenig oder gar nicht für die Rolle des Beobachters interessieren. Manche leugnen in ihrem materialistischen Weltbild sogar gleich, dass es eine solche Rolle überhaupt gibt, weshalb Aufklärung Not tut. Aufklärung heute ist die Aufklärung der Beobachterrolle. Ohne diese Aufklärung bleibt alles Wissen vorläufig.

Ein Freund will in seiner monistischen 1:1-Weltsicht allen immer klar machen, dass Sehnerv-Erregung und Seh-Empfindung ein und dasselbe wären. Doch wir haben nicht Sehempfindungen sondern Helligkeitsempfindungen und das, was wir sehen, ist die auf unsere Biographie gestützte plausible Interpretation der Lichtreize durch das Gehirn - die größtmögliche Referenz, die jeder hat. Vereinfacht kann man sagen: man sieht nur was man kennt. Beim Sehen betrifft der zur Interpretation der Lichtreize erforderliche innere Monolog 80 bis 90% seiner Tätigkeit (Wolf Singer, Hirnforscher). Wem als blind Geborener eines Tages das Augenlicht geschenkt wird, hat dann zwar Helligkeitsempfindungen, doch das Sehen, als ein Erkennen des Gesehenen, muss er erst lernen - wenn er es denn schafft, wenn nicht die während der Kindheit dafür offenen Nervenbahnen infolge Nichtgebrauchs eliminiert wurden. Ein Betroffener, der darüber sprach, wünschte sich wieder blind zu sein.

Das ist nur ein Beispiel für die Rolle des Beobachters, die nicht überschätzt werden kann. Und sie geht noch weiter. Da sind zum Beispiel Relationen (Beziehungen), die ein Beobachter unwillkürlich herstellt, um besser zu verstehen, was er wahrnimmt. Ein einfaches Beispiel ist die Aussage "Franz läuft schneller als Fritz". Das "schneller als" scheint dabei nur im Kopf des Beobachters auf, sobald er Franz und Fritz beim Laufen miteinander vergleicht. Man kann sagen, der Mensch weiß von Natur aus nichts, sondern er gewinnt sein Wissen durch die Fähigkeit des Vergleichens. Ebenso wissen die unbelebten Dinge nichts und können mangels mentaler Fähigkeiten aber auch kein Wissen gewinnen. Es ist also immer falsch, für ein Naturgeschehen Relationen verantwortlich zu sehen. Leblose Gegenstände verharren einfach nur in ihrem Zustand, solange keine Kraft auf sie einwirkt. Genau das besagt Newtons 1. Axiom, was Newton tiefes Verständnis der physikalischen Natur beweist. Eine Theorie der Physik dagegen, in der Zustände von Relationen abhängig wären, kann also niemals eine Aussage zur Natur selber sein, sondern gehört zu dem Bereich, wie wir geistig mit ihr umgehen.

Zu diesem geistigen Umgang gehört die Zuordnung von Objekten zu Richtungen, Orten und mit ihnen verbundene Geschwindigkeiten des Ortwechsels. Doch die Objekte selbst wissen nichts von allen. Sie wissen nichts von oben und unten, links und rechts, Nord und Süd und auch nichts von langsamer und schneller und damit auch nichts vom ihrem Tempo als Maß der Ortsveränderung, das eben die Verbindung mit Orten voraussetzt, die ein Beobachter dazu gibt. Ein objektiver Zustand, also ein Zustand den das Objekt selber hat und der sein Verhalten bestimmt, hängt daher nicht von solchen Zuordnungen des Betrachters ab, was verstanden sein will. Zum Beispiel kann eine Geschwindigkeit niemals Ursache der realen Eigenschaft einer Sache sein, z.B. ihrer Menge, "Masse" genannt, da ja die Geschwindigkeit immer nur im Kopf der vergleichenden Person existiert. (Nur im energetischen Vergleich zweier Körper zueinander, kommt es im Moment ihres Zusammemnstoßes neben ihrer Masse auch noch auf ihre Relativgeschwindigkeit an, Energie der Bewegung genannt.)

