schon mal aufgesetzt:
Meine Nobelpreisrede
über was die Welt im Innersten zusammenhält

anlässlich der Preisverleihung für meine Beiträge zu einem neuen physikalischen Weltbild


    
Sehr geehrtes Preiskomitee, Magnifizenzen, Exzellenzen, sehr verehrte Anwesende,

es ist doch wieder einmal so, dass man im alten Europa zwar vielleicht eine neue Idee hat, doch dass es an Ehrgeiz fehlt, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Die etablierten Wissenschaftler sitzen hier bequem auf gut dotierten Lehrstühlen bzw. in eben solchen Forschungseinrichtungen und der Nachwuchs sucht sein Heil in der Konformität, weil er merkt, dass störendes wirklich Neues nicht erwünscht ist. Da müssen schon Physiker und Mathematiker aus Russland und den USA kommen, um meine Anregungen aufzugreifen und mathematisch umzusetzen, weshalb ich ja den Preis mit ihnen teile.

Wie Kopernikus bis an sein Lebensende vergebens nach einem Fehler in seinen Berechnungen der Planetenbewegungen suchte, weil er irrtümlich von Kreisbahnen der Planeten ausging statt von Ellipsen, wie sich später vor allen dank Kepler und Newton herausstellte, so haben wir es heute in der Kosmologie mit dem Rechenfehler zu tun, dass den Gravitationsgleichungen für große kosmologischer Objekte ein Term für die allgemeine Expansion fehlt. Aus allzu großen Respekt vor Einsteins Gleichungen möchten Kosmologen statt ihre Gleichungen lieber die Natur korrigieren und haben sich dazu eine unbekannte Dunkle Materie und Dunkle Energie ausgedacht, nach denen heute mit viel Aufwand gefahndet wird. Die Dunkle Materie außerhalb der Galaxien soll erklären, warum ihre äußeren Bereiche schneller rotieren, als sich aus den verwendeten Gleichungen ergibt. Die Dunkle Energie wäre dafür verantwortlich, dass der Kosmos immer schneller expandiert. So haben wir heute die Situation, dass von den verwendeten Gleichungen ohne diese hypothetischen Größen nur noch ein kleiner Teil von ihnen hilfreich ist. Andererseits könnte man aber auch sagen, wie Recht Einstein doch hatte, in die Gravitationsgleichungen einen zusätzlichen Term einführen zu wollen, nur dass er ihn, seiner Mentalität gemäß ein konstantes Universum wünschend, leider eine falsche Richtung gab.

Es geht also im Kern darum, die Gravitationsgleichung durch einen Term für die kosmische Fliehkraft zu ergänzen, die allen astronomischen Objekten beim Big Bang verliehen wurde. Großräumige Geschwindigkeitsmessungen sind nur durch die Berücksichtigung der kosmischen Fliehkraft verständlich zu interpretieren. Im kleinräumigen Bereich, da wo Gravitationskraft und Fliehkraft im Gleichgewicht sind, wie bei Planetensystemen, wo die Planeten der Anziehung des Zentralgestirns ihre Fliehkraft entgegensetzen, bei Galaxien und bei den sehr alten Kugelsternhaufen, die meines Erachtens aus Randwirbeln der Galaxien hervorgegangen sind, spielt die kosmische Fliehkraft erst dann eine Rolle, wenn viele große Objekte sich merklich voneinander entfernen und damit der Einfluss der anziehenden Gravitation kleiner und somit die Wirksamkeit der kosmischen Fliehkraft größer wird. Das sie nach wie vor da ist, ergibt sich aus dem Erhaltungssatz der Energie und erkennt man auch daran, dass alle Himmelskörper miteinander "fliehen". Dunkle Materie und Dunkle Energie stehen also für die Differenz der verwendeten Gleichungen mit den gemessenen Werten, die in meiner neuen Sicht aufgehoben ist. Auch nicht berücksichtigt ist meines Wissens bis heute ebenfalls, dass infolge der Quantelung der Energie die Reichweite von Gravitationsfeldern begrenzt ist. Neben Newtons Axiomen und den Erhaltungssätzen sind immer auch die bewährten Vorgaben der Quantenphysik zu beachten.

