Der Geist der Verweigerung

Der Kampf um die zweite Quantenrevolution



Der Geist der Verweigerung

Ich bin überzeugt,
dass wir auf Dauer unser Menschsein und unsere Zukunft nur meistern können,
wenn wir erwachsen werden und die Welt so annehmen, wie sie sich uns erweist.
Suchen wir immer nur krampfhaft nach Rechtfertigung offenkundig gewordener Irrtümer,
anstatt sie abzulegen,
dann sind wir nicht zukunftsfähig.
(aus PROJEKT ZUKUNFT auf Seite Prolog)

Angesichts seines anachronistischen Kampfes gegen die so erfolgreiche Quantenphysik musste Einstein sich eingestehen:
"Die Zeitgenossen sehen in mir einen Ketzer und Reaktionär, der sich selber überlebt hat."

Der Name Einstein steht inzwischen für den Kampf ewig Gestriger gegen jede neue Einsicht in der Physik, sei es das Ergebnis des sog. Michelson-Experiments, daß es den Äther nicht gibt, sei es die Unbestimmtheit in der Quantenmechanik, sei es das Tunneln mit Überlichtgeschwindigkeit, sei es eine Weltraumfahrt, die diesen Namen verdient, ja, auch gegen Einsteins eigene Skepsis am Ende seines Lebens selbst (s. unten) - vor allem aber für die Negierung der Rolle des Beobachters, ja bereits gegen die Rolle seiner experimentellen Anordnungen für das Ergebnis, gegen die "sich Einstein aufs entschiedenste wehrte" (C.F.v.Weizsäcker "Zum Weltbild der Physik. Einstein und Bohr"). Selbst Newtons großartige wissenschaftliche Leistungen werden von der relativistischen Physik bestritten: die in der Gravitation zum Ausdruck kommende Ganzheitlichkeit physikalischer Phänomene, die Anerkennung immanenter Ursachen und die Überwindung einer deskriptiven Physik durch die Dynamik, weshalb sie sich lieber auf Galilei beruft. Und mit dem Verlust der Dynamik wurde das Kopernikanische System zu einer Sache der Beliebigkeit. Max Born in seinem Buch "Die Relativitätstheorie Einstens": "Daher haben von EINSTEINS [kinematischen] Standpunkt gesehen PTOLEMÄUS und KOPERNIKUS gleiches Recht. Welchen Ausgangspunkt man wählt, ist Sache der Bequemlichkeit." Diese Folgerung ist für ein ursachenfreies Denken konsequent! Doch weiter zurück kann man das Rad des Wissens kaum drehen, werden doch die davor liegenden Einsichten antiker Denker von Heraklit bis Lukrez, die Newton noch zu würdigen wusste, sowieso ignoriert (s. Text (I/C3), Kapitel 6). Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass die Idee der Erde als Scheibe bei der Rede von einem "flachen Universum" irgendwie noch weiter wirkt. Soviel Destruktion bis in die Wurzeln des Denkens und der Geschichte der physikalisch-kosmologischen Wissenschaft mit so wenig Aufwand ist natürlich schon genial. Aber meine Vorwürfe gehen nie an die Adresse Einsteins, dessen Irrtümer und Ängste ihn sympathisch menschlich machen, sondern an jene, die seine Lehre als höchste Wahrheit verkaufen und jede bessere Einsicht mit allen Mitteln blockieren, um nicht zugeben zu müssen, fatalen Irrtümern unkritisch aufgesessen zu sein. Von den historischen und rationalen Wurzeln der Physik und Kosmologie abgeschnitten, physikalische Größen für physikalische Gegenstände, Relationen für Realitäten haltend, wühlen sie dumpf in Worten und Gleichungen und versuchen, Einsteins aus den Bauch heraus verkündete Thesen mit im Graubereich der Messtoleranzen liegenden Ergebnissen als "glänzend bestätigt" (eine Standardformulierung von ihnen) hinzustellen, sich selbst und andere betrügend.

O glücklich, wer noch hoffen kann,
aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!
Was man nicht weiß, das eben braucht man,
und was man "weiß", kann man nicht brauchen.