Die unbelebte Natur kennt auch keine Ziele. Diese haben immer nur lebendige Wesen, deren Ziel es ist, zu überleben, um sich fortzupflanzen. Auch der Mensch selbst ist kein Ziel der Natur, weder der Evolution, noch des Urknalls. Er ist nur passiert und nun mal da. Und wenn er sich nicht in seiner Zahl und seinen Ansprüchen den begrenzten Ressourcen der Erde durch Familienplanung und Umweltschutz anpasst, wird er bald auch wieder verschwinden wie unzählige Arten vor ihm, was die Schülerbewegung "Fridays for Future" klar erkannt hat. Das wäre dann wieder Naturgesetz. Damit wir als Menschheit nicht durch ungezügelte Vermehrung blind in eine Katastrophe laufen, gilt es die Ursachen des Problems zu bedenken und entsprechend zu handeln. Seien wir also verständige, aber ebenso mitfühlende Wesen. Wenn wir diese Erde und ihre Geschöpfe nicht mit ganzen Herzen lieben, werden wir sie und uns auch nicht bewahren.

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
(II/7a) Was ist und wie entsteht Information? oder Die Rolle des Beobachters
http://www.helmut-hille.de/page22.html



Helmut Hille
"Gott würfelt nicht" - oder doch?
15.07.2019
Wie war es einst und ehedem, mit Zellteilung doch so bequem. Man brauchte sich nur zu verdoppeln und hernach noch abzukoppeln. Schon war man vermehrt! Trotz aller Umstände und Risiken hat sich die geschlechtliche Fortpflanzung durchgesetzt.* Nach erfolgreicher Balz streut der männliche Partner sein Erbgut bei unterschiedlichen Partnerinnen, wodurch sich die unterschiedlichsten Mischungen ergeben. Doch damit nicht genug! Ich denke, dass dies nicht nur bei uns Menschen der Fall ist: selbst Nachkommen ein und desselben Elternpaares können in Aussehen, Charakter und Talenten ganz verschieden sein, weil die Chromosomen des Erbguts ständig neu gemischt werden. Ganz selten zwar aber immerhin kann es dann immer wiedermal einen neuen Mozart, Goethe oder Konfuzius geben, der den Menschen ein Licht ist.
*Nachtrag (nur hier): Eine Zellteilung kann jedoch auch im Mutterleib passieren, wodurch es zu genetisch identischen einigen Mehrlingen wie Zwillingen kommt.

Bereits in der Antike beschrieb Parmenides in seinem Werk "Über die Natur" das Prinzip des Schöpferischen so: "bei allem und jeden - das Mehr an Mischung nur ist ihnen (den Göttern) Gedanke." Entgegen Einsteins Glaubensbekenntnis, dass Gott nicht würfelt, scheint gerade das Würfeln, also den Zufall spielen zu lassen, Gottes Programm zu sein, das immer wieder neue Ergebnisse zeitigt, ist doch gerade der Gottesbegriff das Synonym des ewig Schöpferischen, Einsteins These so ein Widerspruch in sich. Die biologische Evolution mit ihrer überreichen Artenvielfalt wäre ohne dieses Würfelspiel gar nicht zu verstehen. Und doch beharrte Einstein wie die philosophischen und politischen Deterministen darauf, dass es keinen Zufall gibt, was das Würfelspiel meint. Will man dabei Einstein verstehen, muss man sich klar machen, dass er ein Asperger-Autist war, den es an Spiegelneuronen fehlte, wodurch Asperger nicht in der Lage sind, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen, d.h. ihnen fehlt die für das menschliche Zusammenleben so wichtige Fähigkeit zur Empathie. Sein Arzt János Plesch notierte: "Er lacht, und das ist seltsam, auch wenn andere weinen." Dieses fehlende Einfühlungsvermögen lässt sie auch nicht voraussehen, wie ein Gegenüber, sei es etwas Lebendiges oder Physikalisches, auf ein bestimmtes Ereignis reagieren wird. So wünschen sich Autisten, dass in der Welt nichts Unvorhersehbares geschieht, das alles berechenbar sein müsste. Das Bekenntnis zu einem Gott der nicht würfelt, war also bei Einstein Ausdruck seines Autismus, weshalb er auch strickt gegen die Quantenmechanik mit ihren Zufällen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen war. Es hatte also nichts mit einer besseren Einsicht zu tun, sondern nur mit seiner unbewussten Furcht vor dem Unbekannten, das sich nicht in die Karten schauen lässt und dadurch bedrohlich wirkt. So entwickelte er eine eigene mathematische Physik ohne den Kraftbegriff, zu der man bis heute in der Grauzone von Messtoleranzen die dazu passende Natur zu finden bemüht ist. Man ist also verautistet.

