Die Einheit der Physik und ähnliche "Probleme"



Die Einheit der Physik (Einsteins Problem)
Das angebliche Problem der schweren und trägen Masse
Können Naturwissenschaftler von Geisteswissenschaftlern lernen?
Das "Problem" der ruhenden und bewegten Masse
Anmerkungen zu Stephen Hawkings 2010 erschienenes Buch DER GROSSE ENTWURF
"Einstein hat das Problem der Gleichheit von träger u. schwerer Masse gelöst"
Verkehrte Welt. Zwei Wege des Denkens und vier Verkehrtheiten


Die Einheit der Physik (Einsteins Problem)

"Mit einer lückenlos zusammenhängenden Natur können Naturforscher nichts anfangen.
Um aus dem 'ursprünglichen Chaos' eine mess- und überblickbare Ordnung schaffen zu können,
brauchen Naturforscher konkrete Definitionen, Bezugspunkte, Zahlen, Maße, Einheiten, Kräfte...
also vom Menschen frei erfundene und festgelegte geistige Hilfsgrößen
- die es in der Natur aber nicht gibt." (Fritz Driller)

Die Einstein jedoch für das objektiv Gegebene hielt!
Denn etwas "so einfach wie möglich zu erklären", heißt bei ihm:
es ohne Berücksichtigung der Rolle des Beobachters "zu erklären."
Selbstblind, wie er war, kannte er auch keine.

Die Masse m ist im Internationalen Einheitensystem SI ein Maß für die Trägheit einer Materie. Löst man Einsteins berühmte Gleichung E = m · c² nach m auf, besagt sie, dass Energie träge ist, nämlich m = E/c². Besitzt die Energie die Eigenschaft der Trägheit selbst, dann kann die Trägheit natürlich nicht in Energie "umgewandelt" werden, abgesehen davon, dass es sich weder bei der Trägheit noch bei der Masse um Sachen handelt. Die "Masse" als Maß der Trägheit ist lediglich ein Aspekt der Wechselwirkung, unter dem wir mit der Materie umgehen. Wo keine Wechselwirkung vorliegt, ist die Masse nur potentiell. Einstein sprach deshalb vorsichtig auch nur von der "Äquivalenz von Masse und Energie" und war stolz, die Trägheit der Energie "entdeckt" zu haben. Meistens wird die Gleichung jedoch als Maß für die "Umwandlung von Masse in Energie" angesehen. Der Umwandlungsgedanke zeigt ein veraltetes alchimistisches Denken an, ganz abgesehen davon, dass es weder eine Sache "Energie", noch eine Sache "Masse" gibt. Mit der Masse m wird die Fähigkeit eines Körpers bezeichnet, der Änderung seines Bewegungszustandes nach Betrag und Richtung einen Widerstand bestimmter Größe entgegenzusetzen, aus dem auf die Menge seiner Materie geschlossen wird. Und ebenso ist die Energie E keine Sache, sondern das Maß der Arbeit, die eine Sache leisten kann. Macht man sich dies nicht klar, dann weiß man gar nicht, von was man redet. Der Umwandlungsgedanke wird jedoch durch Einsteins Denken nahegelegt, der in seinem Materialismus und der mit ihm einhergehenden Ablehnung der Beobachterrolle dachte, er hätte es als Physiker immer mit den Sachen selbst zu tun bzw. mit deren gedanklichem Abbild, weil nach Auffassung der Materialisten das Sein das Bewusstsein bestimmt. In der Einsteinschen Sicht müssten die verschiedenen Teilbereiche der Physik nur richtig in Beziehung zueinander gesetzt werden. Auf der Suche nach der EINEN PHYSIKALISCHEN WELT, in der für einen Beobachter kein Platz ist, war Einstein daher zwanghaft immer auf der Suche nach der Einheit dieser Teilbereiche der Physik, die erfolgreiche Vereinigung von Elektrizität und Magnetismus durch Maxwell als Vorbild vor Augen. Neben seinem Ehrgeiz, alles Geistige als materiell zu erweisen, war das wohl das stärkste Motiv, das ihn zeitlebens antrieb. 1905 legte er als erstes eine "Lösung" zur "Elektrodynamik bewegter Körper" vor, die der Versuch ist, die Einheit von Elektrodynamik und Mechanik zu finden, die jedoch wegen fehlender, in der Sache liegender Gemeinsamkeit die Mechanik verbiegt und der Grund dafür ist, dass Relativitätstheorie und Quantenmechanik sich unvereinbar gegenüber stehen, was zu Recht "der Skandal der Physik" genannt wird. Bei Einstein zerfällt die physikalische Welt nicht nur in soviele Teilbereiche wie es physikalische Größen gibt, wobei er auch diese weiter zerfallen lässt, die Masse z.B. in "träge" und "schwere", "ruhende" und "bewegte", "ferne" und "nahe" Masse mit unterschiedlichen Merkmalen, sondern durch die behauptete Abhängigkeit der Basisgrößen Zeit, Raum und Masse von der Geschwindigkeit eines Systems zerfällt die Welt raumzeitlich darüber hinaus in "unendlich viele geradlinig gleichförmig bewegte ... Inertialsysteme", wodurch gerade die Einheit der Naturbeschreibung zu Gunsten einer rein rechnerisch immer gleichen Lichtgeschwindigkeit geopfert wird, für die es aber keinerlei sachliche Gründe gibt! Aber metaphysische, die Mach gerade vermeiden wollte! Heute denke ich, dass für Einstein das uns Sicht gebende Licht, das ja nur ein kleiner Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums ist, etwas über die schmutzige Materie Erhabenes war, weshalb es sich von ihr weder in seinem Tempo, noch in seiner Bewegungsrichtung beirren lässt. Und wenn es dann doch auf krummen Bahnen unterwegs ist, dann wäre nicht die Bahn des Lichtes sondern gleich der Raum gekrümmt! (Dabei ist aber ein "gekrümmter" Raum nicht von einer gekrümmten Bahn zu unterscheiden.) Wir haben es hier nicht mit Physik sondern mit Metaphysik zu tun, was es zu verstehen gilt. Diese Metaphysik physikalisch nachvollziehen zu wollen, halte ich für verfehlt.