Dem vertieften Verständnis der Gravitation galt mein Vorschlag, die Gravitation als ein Verschränkungsphänomen anzusehen, das die faustische Frage beantwortet, was die Welt im Innersten zusammenhält. Alle betroffene Materie wurde unter Auslöschung vorhandener Daten beim Big Bang miteinander verschränkt und verhält sich so als ein neues Ganzes. Während also der Big Bang ihr äußerlich den Bewegungsimpuls gab, gab er ihr immanent zugleich die Neigung, sich wieder vereinen zu wollen. Beide gegensätzlichen Impulse sind also von Anfang an und zugleich da und die Resultierende beider Kräfte bestimmt vor Ort die jeweilige Geschwindigkeit und Richtung von Relativbewegungen. Der gegliederte gestirnte Himmel über uns ist das getreue Abbild beider und der größte Beweis, den es je für eine These geben kann. Man muss den Beweis nicht erst mühsam für viel Geld und noch dazu im Winzigsten suchen, sondern einfach nur mit oder ohne Teleskope in den Sternenhimmel schauen! Die Schwerefelder sind also von Anfang an da und bleiben es, weshalb die Gravitation instantan wirkt, stärkemäßig in Abhängigkeit von der Entfernung der Materie, der sie zugehört. Als ursprüngliche Kraft ist sie nicht relativierbar! So kann sie auch nicht abgeschirmt werden, was ihre Vorrangigkeit beweist. Ebenso kann sie auch nicht abgestrahlt werden, denn sie ist eine unverlierbare Eigenschaft jeder Materie, gleich welchen Zustand sie gerade hat. Könnte sie unter Energieverlust abgestrahlt werden, hätten wir eines Tages einen Kosmos voller Gravitationsenergie ohne dazu gehörende anziehende Körper. Irrsinn! Da hat Newton seine Gravitationskonstante als Konstante davor gesetzt und damit ein vertieftes Materieverständnis gezeigt, dem Einstein noch die Äquivalenz von Materie und Energie folgen ließ. Bedenkt man aber, welche riesigen energetischen Ereignisse nötig waren - der Big Bang und alle Arten von Novä - um die natürlichen chemischen Elemente zu bilden, kann das große Energiepotential der Materie nicht überraschen, das damit auch eine Form des Energieerhalts ist. Die Wasserstoffbombe ist dabei gewissermaßen das Echo des Urknalls, die Atombombe das Echo von Novä oder Supernovä. Mit Hilfe der Quantenmechanik hat man dann noch die Fähigkeit der Materie sich zu verschränken entdeckt, was lange Zeit nicht verstanden und gern im Sinne eines lokalen Realismus fehlinterpretiert wurde. Ich denke, dass mit der Gravitation der größte Beweis für die Verschränkungsfähigkeit der Materie vorliegt und in der Wissenschaft jeder naive romantische Materiebegriff endgültig aufgegeben werden muss. Aber auch die Verschränkung muss nicht das Ende der Entdeckung wunderbarer Eigenschaften der Materie sein, mit der wir einst als Kinder im Sandkasten unsere ersten Erfahrungen als kleine runde Kügelchen machten, die mit dem Schäufelchen nicht weiter geteilt werden konnten. Schließlich ist sie sogar so potent, Leben und Bewusstsein hervorzubringen, was sicher auch mit der in ihr steckenden und nach Entfaltung drängenden Energie zu tun hat, so dass man den Materiebegriff nochmals weiter fassen muss.

Werden chemische Elemente als verschränkte Einheiten angesehen, mit Hilfe gewaltiger Energien entstanden, könnte in der Teilchentheorie auf die rein hypothetischen Gluonen als verbindende Kräfte verzichtet werden. Bei der im Umlauf befindlichen Gravitationstheorie sind es wiederum rein hypothetische Gravitonen, die für die Wechselwirkung sorgen würden. Die als notwendig angesehenen Stellvertreter sind also schon da und die Verschränkung erklärt uns ihre Bedeutung: sie zeigt, was die Welt im Innersten zusammenhält! Und die Verbindungsneigung von Atomen und Atomgruppen zu Molekülen, ihre Affinität, wäre dann auch ein Zeichen dieser inneren Einheit von allen. Wenn wir es so sehen, wäre nicht nur die Einheit der Physik sondern auch die der unbelebten Materie überhaupt durchgehend hergestellt. Und die Neigung zur Molekülbildung ist wiederum Voraussetzung zur Bildung von Lebensformen, deren wesentliches Merkmal die Fähigkeit zur Reproduktion ist. Hier geht es nicht mehr um die Erhaltung der Energie wie sie bisher verstanden wurde, sondern um den Erhalt der Erbinformation als einer differenzierten Form von Energie, der alles biologische Geschehen untergeordnet ist.

Als Newton die Gemeinsamkeit zwischen dem Fallen eines Apfels vom Baum und dem Kreisen der Planeten um die Sonne erkannte und das in eine Gleichung fasste, wurde die Himmelskunde zu einer Wissenschaft. Sie war es trotzdem oder gerade deshalb, weil er für das Fallen sich keine Hypothesen ausdachte, die das zu erklären versuchen. "Hypotheses non fingo" war seine Devise. Zu groß war sein Respekt vor dem Phänomen und vor dem was Wissenschaft ausmacht, als dass eine flotte Erklärung des Unbekannten mit dem schon Bekannten ihm angemessen erschienen wäre. Andere Physiker und Philosophen hatten da weniger Einsicht und Hemmungen und fabulierten einfach drauflos. Heutzutage halten viele eine Erklärung mit einer "gebogenen Raumzeit" für angemessen, obwohl weder eine Sache "Raum" noch eine Sache "Zeit" existiert und die Fallrichtung sich durch Newtons Gleichung ergibt. Doch immerhin haben Newton und Einstein die Gemeinsamkeit, dass es sich bei der Gravitation um ein räumliches Phänomen handelt, nur dass es eben keine Sache Raum gibt und dass es für materielle Ereignisse auch immer materielle Ursachen geben muss, auch wenn wir sie vielleicht nicht kennen! Die mentalen Ordnungsbegriffe Raum und Zeit und in Normen festgelegte Messgrößen können doch nicht Ursache von etwas sein. Hier stimmt einfach die Sprache der Physiker nicht, die es stets als Erstes zu bedenken gilt, will man zu verständlichen Aussagen als Grundlage wissenschaftlichen Fortschritts kommen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass die "Probleme" heutiger Theoretischer Physik überwiegend nicht Sach- sondern Sprachprobleme sind. Wo das Geistige nicht geachtet wird, achtet man auch nicht auf die Sprache und weiß dann gar nicht, von was man eigentlich spricht: von Gedachten oder von Realen.