Das Bekenntnis zum Determinismus ist natürlich für den Bekennenden vorteilhaft, vor allem wenn es um die Frage der Verantwortung geht. Wird ein Handeln als Gottes Wille oder als Ziel der Geschichte deklariert, entfallen viele Rücksichten auf Bedürfnisse der Menschen. Der Determinist fürchtet dann auch kein Jüngstes Gericht, wenn schon irdische Gerichte ihn nicht zur Rechenschaft ziehen, wo nach seinem Ableben seine Taten und Reden gewogen werden und er dafür im Jenseits Strafe oder Belohnung erfährt. Der Determinismus ist schlicht die Flucht aus der Verantwortung verbunden mit der Leugnung der Freiheit des Menschen. Hirnforscher wollen das damit belegen, dass das Unbewusste schon eine Entscheidung getroffen hat, bevor sie in das Bewusstsein tritt. Hierbei wird also das Unbewusste vom Bewusstsein getrennt, obwohl das Bewusstsein nur das Korrektivorgan des Unbewussten ist, das wir selber sind und das selbstständig arbeitet. Einstein jedoch in seinen Zwängen, diese spiegelnd, sich wie so oft auf den "Standpunkt Gottes" berufend, um sich auch für seine Meinung von Verantwortung frei zu halten: "Für den Physiker, der von den Gesetzmäßigkeiten alles Geschehens durchdrungen ist, handelt der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit, ist also vom Standpunkt Gottes nicht verantwortlich, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen." (aus Einstein, Albert: Mein Weltbild) Wollen wir uns diesem Fatalismus wirklich anschließen, wo es heute in der Welt gerade darum gehen muss, die Verantwortung für die menschlichen Einwirkungen auf unseren Planeten Erde zu übernehmen, damit er nicht unbewohnbar wird?

In meinem Glückwunsch zu seiner Wahl als Bundespräsident hatte ich Joachim Gauck 2012 u.a. geschrieben: "So findet sich auch bei mir das Thema der Freiheit als Voraussetzung von Verantwortung in vielen Beiträgen wieder, mich dabei gegen den gerade bei führenden Neurobiologen und Physikern so beliebten Determinismus wendend, der für mich jedoch nur eine Flucht aus der Verantwortung ist, weshalb solche "Wissenschaftler" sich gern auf irgendwelche "Beweise" berufen, um sich nicht selbst mit der Frage auseinandersetzen zu müssen. Ich bin jedoch voller Hoffnung, dass Sie, verehrter Herr Bundespräsident, sich Ihr Freiheitsthema nicht nehmen lassen." So sollte sich jeder durch sog. "Autoritäten" mit ihren nicht thematisierten Vorlieben und Ängsten, die sie unbewusst lenken, nicht blenden lassen und in freier Entscheidung seinen Beitrag zur Rettung des Planeten leisten.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Texte in Versform
[14] Das Geheimnis der Freiheit
http://www.helmut-hille-philosophie.de/freiheit.html