Es folgten Einsteins Versuche zur Einheit von Energie und Masse, von Raum und Zeit, von träger und schwerer Masse usw. Bis in seine letzten Jahre versuchte Einstein mit einer einheitlichen Feldtheorie eine gemeinsame Beschreibung von Gravitationsfeld und elektromagnetischen Feld zu finden (ein durch die Entdeckung der Kernkräfte schon damals längst überholtes Problem), unter Ausklammerung der Planckschen Konstante und der nun nicht mehr geliebten Quanten. Dagegen bezweifle ich, dass Einstein auch die Einheit der Kräfte gesucht hat, wollte er doch durch die Geometrisierung der Physik den Kraftbegriff erübrigen und so die (schmutzige) Materie zu Gunsten des Lichtes entmachten. Aber eine Raum-Zeit, die Körper auf geodätische Linien "zwingt", ist eben auch eine Kraft, auch wenn sie nicht so genannt wird. Trotzdem lautet in einem u.a. von der National Science Foundation der USA angeregten Report zu offenen Fragen der Teilchenphysik im 21. Jahrhundert ein Kapitel "Einsteins Traum von den vereinheitlichten Kräften" (Physik Journal 7/2004, "Zukunftsvisionen der Teilchenphysiker"). Auch wenn es vielleicht in der Teilchenphysik sinnvoll sein mag zu fragen, "Werden alle Kräfte schließlich zu einer einzigen?" ist eine Einheitssuche im Einsteinschen Sinne glücklicherweise nicht erforderlich, weil alle "Teile" der Welt nur Teilaspekte des Beobachters sind, unter denen er sich die für sich EINE Welt seinem Verständnis entsprechend geistig und materiell aneignet. Das hatte in der Antike schon Parmenides erkannt (s. (II/5) "Was uns hindert, die Einheit des Daseins zu sehen"). Die Aufklärung der Beobachterrolle genügt, z.B. bei der Frage, ob das Licht oder das Elektron ein Teilchen oder eine Welle ist. "Ein Objekt besitzt an sich weder Wellen- noch Teilcheneigenschaften. Die Art des Auftretens hängt von der Wahl der experimentellen Messmethode ab" (Bührke). So gibt es auch keinen realen Unterschied zwischen "bewegten" und "ruhenden" unbelebten Körpern, wie er Gegenstand von Einsteins Überlegungen war, weil die "Ruhe", als Grenzfall der "Bewegung", wie diese eine emergente sekundäre Eigenschaften ist, die nur relativ zu einem als solchen vom Beobachter bewusst oder unbewusst gesetzten Bezugspunkt existiert! Dem Beobachter erscheinen zwar in einem Bezugssystem - entsprechend seiner am Lebendigen erprobten Sicht- und Sprechweise - auch tote physikalische Gegenstände "ruhend" oder "bewegt", doch objektiv, das heißt selbst als tote Materie, verharren sie von sich aus nur in ihrem jeweiligen Zustand (Realbetrachtung). Gerade nur dann kommt man zu einer sachlich zutreffenden Darstellung der Dinge und ihrer Einheit, wenn man die Rolle des Beobachters ins Kalkül stellt, die mit seiner, sein Denken verratenden Wortwahl beginnt, die daher nicht gründlich und grundsätzlich genug bedacht werden kann.

Einsteins Materialisierung geistiger Größen durch Zuteilung von Eigenschaften des Materiellen (z.B. "gekrümmter Raum") zur Verwischung der Beobachterrolle, mit der die reale Existenz immer weiterer Entitäten behauptet wird, lässt den Menschen die Einheit die Natur immer schwerer fassbar werden. Die vielfältige Zerstörung menschlichen Verständnisses durch Einstein, gerade auch durch die Relativierung unverzichtbarer Konstanten, der hier entgegengewirkt werden soll, ist auch nicht durch Bereiche übergreifende mathematische Gleichungen zu heilen. Versuchen wir daher, unser Verständnis zu vertiefen. Wenn wir uns dabei von keinen Relativisten beirren lassen, wird uns die Einheit der Natur und die Einheit der Physik kein Problem sein.


Das angebliche Problem der schweren und trägen Masse

Die "Gleichheit der schweren und trägen Masse", die Einstein als ein Problem hingestellt hat, wobei er jedoch nicht sagte, ob er ihre quantitative oder ihre qualitative Gleichheit oder beides meinte (so wie er bei seiner Behauptung von Geschwindigkeitskonstanz des Lichtes auch nicht sagte, ob es um dessen Verhaltens- oder um dessen Meßkonstanz geht, weil er da ebenfalls keinen Unterschied sah), klingt so, als ob es zweierlei Massen gäbe, denn nur eine Mehrzahl von Dingen kann gleich sein. Doch die ganze Problematik hat ihren Ursprung in einem falschen, nämlich physikalistischen Gebrauch des Begriffs "Masse". Es liegt hier kein physikalisches, sondern ein semantisches Problem vor. Masse ist keine Sache, sondern das vom Menschen gesetzte Maß einer Sache, nämlich der Materie, das besagt, welche Menge wir durch ihren Widerstand erfahren, wenn auf sie Druck oder Zug ausgeübt wird. Wir können nämlich immer nur die Reaktionen einer Materie erfahren. Und eine Reaktion ist das, was man messen kann. Und so ist auch die Schwere einer Materie ihre Reaktion auf das an ihrem Ort befindliche Gravitationsfeld, erkenntlich an ihrer Fallbewegung und quantitativ durch das Gewicht meßbar, wenn sie am Fallen gehindert wird. Aber ob Trägheit oder Schwere: es ist natürlich immer die selbe Materie und damit deren selbe Menge, die einmal auf Druck oder Zug eines Körpers, und ein andermal auf den Zug des Gravitationsfelds reagiert (eine Reaktion, die wir "Kraft" nennen), was die Meßgleichheit bewirkt, wenn man die Größe des Gewichts durch die Schwerebeschleunigung dividiert (Newton, Principia Definition I: Die Materiemenge ist dem Gewicht proportional). Die reagierende Menge ist also immer die selbe (was eben etwas ganz anderes ist als "die gleiche"), doch die Auslöser der Reaktion wirken verschieden: beim Phänomen der Trägheit wirken Körper direkt, d.h. durch Berührung aufeinander ein; bei der Schwerebeschleunigung über das ihnen zugehörige Feld, dessen Stärke von der Menge und der Entfernung der zugehörigen Materie abhängt. Wo soll es da irgendein Problem geben, wenn man die unterschiedliche Art und Weise der Einwirkung auf ein und dieselbe Materie beachtet? (In beiden Fällen der Beschleunigung kommt es zwar bei der Einwirkung auf eine andere Materie auf die Menge der beteiligten Materien an, doch bei der Fallgeschwindigkeit spielt nur die Stärke des Gravitationsfeldes, seine Richtung und die Dauer seiner Einwirkung eine Rolle, nicht jedoch der Gegenstand des Fallens selbst, weder seine Menge, noch seine Form, noch seine Ladung, noch seine Natur, was eben die Vorrangigkeit der Gravitation ausmacht.)