(Goethe, Faust I)

Seit dem Bekanntwerden von ganzheitlichen Zustände in der Quantenmechanik, gibt es eine weitere Front der Verweigerung, getreulich Einsteins Forderung, dass alle Erklärungen dem mechanistischen Prinzip der Lokalität zu folgen haben und nichts schneller als das Licht sein darf, damit es nicht zu "geisterhaften" d.h. negativen Lösungen der Lorentztransformationen kommt, obwohl er andererseits keine Hemmungen hatte, für die örtlich Trägheit "ferne Fixsternmassen" verantwortlich zu machen (machsches Prinzip). Man argumentiert ursachenfrei eben, wie man es gerade braucht. Nachdem das peinliche Phänomen der verschränkten Quanten mit ihren momentanen Reagieren, schamhaft "Nichtlokalität" genannt, im Verbandsorgan der DPG lange totgeschwiegen wurde ohne zu sterben, ließ die Redaktion 1999, um nicht selbst das heiße Eisen anfassen zu müssen, notgedrungen Anton Zeilinger einmal selbst von seinen Experimenten und ihren Ergebnissen berichten, hatte doch sogar selbst der Dalai Lama sie schon in Augenschein genommen. Danach gab es einige wenige Kommentare zu Meldungen und Büchern zum Thema, die am Schluss unweigerlich sachlich wenig gehaltvolle Vorwürfe zur Nichtlokalität vorbrachten oder denen eine Widerrede folgte, um das Soll an engstirniger Kritik zu erfüllen. Man will eben partout nicht klüger werden. Auch jetzt wieder, im Juli 2006 bei der Besprechung von Zeilingers Buch "Einsteins Spuk", wo "instantane physikalische Wirkungen auf verschränkte Partner kritisch anzumerken sind". Aber auch bereits im Kommentar von Dr. Gregor Weihs, Stanford University/USA, der Jahre zuvor bei Zeilinger in Innsbruck und später in Wien bei verschiedenen Experimenten zur Quantenverschränkung mitgearbeitet hatte, zu der für mich erfreulichen Meldung im Märzheft 2002 "Quantenspuk ist nicht relativ", wobei es um ein neues Experiment zur Quantenkorrelation ging, bei dem vergeblich nach relativistischen Effekten gesucht wurde, weshalb abwertend gleich vom "Quantenspuk" die Rede war. Dieser "Quantenspuk" hat aber immerhin noch die Beobachtbarkeit auf seiner Seite, während die Relativität nur in den Köpfen von Physikern spukt, weshalb überall krampfhaft nach ihrer Bestätigung Ausschau gehalten werden muß. Meine Einwendungen zu Weihs Bedenken, seine Antwort, bei der er bezeichnenderweise auf keines meiner erkenntnis-theoretischen Argumente eingeht, meine Erwiderung samt einem Zwischenkommentar, und einen Beitrag von G. Galeczki habe ich weiter unten abgedruckt.
      Als von Peter Mittelstaedt im "Physik Journal" vom November 2002, dem Nachfolge-Organ der "Physikalischen Blätter", das Buch "Verschränkte Welt. Faszination der Quanten" (Hrsg. J. Audretsch) besprochen wurde, entsprach es voll meiner Erwartung (und wohl auch der auf Einstein eingeschworenen Redaktion unter Stefan Jorda), dass auch dieser Rezensent am Schluss eine Breitseite auf die Nichtlokalität loslässt, auch wenn er sich dabei auf einen den Band abschließenden pflichtschuldigsten Aufsatz von Michael Elsfeld beruft, dessen Artikel ihm aber offensichtlich sehr willkommen ist. "Elsfeld erkennt klar, welche Herausforderung die Verschränktheit für die Ontologie bedeutet. Wenn es für die Quantenmechanik keine Grenze gibt, dann sind alle Elemente dieser Welt durch Verschränkung miteinander verbunden. (Ja, so ist es!) Dann aber gäbe es weder mikroskopisch noch makroskopisch einzelne Dinge mit definitiven Eigenschaften, an denen sich aber unsere Begriffbildung orientiert. Die Quantenmechanik würde dann ihren eigenen Voraussetzungen widersprechen." Unsere "Begriffsbildung" würde also das Faktum der Verschränkung widerlegen!!! Jetzt verstehe ich, was "theoretische Physik" heißt. Zur Erweiterung ihres geistigen Horizontes, hier um die Aspekte der Komplementarität und der existenziell immer wichtiger werdenden Ganzheitlichkeit, die die gewohnten Begriffe relativieren, sind die theoretisierenden Physiker einsteinscher Prägung leider nicht bereit, die lieber Fakten relativieren, statt die Herausforderung der neuen Forschungsergebnisse endlich anzunehmen und sich geistig zu bewegen, ist doch das Arbeiten am Begriff die Ur-Aufgabe des geistig Schaffenden. In ihren Augen ist ein guter Physiker einer, der alle Neuerungen ablehnt. Während der Kosmos offen ist und sich immer mehr und immer schneller ausdehnt, versuchen Relativisten eigensinnig auf einer engen Sicht der Dinge zu beharren, die vielleicht einmal in einem historischen Moment unter dem obwaltenden Zeitgeist hilfreich war. Dabei sollten alle Forschenden doch längst erkannt haben, dass die Realität sowieso alle Denkbarkeit und somit auch alle Begriffsbildung übersteigt und dass alle Begriffe nur Stationen aber keine Endhaltestellen des um Verständnis ringenden Bewusstseins sind. Und Einstein selbst? Hielt er seinen eigenen geistigen Horizont für das letzte Wort, das auf ewig zu zementieren wäre? Oder könnten seine Anhänger von ihm wirklich lernen? Gegen Ende seines Lebens schrieb er selbstkritisch seinem Jugendfreund Solovine aus Schweizer Tagen:

"...Sie (die Gratulanten zu seinem 70. Geburtstag) stellen es sich so vor, daß ich mit stiller Befriedigung auf ein Lebenswerk zurückschaue. Aber es ist ganz anders von der Nähe gesehen. Da ist kein einziger Begriff, von dem ich überzeugt wäre, daß er standhalten wird, und ich fühle mich unsicher, ob ich überhaupt auf dem rechten Wege bin ..."
Albert Einstein in einem Brief an seinen Freund Solovine 1949, veröffentlicht unter "Lettres á Maurice Solovine", Paris 1956, S.94; Fundstelle: K. Brinkmann, Zu Zeit und Raum ..., Verlag Joh. Berchmans München 1984. Aber auch: A. Einstein, Worte in Zeit und Raum, Herder Freiburg-Basel-Wien, S.127 (letztes Zitat = soviel wie letztes Wort!) Siehe auch "Einsteins Selbsteinschätzung" auf (I/B8a)

Nachtrag vom September 2009: Der Sprecherin der Arbeitsgruppe Philosophie der Physik (AG Phil), Frau Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg von der Universität Dortmund, die im Herbst Peter Mittelstaedts 80. Geburtstag in Köln groß feiern wollte, habe ich mein obiges Zitat von ihm zu Bedenken gegeben. Sie schrieb mir postwendend: "Es kann keine Rede davon sein, dass Peter Mittelstaedt die Nichtlokalität bestreitet, im Gegenteil", was ich erfreut zur Kenntnis genommen habe. Doch warum schreibt er denn solches im "Physik Journal"? Sollte er seit 2002 seine Meinung da wirklich geändert haben? Zeit wäre es ja, wollte er den Anschluss in der Forschung nicht verpassen. Aber viele Physiker machen in der erfolgreichen Quantenphysik eifrig mit, ohne sie innerlich akzeptiert zu haben, wie schon Einstein beim photoelektrischen Effekt. Ich denke, dass ist auch Peter Mittelstaedts Problem, dass Brigitte Falkenburg einfach nicht sehen will. - Es ist unsere im Alltag übliche und dort auch nützliche Sehgewohnheit, alle Objekte isoliert zu betrachten. Diese erprobte Sehgewohnheit beweist aber noch nicht, dass es keine übergreifenden und ganzheitlichen Naturgesetze gibt, wie z.B. die Gravitation und die Verschränkung. Als Wissenschaftler muss man offen für neue Erfahrungen sein - sonst ist man eben keiner! Einstein empfand Verschränkungsphänomene als "spukhafte Fernwirkung". Doch verschränkte Körper und Teilchen sind sich nicht "fern" sondern eines, weshalb sein Argument entfällt. Ich denke, dass Einstein so heftig auf seinem Lokalitätsprinzip bestand war auch Ausdruck seiner inneren Isoliertheit als Autist, die ihn hinderte, übergreifende ganzheitliche Phänomene zu verstehen.
      Nachtrag vom Februar 2015: Im Nachruf auf Peter Mittelstaedt, der am 21. Nov. 2014 im Alter von 84 Jahren verstorben ist, werden im Physik Journal vom Februar 2015 natürlich auch seine Irrtümer gepriesen, die für mich jetzt aber noch erstaunlicher sind, da, wie ebenfalls erwähnt, Werner Heisenberg nicht nur schon in seinem Elternhaus regelmäßig verkehrte, sondern dass er bei ihm 1956 auch noch in theoretischer Physik promovierte, was ihn aber später nicht hinderte, die Nichtlokalität, wie sie z.B. bei der Verschränkung sich zeigt, zu bestreiten, auch wenn Frau Falkenburg das von ihm nicht glauben kann. Zudem hat er bis zuletzt noch versucht, die Relativitätstheorie zu begründen "mittels Abschwächung von unhaltbar gewordenen, der klassischen Physik zugrundeliegenden Prämissen," wie es im Nachruf ebenfalls noch heißt, eine These die er auch noch 2011 auf der DPG-Tagung in Dresden vortrug. Siehe dazu auch die nachfolgenden Texte. (Ich bin ihm u.a. bei einem Workshop des AK Phil in Heidelberg begegnet. Am Mittagstisch saß er mir genau gegenüber. Mir kam es vor, als wollte er mich hypnotisieren, dass ich nur nichts Provokantes sage, was mir jedoch bei einem solchen Zusammensein nicht in den Sinn kommt, sofern ich nicht herausgefordert bin.)

Die zweite Quanten-Revolution und die Physikpreise

aus "Physik Journal" der "Mitgliederzeitschrift der Deutschen Physikalischen Gesellschaft", Juni 2013, S. 49:
Buchbesprechung "Quantum mechanics": "Wie sollte man in einer Zeit, in der die quantenmechanische Verschränkung von einer Kuriosität zu einem zentralen Konzept geworden ist, Quantenmechanik unterrichten?" (Gert-Ludwig Ingold) (Betonung von mir)

aus "MaxPlanckForschung dem Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft", Folge 1.2013, S. 57 - GLOSSAR:
Verschränkung: Quantenteilchen lassen sich, etwa durch spezielle Wechselwirkungen untereinander oder vermittelt durch Licht, miteinander verschränken. Die Teilchen sind dann bezogen auf eine Eigenschaft voneinander abhängig, egal wie weit sie sich räumlich voneinander entfernen. Bei zwei bezüglich der Schwingungsrichtung des Lichts verschränkte Photonen zum Beispiel legt eine entsprechende Messung an einem der Lichtteilchen augenblicklich auch die Schwingungsrichtung am zweiten Photon fest, ohne dass zwischen beiden ein Signal übertragen wird. (Betonung von mir)

In Datei (I/B18) als "Definitionsmerkmale moderner Quantenphysik" zitiert: "unabhängig von Raum und Zeit, mit bekannten und unbekannten sog. Kontaktinhibitionskräften, aufgrund subatomaren Geschehens und synchron". (Betonung von mir)