Helmut Hille
Die Kürze als Kriterium?
15.09.2019
Die Theoretische Physik schwebt heute über einen Abgrund des Nichtwissens um ihre Grundlagen. Am Ende seines Buches von 1995 "Der Traum von der Einheit des Universums" plädiert der amerikanische Physiker Steven Weinberg sehr richtig, dass der Mensch die ihm zukommende Rolle als ein erwachsenes und rationales Wesen annehmen und sich nicht dem Wunschdenken hingeben sollte und dass er ein vernünftiges Weltbild braucht. Wie aber könnte ihm die Wissenschaft da helfen, wenn es nach Weinberg zugleich nicht möglich ist "wissenschaftliche Denkweisen mit rationalen Argumenten zu begründen"? Als Ausweg benutzen Physiker, so auch Weiberg, daher gern die Schönheit und Eleganz von Gleichungen als Wahrheitskriterium. Abgesehen davon, dass eine Theorie bestenfalls brauchbar sein kann (auch bei irrigen Annahmen), denn nur die Brauchbarkeit kann man testen, ist es gerade die Schönheit, die am meisten dem Zeitgeist unterliegt. Man sehe sich nur die Kunstgeschichte an, wo Kenner den zeitlichen Ursprung eines Werkes anhand seines Stils oft auf das Jahrzehnt genau bestimmen können. Wie also kann die vom Zeitgeist abhängige Schönheit das Kriterium für die Endgültig einer Theorie sein, wie von Weinberg plädiert? Und überhaupt wie wissenschaftlich ist eine solche Haltung, die den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft für die Zukunft festschreiben möchte? Das wäre dann wie beim Glauben, den die Wissenschaft doch gerade überwinden will, was offensichtlich nicht leicht fällt. Doch es gehört zur Würde des Menschen, Ungewissheiten auszuhalten und sich bei Problemen nicht immer gleich in den Glauben zu flüchten.

Besser kann es z.B. sein, zuerst das Kriterium der Kürze anzuwenden. Ich denke da immer spontan, wer ein ganzes, vielleicht sogar dickes Buch über ein begrenztes Thema schreibt, hat die Sache nicht schon wirklich verstanden, sondern versucht mit Hilfe seiner Gelehrsamkeit sich der Lösung des Problems zu nähern. Für mich wäre eher die auf nur einer Buchseite gezeigte Lösung samt Lösungsweg ein Indiz für vollen Durchblick des Autors. (Man weiß dann auch noch am Ende der Seite, worum es am Anfang ging.) Selbst Kants umfangreiche Kritiken sehe ich so, obwohl sie sehr verdienstvoll sind. Sie sind wahrscheinlich das Beste, was damals möglich war. Aber mehr nicht. Das Kürzeste dagegen wäre die Zusammenfassung einer Theorie in eine Gleichung wie z.B. E = m · c², die für Einstein die "Äquivalenz" von Energie und Masse (= die Menge der Materie) nennt. Sie gibt in der Tat einen wichtigen Hinweis auf die riesige Bindeenergie, die in der Materie steckt, wie sie sich später in Nuklearbomben und Reaktoren zeigte, waren doch ebenso riesige Energien nötig, um sie aus der Energie des Urknalls bzw. aus der von Supernovä entstehen zu lassen. Besonders die Wasserstoffbombe wäre dabei auch ein Beweis des Urknalls samt seiner Stärke, denn von Nichts kommt nichts, gegen den sich Einstein aber heftig sträubte, wünschte er sich doch als Autist ein statisches Universum ohne Überraschungen, zu dessen Berechnung er sich sogar einen eigenen Term (Glied einer Formel) ersann, den er in Angesicht der Tatsachen (Flucht der Galaxien) aber widerrufen musste ("meine größte Eselei").

Ich denke, die beste Grundlage der Theoretischen Physik ist und bleibt der kurze Satz von der Erhaltung der Energie (vom Heilbronner Arzt Robert Mayer als Erster formuliert), wie ich ihn bei der Wasserstoffbombe gerade angewendet habe, ist er doch für die Ratio eine Selbstverständlichkeit - und sie ist unser höchstes Kriterium! Nur die Änderung eines objektiv existierenden Zustands bedarf einer Ur-Sache (= einer Kraft, die aus der Sache selber kommt) - das ist es, was Newtons Axiome besagen (Duden: "Axiom = keines Beweises bedürfender Grundsatz"). Newton ist heute der am meisten verkannte und fehlinterpretierte Physiker, weil seine Axiome das gar nicht so "schöne" Theorien-Konglomerat heutiger Physiker mit seinem "Urknall" aus dem Nichts stören. Der Satz von der Erhaltung der Energie ist dabei die Anwendung des noch allgemeineren Forschunggrundsatzes/ -Prinzips von der Nichtwillkürlichkeit von Annahmen auf einen speziellen Bereich, hier der Physik. Eine Theorie ist dann rational, wenn sie von den Möglichkeiten der Ratio ausgeht, nämlich nach Grund-Sätzen zu urteilen, die ihr selbst-verständlich sind. Bei einem rationalen Vorgehen weiß man immer, warum man etwas weiß und wie vernünftig es ist. Ein solches Wissen ist ein mündiges Wissen, durch das wir geistig Herr im eigenen Hause werden. Was wollen wir mehr?