Ebensowenig wie es - mangels eines objektiven Kriteriums der "Bewegtheit" von Materie - das von Einstein angerührte Problem "bewegter Körper" gibt, da ein "bewegter" toter Körper sich selbst in absolut nichts von einem "unbewegten" unterscheidet, hat er auch hier ein Problem behauptet (und mit Hilfe von Gedankenexperimenten "gelöst"), das gar nicht vorhanden ist, denn weder existiert eine Pluralität von Massen eines Körpers, noch die Masse selbst als Sache. Und daß Trägheit und Schwere beide in Form von Beschleunigung und damit Kraft in Erscheinung treten und darin naturgemäß nicht zu unterscheiden sind, war ja Voraussetzung der Vergleiche seines Gedankenexperiments und mußte durch sie nicht erst "bewiesen" werden. An diesem "Problem" stimmt m.E. ebenfalls nichts, denn "geben", d.h. real existieren tut nur die Materie, die sich, je nach der Art der Einwirkung auf sie, als träge oder schwer erweist. Im üblichen Jargon der Physiker gesprochen heißt das, um mich ihnen verständlich zu machen: die erfahrbare schwere Masse ist eine Beschreibung, der durch das Gravitationsfeld beschleunigten trägen Masse. Aber diese Beschreibung ist natürlich eine uneigentliche, denn man müßte "Masse" durch "Materie" ersetzen, deren Trägheit, die sowieso nur bei Wechselwirkung aufscheint, nicht eigens erwähnt werden muß. Wenn man es nämlich mit der Sprache und der Sache nicht genau nimmt, dann mag man sich vielleicht mit seinesgleichen in einem eingeübten Jargon salopp verständigen können, aber es kann leicht sein, daß man letztlich überhaupt nicht versteht, von was man redet. Und genau diese Gedankenunschärfe halte ich für das eigentliche Problem der Physiker, durch das sie der Einsteinschen Beredsamkeit, welche die "Probleme" erst herbeigeredet hat, um sie gemäß der eigenen deterministischen Überzeugung "lösen" zu können, so schutzlos ausgeliefert sind. Kein noch so sensationelles Forschungsergebnis vermöchte daher wahrscheinlich mehr Umdenken in der Physik bewirken, als ein penibler Gebrauch der Sprache. Es ist dabei auch darauf zu achten, dass man Eigenschaften des Lebendigen und des Geistigen nicht auf tote Dinge überträgt, die dadurch verfremdet werden, was zu falschen Erwartungen führt, die sich nicht bestätigen können. Es ist kein Zufall, daß die Klärung des Sprachgebrauchs durch Bohr für die Quantenmechanik wesentlich war. Denn eine Grundwissenschaft wie die Physik, die nicht sorgfältig die Bedeutung der von ihr benutzten Begriffe bedenkt, indem sie z.B. nicht unterscheidet, ob die Eigenschaften ihres Gegenstandes ihr angemessen sind oder ob sie real sind oder ob sie nur gedanklich als vom Beobachter gesehene Relationen existieren, kann zwar vielleicht etwas zur Handhabung ihrer Gegenstände beitragen, doch das Verständnis der Sache selbst, um das es ihr gehen müßte, bleibt ihr zwangsläufig verborgen. Bei dem hier besprochenen "Problem" zeigt sich das Manko schon am Ausdruck "träge Masse", der ersteinmal eine Art Pleonasmus ist, ist "Masse" doch selbst schon das Maß der Trägheit. Darüber hinaus kann ein Maß natürlich nicht träge sein. Und auch nicht schwer, sind Maße doch ideelle Güter. Aber natürlich sind Maße verkörpernde Messmittel träge und schwer, was ggf. eine Rolle spielen kann. Aber vor allem sind beim Messen die vor Ort herrschenden Bedingungen zu beachten, die auf materielle Maßstäbe Einfluss nehmen, z.B. die Temperatur oder die Schwerkraft. Doch das Maß selbst, als ideelle Größe, bleibt von solchen Bedingungen völlig unberührt und stellt, zusammen mit zuverlässigen Messmitteln, sicher, daß Messen ein sinnvoller, quantitatives Wissen vermittelnder Vorgang ist, ist "Wissen" doch auch etwas rein Ideelles. Und Sinn macht, was geistig nachvollzogen werden kann. Eine vom Meßvorgang selbst abhängige Größe entzieht sich der Kontrolle und Nachvollziehbarkeit, denn die Feststellung einer Veränderung von Maßeinheiten setzt zu ihrer gültigen Beurteilung stets unveränderliche, durch Definition gewonnene und festgelegte Maßeinheiten voraus. Denn nur dann weiß man, was man mißt. Diese unabdingbare Grundvoraussetzung allen Messens ist so simpel, daß sie unmöglich mißverstanden werden kann. Freilich, wer zur Stützung des Physikalismus angetreten ist, alles Ideelle zu leugnen und es dafür als etwas in der Erfahrung Gegebenes, materiell Existierendes auszugeben, wird auch nicht bereit sein, das Ideelle von Größen anzuerkennen, womit wir beim Kern der ganzen hier abgehandelten "Probleme" sind. Und etwas verstehen, heißt es in seiner Ursache bzw. in seinen Motiven verstehen. Nun verstehen wir, um was es Einstein ging, der dies zumindest in jungen Jahren auch nicht als Vorwurf angesehen hätte. Im Gegenteil. Aber niemand muß ihm darin folgen, erspart er sich doch so gleich die "Probleme", die Einstein angeblich so bravourös "gelöst" hat. Aber es waren nur seine eigenen Probleme mit der Physik.

Können Naturwissenschaftler von Geisteswissenschaftlern lernen?