Mein Kommentar: Entgegen unserer Sehgewohnheit bilden verschränkte Teilchen eine quantenphysikalische Einheit, so wie z.B. Erde und Mond gravitationsmäßig eine Einheit bilden. In beiden Fällen gibt es also eine übergreifende tieferliegende (subatomare) gemeinsame Realität, die wir nur in ihren Auswirkungen erfahren, die sich jedoch dem geübten Verständnis entzieht. Diese Realität deshalb zu leugnen, zeugt nur von Starrsinn und mangelnder Lernbereitschaft. Wir sollten es daher wie Newton einst aus Respekt vor dem Gravitationsphänomen es ebenso mit dem Verschränkungsphänomen halten: "hypotheses non fingo", und sie einfach ohne Wenn und Aber respektieren in der weisen Einsicht, dass die Realität sowieso alle Denkbarkeit übersteigt. Die Ursachen beider Verschränkungen sind jedoch wieder physikalischer und gleicher Art. So wie die Verschränkung der Quanten in der Regel durch ihre gemeinsame Emission bewirkt wird, bei der eine Energie im Spiel ist, so wurde durch den BigBang, aus dem unser Kosmos hervorging, eine zusammenströmende Materie durch eine Explosion als Folge des Auftretens von Antimaterie ebenfalls miteinander verschränkt, wodurch sie seitdem eine Einheit bildet, die alle Teilchen zueinander hinstreben lässt. Oder wie Aristoteles es in etwa sagte: das Fallen der Körper ist ihr Streben nach dem natürlichen Ort (also nichts Übernatürliches). Dank der Quantenphysik können wir heute wissen, warum das so ist, auch wenn das subatomare Wie ausgeklammert bleibt.