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
(A2) Rationale Theorien als Kriteriengeber
http://www.helmut-hille.de/diemetho.html



Helmut Hille
Philosophie im Blindflug
15.10.2019
Laotse (um ca. 500 v.d.Z.): "Andere erkennen ist klug. Sich selbst zu erkennen ist weise." Goethe: "Der Gedanke lässt sich nicht vom Gedachten trennen."*

Solange auch Philosophen nichts vom Gehirn und seiner Arbeitsweise wissen, sind sie auf Beobachtungen des Sprechens und Verhaltens angewiesen. Plato (429 - 349 v.d.Z.) erkannte immerhin, dass es ein Problem zwischen Schein und Sein gibt. Für ihn waren die Ideen das wahre Sein. Wie ist eine solche, heute uns eher abstrus erscheinende Auffassung möglich, sind doch Ideen etwas rein Geistiges? Ideen zu haben und in Ideen zu denken zeichnet fortgeschrittenes Denken aus. Sie als von außen gegeben erscheinen zu lassen, hat mit der Taktik des Gehirns zu tun, sich zu verstecken, um ungestört schnell urteilen zu können, was für das Überleben in Gefahren wichtig ist. Das muss man vom Gehirn wissen, um darauf nicht hereinzufallen.

Zur großen Rolle des Denkens hatte sich aber schon Parmenides, ein Zeitgenosse Laotses, in seinem Lehrgedicht über das Sein kritische Gedanken gemacht. Er sah das Sein als Eines an, das da ewig existiert, während die Gegensätze wie Licht und Nacht, Entstehen und Vergehen, leicht und schwer nur menschliche Setzungen wären. Am Ende seiner "Himmelfahrt" zur allwissenden Göttin lässt er diese sagen: "Diese (antagonistische) Weltordnung und ihre Entfaltung künde ich dir in der Scheinhaftigkeit ihres Wesens, so dass keines Menschen Meinung dich je überholen wird." Die klassische antike Philosophie mit Plato und Aristoteles hatte jedoch die Lehre der Eleaten in Unteritalien, zu denen Parmenides gehörte, nicht verstanden. Selbst diese Klassiker blieben im Blindflug.

Trotzdem blitzen da und dort kurze Einsichten in die Rolle des Denkens und damit des Gehirns auf, die den Menschen jedoch als "mystisch" erschienen. So heißt z.B. bei Meister Eckhart (um 1260 bis 1327): "Die Meister lehren, eine andere sei die Kraft, vermöge deren das Auge sieht, eine andere die Kraft, vermöge deren es erkennt, was es sieht", was die Rolle des Gehirns anspricht. Wir erkennen nur, was im Kopf gespeichert ist, weshalb wir so viel lernen müssen. Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799), Mathematiker und erster deutscher Professor für Experimentalphysik im Zeitalter der Aufklärung, die Eigenständigkeit des Unbewussten ansprechend: "Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: es blitzt." Ich bin überzeugt, dass all die Ingenien in Kunst und Wissenschaft sich vor allem auf ihr Unbewusstes verlassen, dass Ideen, Melodien und Bilder von selbst weiter und weiter denkt.

Ende des vorigen Jahrhunderts griff der Klagenfurter Philosoph Josef Mitterer die Scheinhaftigkeit der antagonistischen Weltordnung wieder auf und zeigte, dass die Unterscheidung von Sprache und Welt, Beschreibung und Objekt, Aussage und Gegenstand usw. und damit die Berufung auf den zweiten Gegenstand der Dichotomie eine Illusion ist und/oder ein Mittel, den eigenen Standpunkt unangreifbar zu machen. Doch die Wahrheit einer Aussage ist ihm immer nur der letzte Stand der Erkenntnis, der mit der Überzeugung verbunden ist, das jeweilige Wissen adäquat ausgedrückt zu haben. Für Mitterer ist die Wahrheit ebenso persönlich wie der Irrtum und es ist nicht möglich, die Verantwortung für sie auf andere Instanzen zu überwälzen. Denn die Welt, mit der wir gedanklich umgehen, existiert nur in unserem Kopf. Die Beschreibung des Objekts ist vom Objekt der Beschreibung nicht zu unterscheiden.