Daß es sich bei der hier vorgetragenen Kritik am laxen Umgang mit Begriffen und Grundannahmen durch Physiker vielleicht um eine (noch) seltene, nicht aber unbedingt um eine Außenseitermeinung handelt, zeigt der nachfolgend abgedruckte unveränderte Ausschnitt eines Interviews, das ich für bemerkenswert halte. Dabei stellte die Titelfrage der verantwortliche Redakteur des "Physik Journals", Stefan Jorda, an den theoretischen Physiker Ulrich Schollwöck, Gruppenleiter am MPI für Festkörperforschung in Stuttgart, der zugleich Vorstandssprecher der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen "Jungen Akademie"* ist, der z.Zt. "vierzig Mitglieder quer durch die Geistes- und Naturwissenschaften" angehören. Die im Dezemberheft 2002 (S. 10) veröffentlichte Antwort lautet:
"Oh ja, und zwar vor allem was eine gewisse Denkhygiene angeht. Wir (die Naturwissenschaftler) berufen uns ja doch sehr stark auf die Stärke der mathematischen Methode, sind aber relativ nachlässig in der Begrifflichkeit. Nehmen Sie doch ein Papier von Planck oder Boltzmann, die sind von einer unglaublichen Klarheit und begrifflichen Sauberkeit, die wir aus welchen Gründen auch immer verloren haben. Die Grundannahmen oder Geltungsbereiche der theoretischen Konzepte geraten heute sehr oft im Laufe der Anwendung immer mehr ins Hintertreffen und viele Dinge, die später Durchbrüche sind, resultieren gerade daraus, dass Leute noch einmal sehr grundsätzlich darüber nachgedacht haben, was diese Dinge eigentlich bedeuten." Dem ist nichts hinzuzufügen außer dem Wunsch, es sollte auch nochmals über die hier angesprochenen Probleme "sehr grundsätzlich" und gründlich und vor allem ohne ideologische Vorgaben (!) nachgedacht werden, damit es auch bei ihrem Verständnis zu einem "Durchbruch" kommt.
*"Die junge Akademie" (www.diejungeakademie.de) riefen die beiden ältesten deutschen Akademien der Wissenschaften, "Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina" sowie die "Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften" (BBAW), Nachfolgerin der "Preußischen Akademie der Wissenschaften", zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchs ins Leben. (Foto von der Homepage der Jungen Akademie)


Das "Problem" der ruhenden und bewegten Masse

Aufgabe an den Leser:
Einsteins Aufsatz von 1905 "Zur Elektrodynamik bewegter Körper",
genannt "Spezielle Relativitätstheorie",
gründet auf der Unterscheidung von "bewegten" und "ruhenden" Körpern.
Bitte nennen Sie mir das objektive physikalische Merkmal, das diesen Unterschied ausmacht,
und ohne welches die Theorie noch keine Wissenschaft ist.

Einstein hat uns ja nicht nur das "Problem" der trägen und schweren Masse hinterlassen, sondern auch das der ruhenden und bewegten Masse, als gäbe es vielerlei Massen, weshalb es mir geboten erscheint, auch auf dieses "Problem" einzugehen, ist doch die Masse das Maß der Trägheit eines Körpers. Nach meinem Physik-Duden ist die "Ruhemasse, die Masse, die ein Körper in einem Bezugssystem besitzt, bezüglich dessen er ruht." Nun ist ja die Wahl des Bezugssystems eine Frage der Zweckmäßigkeit und nicht eine Frage der Wahrheit, solange das Bezugssystem nicht in einem kausalen Zusammenhang mit dem Bewegungszustand der zu beurteilenden Sache stehen soll, z.B. das Licht in Bezug auf seine Quelle. Aber Relativisten lehnen ja, aus einer radikal-neopositivistischen Sicht heraus, ursächliche Betrachtungen ab, sondern halten sich rein an gemessene Werte, weil sie die für besonders objektiv halten. Ein und dieselbe Sache kann aber durch die Wahl des Bezugssystems verschieden beurteilt werden, also als zugleich "ruhend" oder mehr oder weniger "bewegt". Durch seine Wahl würde der Beobachter lt. Einstein also dafür sorgen, wie groß eine Masse ist und welche Abmessungen sie in der Bewegungsrichtung aufweist, die ja auch erst durch das Bezugssystem gegeben wird - es ist wie im Märchen, wo eine gute Fee Wünsche erfüllt, doch ohne Fee, sondern einfach durch die eigene Sehgewohnheit. Allerdings für einen "mitbewegten" Beobachter und Maßstab ändern sich durch "die Bewegung" die Maße nicht. Damit die Relativitätstheorie jedoch nicht in Beliebigkeit versinkt, wird im Zweifelsfalle das apodiktische Urteil Einsteins herbeigezogen, dessen "Genie" der Garant für die richtige Einschätzung von Bezugssystemen wäre, z.B. welcher von zwei Zwillingen als "der reisende" und welcher als "der ruhende" einzustufen ist, obgleich es ja kein an den Zwillingen selbst zu findendes objektives Unterscheidungsmerkmal existiert, weder ihres Aussehens noch ihrer "Bewegtheit" im Sinne von Reisen (man kann z.B. daheim auf der Stelle treten, während man beim Reisen ruht), noch weil es ein absolutes Bezugssystem gibt, anhand dessen ihr Verhalten bestimmt werden kann. Das macht verständlich, warum der Mythos von Einsteins Genie sorgfältig gepflegt werden muß, da er glaubte, auch das Nichtunterscheidbare unterscheiden zu können, während er ansonsten aber eher eine Art sozialistischer Gleichmacherei des Ungleichen pflegte. Aber eine Lehre, die gezwungen ist, mit dem "Genie" ihres Begründers zu argumentieren, gibt zu, keine rational nachvollziehbare Wissenschaft zu sein!

Doch war Einstein 1905 nicht mit der von ihm selbst so genannten "Vermutung" angetreten, "daß dem Begriffe der absoluten Ruhe nicht nur in der Mechanik, sondern auch in der Elektrodynamik keine Eigenschaften der Erscheinung entsprechen"? (Annalen der Physik) Wo könnte es denn auch eine "absolute Ruhe" geben, wenn alle Himmelskörper ihre Mittelpunkte real umkreisen und die wiederum ihren Zentren, wären sie doch sonst längst in diese gestürzt? Daher ist eben "das Ruhen" lediglich eine Einschätzung des Beobachters relativ zu einem Bezugssystem und "keine Eigenschaft der Erscheinungen", das er in der Regel bewußt oder unbewußt so wählen wird, daß er seine Beobachtungen in einfachster Weise beschreiben kann. Und davon sollen dann absolute Wirkungen abhängen, wie z.B. das Altern eines Menschen oder die Menge einer Materie? Würde ein Kind oder Schüler etwas derartiges behaupten, würde es von jedem Erwachsenen ausgelacht, bestenfalls mitleidig belächelt werden. Aber "das ewige Kind"* Einstein, als "Genie" gehandelt, lacht man nicht aus. Da schaltet man seinen Verstand ab und verstummt in Ehrfurcht. Oder wie es Goethe sagte, ein wirkliches Genie, das es wissen mußte: "Genie hat einer, der alle geniert." Also hören wir auf, uns zu genieren, Lächerliches als "lächerlich" zu bezeichnen.
*"Wer streckt uns die Zunge raus? Das sind Kinder. Und Einstein ist auch immer ein Kind geblieben. Was er auch selbst nie bestritten hat, er hat sogar gesagt, dass seine großen wissenschaftlichen Leistungen womöglich damit zu tun haben, dass er mit kindlichen Augen auf die Welt geschaut hat." (Jürgen Neffe in "Einstein. Eine Biographie") Aber irgendwann sollte jeder erwachsen werden und die Verantwortung für sein Sagen und Tun übernehmen!