Fundstelle Physik Journal Die DPG hat zusammen mit der Optical Society Amerika 2012 ihren Herbert-Walther-Preis an Prof. Alain Aspect, CNRS und Ecole Polytechnique (Frankreich) "for his pioneering experimental contributions to the fields of quantum entanglement and cold atom physics" verliehen. In der im Physik Journal vom Januar 2012 veröffentlichten Laudatio wird Aspect gem. NATURE wie folgt selbst zitiert, da das Einsteinblatt sich seiner Meinung nicht anschließen möchte: "Um diese Korrelation (zwischen Teilchen) zu interpretieren, sagte Einstein, muss man das Konzept des 'lokalen Realismus' akzeptieren. Dieses Prinzip besagt, dass die Ergebnisse von Messungen an einem in Raum und Zeit lokalisierten Objekt vollständig durch die Eigenschaften bestimmt sind, die dieses Objekt mit sich trägt (seine Realität) und dass sie nicht sofort und ohne Verzögerung von weit entfernten Ereignissen beeinflusst werden können. Aber nach Bells Entdeckung, dass das Konzept des 'lokalen Realismus' die Stärke der beobachtbaren Korrelationen begrenzt, hat uns eine Serie von immer besseren Experimenten dazu geführt, dieses Konzept aufzugeben. Das war ein großer Schritt, der zu unserem heutigen Verständnis der Quantenphysik führte."(!) Anmerkung der Redaktion: Alain Aspect ist ein herausragender Wissenschaftler und Lehrer, der durch seine bahnbrechenden Arbeiten weit über sein eigenes Arbeitsgebiet hinaus bekannt geworden ist. Anmerkung von mir: Da ihm als nicht-Einstein-konformen Physiker der Nobelpreis versagt geblieben ist, hat man ihn jetzt wenigstens mit einem der zahlreichen DPG-Preise ausgezeichnet, um fortschrittlich zu erscheinen.
      Pro-physik.de meldet: Balzan-Preis für Alain Aspect (10. September 2013) "Luciano Maiani, ordentlicher Professor für Theoretische Physik an der Universität La Sapienza in Rom, begründete die Vergabe des „Preises für Quanteninformatik: Mechanismen und Kommunikation“ an Aspect folgendermaßen: „Für seine wegweisenden Experimente, welche die Quantenmechanik eindrucksvoll gegenüber Theorien lokaler verborgener Variablen bestätigen. Seine Forschungen haben den Weg für die experimentelle Kontrolle verschränkter Quantenzustände geebnet, was für die Quanteninformatik von größter Bedeutung ist.“
      Wegen seines Beitrags zur zweiten Quantenrevolution durch die Verschränkung von Mehrteilchensystemen wurde an gleicher Stelle wie Alain Aspect Prof. Dr. Rainer Blatt, Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, mit der Stern-Gerlach-Medaille ausgezeichnet. "Rainer Blatt gelang es, verschränkte Zustände zu erzeugen und für Quantenalgorithmen zu nutzen. ...im Jahr 2008 liegt der aktuelle Rekord nun bei vierzehn verschränkten Ionen." Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Einsteins Lokalitätsprinzip nicht haltbar ist. Bereits 1989 hat Prof. Jan Berg von der TU München in seinen Vorlesungen zur Wissenschaftsgeschichte die Unhaltbarkeit aller "Prinzipien" Einsteins aufgezeigt und auf den Nobelpreis für Alain Aspect gewartet. Aber in Stockholm ist auch heute die Zeit dafür noch nicht reif, weshalb wir ebenfalls weiterhin vergebens ebenso auf einen Nobelpreis für Anton Zeilinger warten.* Um aber bei aller Einsteinmanie nicht den Anschluss an die zukunftsorientierte Forschung zu verlieren, macht die DPG Fortschritte zu mehr Ehrlichkeit, wenn auch nicht uneingeschränkt, wie man gleich sieht.