Ein Vertreter der alten Denkschule ist Jürgen Habermas (*1929), der in seinem 2004 neu herausgegebenen Buch "Wahrheit und Rechtfertigung" der abhanden gekommenen Wahrheit seitenweise hinterher weint und am Ende glaubt, doch noch eine Wahrheitskriterium gefunden zu haben. "Allein die Verschränkung von zwei verschiedenen pragmatischen Rollen, die der janusgesichtige Wahrheitsbegriff in Handlungs-Zusammenhängen und Diskursen spielt kann erklären, warum eine in unserem Kontext gelungene Rechtfertigung für die kontextunabhängige Wahrheit der gerechtfertigten Meinung spricht." Die "kontextunabhängige Wahrheit" würde sich also in gelungenen Handlungen und Rechtfertigungen zeigen. Doch eine dann zur Wahrheit erklärte Meinung lädt die Menschen in ihrem Machtwillen geradezu ein, keine andere Meinung und Praxis zu dulden. Trotz aller hohen Auszeichnungen für sein Werk ist Habermas Buch für mich der wortreiche Abgesang einer alten Illusion, die viel Schaden angerichtet hat.

Erst die Neurophilosophie ist dank der Hirnforschung in der Lage, das Verhältnis von Denken und Sein zu klären. Wenn wir wissen, warum wir so denken wie wir denken, sind wir nicht mehr die Knechte sondern die Herren unserer Meinungen. Bereits die Existenz der zwei Hirnhälften mit unterschiedlichen Funktionen zeigt, dass wir selbstreferentielle Wesen sind. Die linke Hirnhälfte versucht das differenziert verständlich zu formulieren, was als Wissen in der rechten Hälfte kompakt gespeichert ist. Wenn wir das Gefühl haben, dass das explizit Gesagte oder Geschriebene oder bildhaft Dargestellte mit dem implizit Gewussten übereinstimmt, empfinden wir das als "wahr". Das ist die Übereinstimmung, auf die es uns bei der Suche nach der Wahrheit ankommt. Aber das Gehirn, das bei seiner Arbeit nicht gestört werden will, lässt uns eine außerpersönliche Wahrheit-Instanz vermuten, die es jedoch nicht gibt. Will Philosophie weiterhin die Suche nach der Weisheit sein, wird sie um die bereits von Laotse angemahnte Weisheit der Selbsterkenntnis nicht herumkommen. Heute haben wir die Mittel dazu. Aber haben wir auch den Mut zur Verantwortung für unser Reden und Tun - eine Tugend, die immer wichtiger wird?

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Gehirn und KI
http://www.helmut-hille-philosophie.de/gehirn.html



Helmut Hille
Künstliche Intelligenz - was kann sie?
15.11.2019
Intelligent ist alles Lebendige, was sich so verhält, dass es überlebt und überlebensfähige Nachkommen in die Welt setzt, sich also nachhaltig vermehrt. Ob da die Menschheit ausreichend "intelligent" genannt werden kann, ist angesichts der von ihr erzeugten Probleme wie Klimawandel fraglich. Gerade ihre Fähigkeit, bei wachsender Bevölkerung immer mehr Menschen zu immer mehr Wohlstand zu verhelfen, könnte ihr zum Verhängnis werden, denn die Ressourcen sind begrenzt. Zudem gibt es keine Nutzung von Energien, ohne Schadstoffe zu hinterlassen. Erschließen sich Menschen eine neue Energiequelle, fragen sie zudem erst dann nach den Folgeschäden, wenn diese sich massiv zeigen. Das gilt auch für die "alternativen Energien", wie sie heute gepriesen werden. Immerhin wehren sich immer mehr Betroffene gegen die Installation von Windrädern in ihrer Nähe. Hinzu kommen negativen Auswirkungen auf die Vogelwelt. Und ob die entzogene Windkraft nicht anderswo fehlt, wie bei der Verbreitung von Pollen und Samen, wird noch gar nicht gefragt.