Neben der Beachtung des Grundsatzes der Widerspruchsfreiheit halte ich für entscheidend, den Sprachgebrauch zu bedenken, der einem vorwissenschaftlichen Denken entstammt, das für die Probleme verantwortlich ist. Es gibt ja nichteinmal eine Sache "Masse", sondern die Masse ist das Maß eines mechanischen Widerstands bei Wechselwirkung von Körpern, also ein Aspekt der Materie, unter dem wir mit ihr umgehen. "Masse" ist eine der vielen Größen, mit der wir die Reaktionen von Sachen messen. Immer haben wir es nur mit Aspekten und Reaktionen von etwas zu tun und nicht mit Sachen, wie die Physikalisten tun. Und dieser Aspekt und seine Größe scheint nur bei Wechselwirkung auf! Außerhalb einer Wechselwirkung ist die Masse eines Körpers nur potentiell. Sie kann durch das Gewicht bestimmt werden - also auch nur durch das Einwirken einer Beschleunigung. Die potentielle Masse ist jedoch keine Ruhemasse, denn diese setzt das "Ruhen" eines Körpers voraus, während die potentielle Masse eine vom Bewegungszustand des Körpers unabhängige und damit gleichbleibende Größe ist, die er natürlich auch bei "ihren Ruhen" hat. "Ihren Ruhen" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil ja das "Ruhen" nicht zur Masse gehört, sondern zur Sehgewohnheit des Beobachters, der darüber hinaus von ihr metaphorisch so spricht, als ob sie etwas Lebendiges wäre - weil er offenbar nicht zwischen Toten und Lebendigen unterscheiden kann, wie es heutigen Physikern überhaupt an Unterscheidungsfähigkeit mangelt, weshalb ihr Denken und Reden auch hier nicht stimmt und daher zu keiner schlüssigen Aussage führen kann. Da die potentielle Kraft gleich der potentiellen Masse mal einer gedachten oder realen Geschwindigkeit ist, es also einer Relativbewegung zweier oder mehrerer Körper bedarf, damit der Aspekt der Kraft und der in ihr inkludierten Masse von Körpern überhaupt rechnerisch oder real aufscheinen kann, ist das bewirkende Potential natürlich immer geschwindigkeitsabhängig. Aber in Ermangelung eines objektiven Merkmals der Ruhe oder der Bewegtheit bei unbelebten Dingen - auch Einstein konnte nie eines nennen, weil es nämlich keines gibt -, kann es weder eine definitive Ruhemasse (sondern eben nur eine potentielle Masse), noch eine objektive Abhängigkeit der Masse = Menge eines Körpers von einer Geschwindigkeit geben. Und weil die Trägheit ein dynamisches Phänomen ist, das nur in der Wechselwirkung aufscheint, wird die isolierte rein kinematische Betrachtungsweise der Relativitätstheorie dem Begriff der Masse sowieso nicht gerecht. Wer auf den Begriff der "Ursache" verzichtet, muss dies dann auch beim dem Begriff der "Masse" tun, um nicht als inkonsequent bis unehrlich dazustehen. Daher brauchen wir uns über die von Einstein angerichtete und andauernde Konfusion nicht zu wundern. Zu wundern ist nur, wie leichtfertig allseits über die logisch begründete und in Jahrhunderten bewährte Dynamik Newtons mit ihren sorgfältig abgeklärten Begriffen und Axiomen hinweg gegangen wird, die sich nur mit objektiven Kräften befaßt, erkenntlich an den von ihnen ausgelösten realen Beschleunigungen, die von keinem Bezugssystem und damit von keiner subjektiven Wertung des Beobachters abhängen - was eben ihre Wissenschaftlichkeit und Brauchbarkeit ausmacht! Dagegen konnte ich im relativistischen Gedankengut noch keine einzige wissenschaftlich sinnvolle Idee orten, ganz gleich, unter welchem Gesichtspunkt ich mich ihm genähert habe, so daß ich es fast schon als unfair empfinde, es in seiner Hilflosigkeit auch noch kritisch zu analysieren, wenn da nicht der ganz im Gegensatz dazu stehende ungeheure Wahrheits- und Wissenschaftlichkeitsanspruch von Relativisten und der sie nachplappernden Öffentlichkeit wäre, der mich immer wieder dazu herausfordert. Trotzdem habe ich schon 10 Texte zur RT aus meiner Homepage entfernt, um mehr Gleichgewicht zwischen der Behandlung der verschiedenen Themen und Denkrichtungen herzustellen - aber zu Einstein fällt mir leider immer wieder etwas ein, das aus aktuellem Anlaß um der Klarheit und Redlichkeit willen gesagt werden muß, auch wenn ich es an anderer Stelle vielleicht schon ähnlich gesagt habe, was man mir nachsehen möchte.

Die klassische Mechanik ist die Mechanik "beliebig bewegter Bezugssysteme/ Körper", mit deren "Bewegung" oder "Nichtbewegung" sie keine Probleme hat, weil sie die beliebige subjektive Größe "Geschwindigkeit" durch Differentialrechnung einfach verschwinden läßt.

Man könnte auch sagen: die klassische Mechanik eliminiert als Dynamik die vom Beobachter erzeugte Beliebigkeit und erkennt dadurch die real wirkenden Kräfte. Da erscheint die Behauptung, die klassische Mechanik hätte der Nachbesserung bedurft und sie sei nunmehr "ein Grenzfall" der relativistischen, so abenteuerlich wie falsch und anmaßend, da beider Prinzipien unvereinbar sind. In Wahrheit ist die SRT eine neopositivistische Ersatzvornahme. Newton müßte die Relativitätstheorie 'as a terrible dilettantism' erscheinen, die - in völliger Verkennung, was Wissenschaft ausmacht - sich anmaßt, sich über seine Lehre zu stellen - wenn sie Newton freundlich gestimmt vernehmen würde. Aber eigentlich war er gegenüber Konkurrenten und abweichenden Lehren und ihren Vertretern nie freundlich, was Hawking am Schluß seines Buches A Brief History of Time zu einer massiven Verunglimpfung dieses großen Denkers nutzt, da er ihm sachlich nicht Paroli bieten kann, ohne seine Verdienste für die Wissenschaft der Physik zu würdigen - freilich müßte er sie dazu auch verstehen. Über den Mythos Hawking wird die Zeit mangels wissenschaftlicher Substanz hinwegschreiten, während uns das von Newton aufgesteckte Licht ein zeitlos gültiger Führer durch die Irrungen des menschlichen Geistes sein kann.