      Im Physik Journal vom August/September 2011 berichtete Frau Prof. Falkenburg in der "Tagungsnachlese Dresden" für die AG Philosophie der Physik zuerst ganz begeistert vom gelungenen Auftritt "berühmter Quantenphysiker und -philosophen" wie Alain Aspect und Anton Zeilinger beim Symposium, wo es auch um die "Nichtlokalität" ging, und bemerkt: "Das Symposium zog mehr Teilnehmer an, als das Audimax der TU Dresden fassen konnte. Sein riesiger Erfolg zeigte, dass die Frage, was die Quantenphysik für unser Wirklichkeitsverständnis bedeutet, auf mehr Interesse stößt denn je." Doch dann kommt Prof. Mittelstaedt ins böse Spiel, der vor großen Publikum behauptete, "dass die klassische Physik etliche ungerechtfertigte ontologische Grundannahmen enthält, die in der Relativitäts- bzw. Quantentheorie der Kritik unterzogen werden", wohl um die Einsteins Theorie seinerseits zu rechtfertigen. Die einzigen "ungerechtfertigte ontologische Grundannahmen" die ich kenne stammen jedoch gerade von Einstein, so wenn er außer Raum und Zeit auch alle anderen rein geistig existierende Messgrößen für physikalische Objekte hielt, weshalb er auch Newtons absoluten Raum und Newtons absolute Zeit als solche behandelte, obwohl sie für Newton rein mathematischer also geistiger Natur waren und deshalb unbeeinflußbar von realen Kräfte, eben "absolut", denn nur mit gleichbleibenden Messgrößen und sie verkörpernde Maßstäbe sind Vorgänge möglich, die das Prädikat "Messung" verdienen. Und Newtons Axiome sind auch keine Sachbehauptungen, wie heute immer getan wird, sondern sowohl Definitionen grundlegender Begriffe der Mechanik, als auch Kriterien, um mit Fakten in objektiver Weise umgehen zu können, wodurch die Mechanik durch ihn zur Dynamik wurde (s. insbesondere Datei I/B4). Wie einst Don Quichotte unter Realitätsverlust Windmühlenflügel für die Lanzen feindlicher Ritter hielt und gegen sie anrannte, so wollte Einstein Newtons Drachen der absoluten Bewegung erlegen, der aber noch dazu in nur in Einsteins Kopf existierte, weil sich ihm Newtons kognitiv höher stehende Intension nicht erschloß. (In Newtons Dynamik kommt es einzig auf die Differenz von Geschwindigkeiten an, die Ausweis einer vor Ort wirkenden Kraft ist - was gibt es daran nicht zu verstehen???) Und Einsteins Sancho Pansas, auch nicht klüger, sich in Selbstblindheit aber für sehr gescheit haltend, hecheln ihm auf ihren Eseln immer noch hinterher. Nach dem Drama kommt das Satyrspiel, das in Dresden jedoch nicht der Erheiterung diente, sondern Menschen weiterhin vom geistigen Fortschritt abhalten soll. - Was nun das Verhältnis zwischen Quantenphysik und klassischer Physik betrifft, s. Datei (I/B5) im Vorwort. Ob es aber überhaupt eine "Quantentheorie" gibt, von der Mittelstaedt ausgeht, möchte ich bezweifeln, so wie es ja auch keine klassische "Theorie" gibt, wo etwas herbeiphilosophiert wird wie bei Einstein, dass dann erst noch "bewiesen" werden muss. Das Theoretisieren ist erst seit Einstein so in Mode gekommen, wobei er seine "Elektrodynamik bewegter Körper" (die jedoch eine Kinematik ist) "eine Vermutung" nannte. Klassische und Quantenphysik dagegen sind keine "Vermutungen" sondern sorgfältig durchdachte und erprobte Anweisungen, mit Fakten in möglichst objektiver Weise umzugehen, um ein brauchbares Ergebnis zu erzielen, weshalb beide auch so klaglos funktionieren, was Beweis genug ist, was jedoch dort nicht verstanden wird, wo man nichts von der Rolle des Beobachters weiß, die es zu berücksichtigen gilt.