Zu den Fähigkeiten unserer Zivilisation gehört zunehmend, Maschinen zu konstruieren, die sich wie intelligente Wesen verhalten, die dazulernen können. Während am Anfang der KI-Forschung geglaubt wurde, die künstliche Intelligenz sei ein Vorbild des Gehirns, hat man nach Jahrzehnten der Gehirnforschung ernüchternd verstanden, dass man dabei ist, menschliche Intelligenz mit technischen Mitteln nachzubilden. Aber die Ähnlichkeit ist rein oberflächlich, denn das Gehirn ist kein Computer. Es leistet Wesentliches mehr! Beide verarbeiten zwar Daten. Aber während der Computer aus Daten nur andere Daten macht, die für ihn selbst keine Bedeutung haben, macht das Gehirn aus Daten Informationen, die Grundlage des Verhaltens seines Trägers sind. Der Computer wird wertneutral von Algorithmen gesteuert, das Gehirn vom wertenden Selbstbehauptungswillen der Kreatur.

Sicher wird man Roboter und Computer bauen können, die sich wie intelligente Wesen verhalten und die wie verständige Menschen mit uns sprechen. Aber nur wer oberflächlich den Anschein schon für das Sein hält, wird ihnen wahre Intelligenz, Denken und Gefühl zubilligen wollen, die Menschen befähigen, sowohl den Sinn des Gesagten zu erfassen, als auch die Absicht und das Denken, das dahinter steht zu durchschauen, was eben nur mit Empathie gelingen kann, die unabdingbare Voraussetzung für ein friedliches Miteinander jeglicher menschlichen Gemeinschaft ist. Freilich, wer selbst wie ein Autist ohne Empathie ist oder sie nicht wahrnimmt, wird sie auch nicht bei Robotern und Computern vermissen. Und das Gefährliche ist, dass es in den technischen Wissenschaften durch die Ausleseverfahren immer mehr Intelligenzbestien gibt, denen Gefühle fremd sind und die dem entsprechend lehren und handeln.

Ganz abgesehen von den ungelösten rechtlichen Fragen bei Unfällen im Straßenverkehr ohne Fahrer, hat man bei den Studien zum autonomen Fahren erkannt, das KI nicht in der Lage ist, das voraussichtliche Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer intuitiv zu erfassen. Und die Frage, warum Autos überhaupt autonom fahren können sollten, ist noch gar nicht gestellt worden. Das läuft doch daraus hinaus, dass hier wie in anderen Branchen erstmal Arbeitsplätze vernichtet werden, obwohl es keinen Mangel an Menschen gibt. Wohin die Anwendung von KI überhaupt läuft, kann man schon heute in China sehen. Die Menschen werden total überwacht, ihr Verhalten von Maschinen bewertet, Schülern werden die Gehirnströme gemessen, um auch noch zu erfahren, was sie denken. Wollen wir das auch? Wie intelligent ist das denn? Und wenn ja - ist das noch menschlich???

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Biologie, Evolution und Ethik
(III/11) Der Weg zum Humanum durch die Liebe zur Weisheit
http://www.helmut-hille.de/page28.html



Helmut Hille
Viren verstehen
15.12.2019
Um unbelebte Materie von belebter Materie prinzipiell unterscheiden zu können, lautet meine ganz allgemeine Definition von "Leben": "Leben ist Materie mit der Fähigkeit zur Anverwandlung fremder Strukturen in die eigenen, mit dem Ziel der Selbstreproduktion", während unbelebte Materie von sich aus einfach so bleibt, wie sie ist. Viren sind demnach als Lebewesen anzusehen, obwohl sie als reine Information, mit oder ohne Schutzhülle, weder über einen Stoffwechsel, noch über einen eigenen Reproduktionsapparat verfügen, die beide im engeren Sinne als das Merkmal von Leben angesehen werden. Um sich dennoch vermehren zu können, dringen sie parasitär in den Zellkern ihrer Wirtleute ein und benutzen deren Replikationsapparat zur eigenen Vermehrung, machen so fremde Strukturen zu eigenen. Auf diese Weise entsprechen sie meiner allgemeinen Definition von Leben. Und das sehr nachhaltig, wie wir zu unserem Leidwesen wissen. Und weil sie nicht der engeren Definition von Leben genügen, können sie daher auch nicht getötet werden, z.B. durch Antibiotika, sondern nur an ihrer Verbreitung be- oder verhindert werden, was eigene medizinische Strategien erfordert.