Anmerkungen zu Stephen Hawkings 2010 erschienenes Buch DER GROSSE ENTWURF
Stephen Hawkings 2010 erschienenes Buch "DER GROSSE ENTWURF. Eine neue Erklärung des Universums" nennt der für die Astronomie zuständige Redakteur des Wissenschaftsmagazins der Max-Planck-Gesellschaft "MaxPlanckForschung" (Heft 4.2010, S.99) Helmut Hornung in seiner Buchbesprechung einen großen Flop, da "das Buch nichts von dem hält, was es verspricht!" "Die Theorie (der Branen) ist ein abstraktes Ungetüm mit beliebigen Parametern, macht keinerlei überprüfbare Vorhersagen und wird sich durch Beobachtungen wohl niemals falsifizieren lassen. Fazit: Hawkings Weltformel fällt durch!" Freilich sehe ich für diesen Flop, der kaum größer sein kann, Hawking nicht allein verantwortlich (sofern er bei dem Stand seiner Erkrankung überhaupt noch für etwas verantwortlich gemacht werden kann und man seinen Namen nicht nur einfach gekauft hat), sondern auch eine starke Tendenz in der Physikergemeinde, nach Verächtlichmachung des gesunden Menschen- = Sachverstandes mit Einstein frei zu phantasieren, und für die falschen Versprechungen sehe ich nicht zuletzt den Rowohlt Verlag verantwortlich, der zur Anlockung unbedarfter Leser Hawkings Namen, der "in größeren Lettern als der Titel auf dem Cover prangt," wie Hornung gleich eingangs vermerkt. Ohne das in Hawkings Sinne geschriebene Buch selbst gelesen zu haben, hatte ich mir genau das erwartet, was Hornung schreibt, entsprechend meiner zuvor gemachten kritischen Anmerkung zu Hawking, der ja auch schon mal annahm, das Universum würde einstmals implodieren, wobei die Zeit mit allem Geschehen rückwärts läuft wie in einem rückwärts laufenden Film, in dem die Wirkung vor der Ursache kommt, das Leben aus den Särgen aufsteigt und mit der Zeugung endet und das Universum mit einem Big Crash im Nichts verschwindet. Schöne hilfreiche "Erklärung" der Welt! Sie ist weder Wissenschaft noch Philosophie, sondern eine sehr persönliche Sicht der Dinge in der Sprache der Physik mit einem gewissen gruseligen Unterhaltungswert. Zu Hawking Wolfgang Engelhardt: "...Hawking, der durch sein tragisches Erscheinungsbild die esoterische Kosmologie ähnlich wie Einstein belebt."
(Anmerkung vom August 2011)

Hawkings und Einsteins Kosmologien sind "esoterisch", sie selbst sind exotische Erscheinungen, die wiederum auf ihre Bewunderer erotisch wirken. Kein Wunder, dass Vernunftargumente da nichts ausrichten können. Einstein (Autist) und Hawking (ALS): das Krankhafte fasziniert, Vernunft langweilt, Unsinn wird für Tiefsinn gehalten.


aus meinen Notizen

"Einstein hat das Problem der Gleichheit von träger und schwerer Masse gelöst."

Abgesehen davon, daß Relativisten nicht sagen, ob sie eine quantitative oder qualitative Gleichheit der Massen meinen, was einerseits ihrer allgemeinen gedanklichen Unschärfe entspricht, ihnen andererseits Spielraum für die Interpretation ihrer Aussagen läßt, wird auch hier die Lösung eines nicht vorhandenen Problems behauptet, gab es in der Newtonschen Physik doch nichteinmal den Begriff der "schweren Masse". Ein Körper verhält sich von sich aus nur träge, wenn auf ihn direkt eingewirkt wird. Und indem Newton das erkannte, und das war seine eigentliche Erkenntnisleistung, wurde ihm klar, daß er zu seiner Schwere der Zentripetalkraft anderer Körper bedarf. Dadurch entdeckte er die Gravitation als ein allgemeines, mit Körpern verbundenes, an Körpern sich zeigendes Phänomen. Jeder Körper hat nur eine Masse, welche ein Maß seiner Trägheit ist, die sich - je nach Art der Einwirkung - entweder als träge oder schwer erweist. Das erklärt ganz zwanglos die quantitative Gleichheit beider Phänomene. Wenn man so die beiden Arten der Einwirkung unterscheidet, einmal durch die direkte Berührung einer anderen Materie, einmal durch ein Feld: Wo soll es hier zweierlei Massen bzw. irgendein Problem geben? Richtig ist, daß zu jeder Materie selbst diese zwei Arten der Einwirkung gehören. Das ist es, was es zu verstehen gilt, weshalb dies der Gegenstand meiner Gedanken zur Gravitation ist. In ihnen geht es nicht um eine ideologische Gleichmacherei des Ungleichen, sondern darum, durch Vergleichen Gleiches als gleich, Ungleiches aber als ungleich zu erkennen. Nur auf diese reelle Weise kommen wir zu einem Verstehen der Dinge.