Wenn ich Newton dafür lobe und ich - ebenso wie er und die Quantenphysiker - keine unüberprüfbaren Aussagen machen will, so könnte es jedoch scheinen, als ob mit der Einstufung der Gravitation als ein Verschränkungsphänomen ich mich nicht daran halten würde. Entscheidend jedoch ist, dass ich nicht versuche für die Verschränkung eine billige materielle Erklärung zu finden. Wenn ich sage, die Gravitation ist die Folge der Verschränkung aller kosmischen Materie durch den Big Bang, so mache ich nur ihre Natur benennbar und die Gravitation dadurch verständlich, denn dass es Verschränkungen gibt wissen wir durchaus und von Tag zu Tag besser, auch wenn viele in ihrem materialistischen Weltbild sie nicht akzeptieren möchten. Ich habe mir also nichts Neues ausgedacht, sondern nur heute schon Bekanntes angewendet, wovor viele noch zurückscheuen. Doch in meiner Sicht der Gravitation und der kosmischen Fliehkraft haben wir ein Weltbild von einzigartiger Einfachheit, Klarheit und Schönheit, das darin nicht übertroffen werden kann! Trotzdem kann ich nicht erwarten, dass mir jeder gleich zustimmen wird, aber ich denke, dass die Allgemeinheit von den von ihr dafür bezahlten Wissenschaftlern zu Recht erwarten darf, ernsthafte Denkanstöße aufzugreifen und sie ebenso gewissenhaft wie vorurteilsfrei zu prüfen, was eben nicht immer leicht fällt.

Ebenfalls habe ich noch den Vorschlag gemacht, aufgrund des Erhaltungssatzes der Energie davon auszugehen, dass der Big Bang Folge einer zusammenströmenden Materie gewesen sein muss, wodurch die Unterscheidung von Universum und Kosmos erforderlich wird. Kosmen kann es viele geben und sie kommen und gehen, aber immer gibt es nur EIN Universum ohne Grenzen in Zeit und Raum. Die schon etwas fortschrittlerische Rede von Multi- oder Paralleluniversen gehört zur falschen Sprache der Physiker, die ein wirkliches Verständnis blockiert. Ein Kosmos geht aus einem gemeinsamen Ereignis der betroffenen Materie hervor, dem Big Bang, der sie energetisch formt und ihr so Charakter und Geschichte verleiht. Und irgendwann verlieren sich seine Teile wieder im Universum und treffen vielleicht auf weitere Materie oder Antimaterie, wodurch ein neuer Kreislauf beginnen kann. Und wenn trotz der neuen Gleichungen da oder dort eine Differenz bliebe, dann könnte es sich um Energien von außerhalb unseres Kosmos handeln, die in bestimmten Bereichen auf den unseren einwirken, also doch um eine dunkle Energie, die sich aus dem rational erworbenen neuen Weltbild logischerweise ergibt. Solche Überlegungen folgen alle aus dem Erhaltungssatz der Energie, der ohne Wenn und Aber zu beachten ist, wollen wir auf dem Boden der Wissenschaft bleiben. In einem der ältesten Sätze der griechischen Philosophie, als Philosophen noch ungeniert nach der Wahrheit fragten, heißt es bei Anaximander aus Milet (um 611-545 vor der Zeitrechnung): "Der Ursprung der seienden Dinge ist das Unbegrenzte. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles. Weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert werden und wieder zu jenem [Unbegrenzten] vergehen, aus dem sie entstehen." Durch den Menschen ist das Sein sehend geworden und ringt in ihm um sein Verständnis. Dies zu begreifen und es zu leben sollten wir als Menschheit im Ganzen als unsere Verpflichtung sehen, verbunden mit einem respektvollen Umgang mit allem Seienden, das uns hervorgebracht hat und von dem wir leben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Helmut Hille

Diese fiktive Preisrede gibt mir Gelegenheit, meine wichtigsten Gedanken zur Physik und Kosmologie zusammenfassend darzustellen.
letzte Ergänzung(en) am 21.09.2017

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