Viren können sehr wandlungsfähig sein, wie wir z.B. das vom Grippevirus wissen, und damit zuvor gebildete Schutzbarrieren unterlaufen. Sie können aber auch das Genom ihrer Wirtsleute wandeln, in dem sie sich in deren Genen dauerhaft integrieren und damit die Evolution befördern. So finden sich auch im menschlichen Genom Bruchstücke von Viren. Viren sind auch nicht immer nur schädlich, indem sie z.B. fremde, gefährlichere Viren am Eindringen in den von ihnen schon besetzten Zellkern hindern. Und sie sind nicht nur Parasiten, sondern haben auch ihre eigenen, die Virophagen, das sind Bruchstücke von Viren mit eigener Strategie, die wiederum von springenden Genen verändert werden können. Alles lebt auf Kosten von etwas anderen. Oder aber auch: alles bietet etwas anderen den Weg ins Leben, wenn wir es insgesamt betrachten. Zusätzlich ist der Mensch prinzipiell in der Lage, sich in einem darüber liegenden geistigen Reich zu bewegen, in welchem es u.a. um die Gottesfrage geht oder auch wie hier, um die nach dem Sinn von Viren.

Die uns so fremd und unheimlich vorkommenden Viren zeigen also in einfachster Form, wie Leben zumeist auf Kosten anderen Lebens funktioniert. Leben hat kein allgütiger Gott erschaffen, der dazu noch die Menschen bevorzugen würde, wie gern gesagt wird, um das schlechte Gewissen der Menschen zu beruhigen, das sie eigentlich in Anbetracht ihres räuberischen Verhaltens gegenüber der Natur haben müssten. Da wird nicht nur den Kälbern ihre Milch weggenommen und den Bienen ihr Honig, sondern letztlich dem Vieh das Leben selbst. Da gibt es nichts zu beschönigen. Andererseits ist es das Schicksal von Leben, dies tun zu müssen, wenn es sich erhalten will. Und der homo sapiens, also der "weise Mensch", sollte daher wissen, was er der Natur an Respekt schuldet und sich nicht über sie erheben, wird er doch mehr und mehr zum größten Räuber dieser Erde, mit der er im eigenen Interesse pfleglich umgehen sollte, indem er sich in Zahl und Wirken Grenzen setzt. Sonst ist er nicht "weise" zu nennen. Und "mitfühlend" schon gleich gar nicht.

Anmerkungen (nur hier): Diese Sentenz war gerade erst ca. 14 Tage auf museumsart.de im Netz, als die ersten Meldungen über ein neues Coronavirus in Wuhan/China kamen, der inzwischen die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt. Machthaber haben zuerst immer versucht, ihn zu verharmlosen, weil sie dachten, sie seien die größten. Da wo Menschen eine zu große Nähe zu Wildtieren haben, kann das Virus leicht seinen Weg zu Menschen finden. Letztlich ist ein solcher Virus eine Folge der Überbevölkerung des Planeten, der auf seine Weise zurückschlägt, und ist so ein Verbündeter der Klimakatastrophe, die den Menschen seine Grenzen zeigt, auch wenn er Friday for Future ersteinmal ausbremst. Diese Warnung des Virus vor einem Kollaps der Zivilisation durch Überbevölkerung wird noch viel zu wenig verstanden und ernst genommen.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Biologie, Evolution und Ethik
(9) Grundlagen einer holistischen Ethik
http://www.helmut-hille.de/ethik.html


Sentenzen 2020     zur Sentenzen-Übersicht     nach oben

Dokument: http://www.helmut-hille-philosophie.de/st_2019.html