Einsteins "machsches Prinzip" will dagegen zeigen, daß die Trägheit den Körpern von außen verliehen wird, und zwar von den "fernen Fixsternmassen". Und nur unter der Bedingung des "machschen Prinzips" könnte es dann eine Art qualitativer Gleichheit von Trägheit und Schwere eines Körpers geben, nämlich als durch ein und dasselbe Feld, der Raum-Zeit, vermittelt. In dieser Sicht würden Körper immer nur so tun, als ob sie von sich aus träge wären und Masse beweisen. Da aber, wegen der Einheit der Natur, die fernen Massen ihre Trägheit dann auch nicht von sich aus hätten, können sie diese auch nicht verleihen, denn niemand kann etwas geben, was er nicht hat. Das könnte nur ein Wunder wirkender Gott (deshalb wohl die völlig unsinnige Suche nach dem Gottesteilchen "Masse"), der seine Existenz gerade durch das akausale Wunder beweist, das die Gläubigen daher nicht nur nicht schreckt, sondern das ihnen gar nicht groß genug sein kann. So gäbe es dann nicht mehr verschiedene Auslöser der Phänomene Trägheit und Schwere, sondern es könnte dann nur noch eine, alles bewirkende Ur-Sache geben, die dann aber keine Sache mehr wäre. Doch der Antimetaphysiker Mach, auf den sich Einstein berief, der ihn jedoch abwies, wollte nicht nur keine Ursachen, sondern erst recht keine Ur-Sache, geschweige Wunder, weshalb er Einsteins "Lösung" unmöglich akzeptieren konnte. Das wird heute gern als Altersstarrsinn oder gar -schwachsinn eines Mannes ausgelegt, der lediglich seiner positivistischen Überzeugung treu blieb. Die Idee, die Welt als bloßes Schauspiel eines Gottes zu sehen, der an den Strippen der Raum-Zeit (den "Strings" in der neuesten Version) die Puppen tanzen läßt und Gottesteilchen spendet, kann nämlich nur jene begeistern, die Gott für die einzige Realität halten. Und nur dieses Gottes- und Realitätsverständnis erfordert die Eliminierung der Trägheit als endogene, eigenständige Kraft und hat das "Problem", dessen Einsteinsche "Lösung" uns immer wieder als die einzig "wahre" verkauft werden soll - die RT so als Rückzugsgebiet totalitären Denkens in einem demokratischen Umfeld.

Daher sollten man sich von der Behauptung der Relativisten, die klassische Mechanik Newtons erzeuge "unlösbare Probleme" nicht beeindrucken lassen, handelt es sich doch nur um die "unlösbaren Probleme" die Relativisten mangels Sachverstand mit ihr haben. Die meist sehr allgemein vorgetragene Behauptung ist einerseits Teil einer Verunsicherungsstrategie und soll andererseits rechtfertigen, warum man sich von Newtons bewährter realistischer und kausaler Sicht der Dinge abgekehrt hat. Entscheidend ist jedoch, dass sich bei einer vorurteilsfreien Sicht Einsteins "Probleme" gar nicht ergeben. Daher hatte ich an anderer Stelle schon geschrieben: "Den Anfängen einer Indoktrination zu wehren heißt, in keine Problemfalle zu laufen." Also lassen Sie sich keine "Probleme" einreden, wo keine sind, sondern machen Sie sich einfach besser kundig. Denn nur Menschen mit echten Einsichten sind geistig mündig und stehen nicht in der Gefahr, von anderen manipuliert zu werden.

Wer aus weltanschaulichen Gründen Fernkräfte herbeiredet, sollte dann wenigstens aufhören, sie Newton vorzuwerfen, der lediglich ein mathematisches Konzept zum zweckmäßigen Umgang mit dem Gravitationsphänomen entwickelt hatte, aber ansonsten keine Hypothesen "über die physikalischen Ursachen und Sitze der Kräfte" erfinden wollte. Allein schon für diesen Standpunkt wäre Newton zu loben. Wer dagegen auf Hypothesen setzt, hat wohl auch wenig Hemmung, Personen, die anderer Meinung sind, einfach die Hypothese der Unvernunft und Inkompetenz zu unterstellen, um so das Problem der störenden Argumente für sich bequem zu "lösen", was ein bezeichnendes Schlaglicht auf die ganze Art der Problemlöserei durch Hypothesen wirft, die Newton, aus gutem Grund, daher abgelehnt hat.

Während Einstein das nicht vorhandene Problem der Gleichheit von schwerer und träger Masse "gelöst" hat, hat er die wirkliche kosmologische Kernfrage, "was die Welt im Innersten zusammenhält" (Goethe, Faust I), d.h. was die Bildung von kugelförmigen Himmelskörpern bewirkt und sie einander umkreisen läßt und was für den Zusammenhalt von Galaxien verantwortlich ist, aus den Köpfen verdrängt, weil es angeblich nur lokale Ereignisse geben darf. Mit dieser Verkehrtheit physikalischer Fragestellungen befaßt sich der nachfolgende Text.


Verkehrte Welt

Zwei Wege des Denkens und vier Verkehrtheiten

Nach dem "machschen Prinzip" wäre die Trägheit von Körpern keine ihnen immanente Eigenschaft, sondern wäre auf eine Einflußnahme "ferner Fixsternmassen" zurückzuführen¹, weil der Determinist die Überzeugung hat, alles Geschehen wäre eine Folge äußerer, mechanischer Umstände. In einer solchen Sicht ist auch das Altern von Lebewesen eine Frage ihrer Geschwindigkeit im Raum, also eine Folge des Raumes, oder weil sie vom Zeitpfeil getroffen werden, aber nicht eine Folge ihrer eigenen genetischen Veranlagung, was man heute doch wirklich wissen könnte. Bei der Gravitation dagegen soll es sich plötzlich um ein "lokales" Phänomen handeln, weil die Annahme von Fernkräften unwissenschaftlich wäre. Aber was ist die relativistische Annahme, daß die Masse den Raum "krümmt", anderes als die Behauptung einer Fernkraft - hier die bewirkende Masse (richtiger: die Materie), dort der reagierende, auch aus einer Art Materie bestehende Raum??? Und das machsche Prinzip ist sowieso die reinste Fernkraft - und das ohne jeden sachlichen Anlaß, während sie in Einsteins Weltbild durchaus Sinn macht. Für Newton dagegen ist die Zentripetalkraft immer schon am Ort ihrer Wirksamkeit, als eine 2. permanente Eigenschaft der Materie, neben ihrer Trägheit, um sie herum verteilt - das ist es nämlich, was man einzig und allein positiv feststellen kann und was die Bezeichnung "Wissen" verdient! Ebenso läßt sich von der Trägheit eines Körpers positiv nur sagen, daß sie aufscheint, wenn man seinen Lagezustand zu verändern sucht, und die "Masse" ist einfach nur das Maß des mechanischen Widerstands². Alle Sachbehauptungen, die über die durch Probekörper erfahrbare Existenz- und Mengenfeststellungen hinausgehen, sind unüberprüfbare Phantasien, weshalb Newton lediglich ein mathematisches Konzept zur Beherrschung der Fakten vorgelegt hat, es aber ablehnte, zur Sache selbst Hypothesen zu erfinden!

Während Newtons Denken in einem guten positivistischen Sinne dem traditionell britischen Weg des Empirischen folgte, ging Einsteins Denken den festländischen Weg der Spekulation, tat jedoch so, als ob er dem (doktrinären) Neopositivismus Machs folgen würde. Das ist die erste Verkehrtheit. Aber zur eigenen Rechtfertigung werden von ihm Newton die "Fernkräfte" vorgeworfen, die er selbst erst herbeigeredet hat, u.a. mit der physikalischen Relevanz von Beziehungen zwischen voneinander entfernten Dingen. Das ist die zweite Verkehrtheit. Und das unter Berufung auf die Wissenschaftlichkeit, um die er selbst sich nicht kümmert. Das ist die dritte Verkehrtheit. Zugleich hat er für das Naheliegendste, die einer Sache immanente Trägheit, das Fernste verantwortlich gemacht, während er die auch in der Ferne feststellbare Gravitation eines Körpers, die zeigt, daß es keinen von der übrigen Welt abgetrennten und abtrennbaren Gegenstand gibt und die Welt daher ein Ganzes ist, zu einem lokalen Phänomen degradierte. Das ist die vierte Verkehrtheit, nämlich eine verkehrte Welt. Verkehrter geht's nicht!³

Soviele Verkehrtheiten/Verkehrungen können von unbeirrbar Wohlmeinenden zwar als Beleg für ein kreatives Denken gedeutet werden, obwohl sie in einer Disziplin, die der Redlichkeit verpflichtet ist, soll Forschung Sinn machen, eher als "kriminell" eingestuft werden müßten, weil sie in mehrfacher Hinsicht falsch Zeugnis ablegen (s. den Verhaltenskodex der DPG, Text (I/B1). Doch alle Verkehrungen sind die unausweichlichen Folgen einer Ideologie, die auf verkehrten und widerstreitenden Prämissen beruht. Auf die nicht wegzuleugnenden Widersprüche zwischen Fakten und Behauptungen, zwischen Ansprüche und Taten aufmerksam gemacht, ziehen rechtgläubige Physiker sich gern auf von ihnen für diesen Zweck vorgehaltene "Autoritäten", wie z.B. Mach oder Einstein, zurück, die dafür verantwortlich wären. Aber wer ein Wissenschaftler sein will, muß über soviel Urteilsfähigkeit verfügen, daß er einen von ihm vertretenen Sachverhalt selbständig beurteilen kann. Wenn irgendwo der letzte Satz aus Wittgensteins Tractatus gilt, dann hier: "Wovon man nicht sprechen kann (weil man darüber eigentlich nichts weiß), darüber muß man schweigen." Meta-Physik hört nämlich nicht auf, Meta-Physik zu sein, nur weil sie aus dem Munde eines Physikers kommt. Und "Erklärungen" durch Bilder wie "gekrümmte Räume" oder "gedehnte Zeiten" anstelle rationaler Beschreibungen sind die Wiederbelebung mythischen Denkens, was die Popularität von Einsteins Weltbild erklärt, auch wenn es mangels Rationalität niemand wirklich verstehen kann. Doch wen stört das? Moden versteht auch keiner. Aber alle machen sie mit.

1Wenn die "fernen Fixsternmassen" ebenfalls selbst trägheitslos sind, können sie natürlich auch keinen anderen Körpern Trägheit verleihen, denn niemand kann etwas geben, was er nicht hat. Nach dem machschen Prinzip gäbe es nur massenlose Massen(!), die immer nur so tun "als ob" - als ob sie träge wären - der reinste Irrsinn! Ihr Tun ist läßt sich dann nicht mehr durch die Sache selbst, sondern nur durch das Wirken eines Weltenlenkers "erklären", der immer - oft unbewußt - hinter der Idee des Determinismus steckt und um dessen Existenz es den Deterministen Einstein ging.
2Was das Maß einer Sache ist, ist eben nicht die Sache selbst. Weil man nicht zwischen der Sache, hier der Materie, und ihrem vom Menschen eingesetzten und benutzten Maß unterscheidet, hier die Masse, hat man die Überzeugung, daß "M" bzw. "m" in Newtons Gravitationsformel wären die Ursache der Gravitation. Aber die Massen M und m sind nur ein Maß der Menge von Materie eines Körpers, die - der einfachsten Berechnung (von Planetenbahnen) halber - im Mittelpunkt des Körpers versammelt gedacht wird! Diese durch Nichtunterscheidung von Materie und Masse entstehende gedankliche Unschärfe ist es, die auch Wohlmeinende zur Fehlinterpretation von Newtons Konzept verleitet. Und die bei Verwendung seiner stark vereinfachten Annahme sich zwangsläufig ergebenden Differenzen bei genauen Messungen in der Nähe von Himmelskörpern sind den Relativisten willkommener Anlaß, Newtons Dynamik überhaupt in Frage zu stellen, statt dem auf der Hand liegenden Grund der Differenzen nachzugehen.
3Hier liegt eine gewisse Parallele zur Hohlwelttheorie vor: die Erdoberfläche als eine die Welt umschließende Kugel, bei der ebenfalls das Innere nach außen gekehrt wurde. Man hofft wohl, einfach durch Umkehr einer gewohnten kosmologischen Sicht, sich als Begründer einer weiteren kopernikanischen Wende fühlen zu dürfen. Aber selbst einer, der irdische Dinge verkehren würde, so wenn er mit Autorität behauptet, ein auf dem Dach liegendes Auto fahre ökonomischer und als "Beweis" die Benzinersparnis ins Felde führt, wenn Räder sich im Leeren drehen, würde bestimmt eine nicht geringe, von Ideologie geblendete begeisterte Anhängerschar finden, was wiederum Einstein recht zu geben scheint, der gesagt hatte, daß vielleicht nicht das Universum, aber die menschliche Dummheit unendlich wäre. Aber auch hier hat Einstein wie so oft es sich zu leicht gemacht und ist ihm zu widersprechen: es ist nur ein Mangel an Urteilskriterien für Bereiche, die außerhalb menschlicher Alltagserfahrung liegen, der zu Fehlurteilen führt. Wissenschaftler machen da keine Ausnahme. Und daß es noch Menschen gibt, die Einsteins Thesen nicht kritiklos hinnehmen ist kein Zeichen von "unendlicher Dummheit", wie das Zitat wohl gemeint war, sondern läßt hoffen, daß sich einmal eine bessere, nicht durch Ideologie verblendete Einsicht durchsetzen wird, die doch geistig eigentlich viel befriedigender sein müßte, auch wenn sie einige Mühe bereitet.

© HILLE 1997-2009
Sept. 2009 Seitentitel geändert


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