*Weitere Ehrungen Zeilingers: Anlässlich einer Sendung im Mai 2013 zum Thema "Die zweite Quantenrevolution" erschien u.a. folgende Meldung im SWR2: "Anton Zeilingers Aufsehen erregende Experimente wurden mit zahlreichen Preisen geehrt. Ende 2007 hat er die Isaac-Newton-Medaille des britischen Institute of Physics erhalten. Im März 2013 wurde Zeilinger zum neuen Präsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt." Science ORF.at vom 28. April 2014: "Hohe Auszeichnung für Zeilinger. Anton Zeilinger ist in die Amerikanische Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden und damit erst der sechste Österreicher in dieser Ehrengesellschaft. ... Bereits 2010 wurde Zeilinger in die Französische Akademie der Wissenschaften aufgenommen." (Davon liest man im Physik Journal natürlich nichts, dessen Redaktion eher geneigt ist die Quantenphysik als Pseudophysik anzusehen und die Einsteinsche als die einzig wahre. Die DPG selbst gibt sich da fortschrittlicher, vor allem wohl, um diesen nicht zu verpassen.)
      Nachtrag August 2016: Unter einer neuen Redaktion erschienen im Physik Journal vom Juni 2016 an vorderster Stelle Berichte zur geplanten groß angelegten Förderung der Quantentechnologie durch die EU-Kommision von einer Milliarde Euro zur Schließung der Lücke zwischen Anwendung und Grundlagenforschung, über Versuche von quantenmechanischer Interferenz, (auch über ein Forschungszentrum zur Verbindung von Natur- und Literaturwissenschaften wird berichtet), sowie ein bemerkenswerter Aufsatz über "die Quantenfeldtheorie im Dialog zwischen Philosophie und Physik" von Priv.-Doz. Dr. Meinard Kuhlmann, Uni Mainz. Dr. Kuhlmann ist als Nachfolger von Frau Prof. Falkenburg auch "Vorsitzender der AG Philosophie der Physik der DPG" der ich ebenfalls angehöre. Der sehr informative Aufsatz endet mit der Feststellung: "Gerade in Zeiten, in denen die Physik nicht einmal fünf Prozent des Universums zu beschreiben scheint, während der Rest im Dunklen liegt, kann es lohnen, die Grundlagen einer Wissenschaft auf den Prüfstand zu stellen und zu revidieren." Man ersieht hier bei bisher verpönten Themen, was eine neue Redaktion ausmacht, auch wenn ihr noch ein Redakteur angehört, der im Physik Journal 4/2006 mit religiöser Inbrunst gefordert hatte, "Einstein nicht (wie 2005 üblich) weiterhin nur als 'Gott der Physik' sondern 'als unser aller Gott' zu betrachten". So durchgeknallt war die Redaktion damals - und lange danach. Ist die Einsteinmanie (DUDEN: Manie = Sucht, Besessenheit) trotzdem endgültig überwundem??? Ist der Rubikon schon überschritten? Jedenfalls erhielt ich von der verantwortlichen Redakteurin und von Herrn Kuhlmann freundliche Antworten auf meine Mails, während vorher immer eisiges Schweigen herrschte, wohl aus Ohnmacht und Wut über meine Anmahnungen, sachlicher zu berichten. Mit dem Wechsel an der Spitze der Redaktion möchten die Verantwortlichen der DPG für die Zukunft ihrer Wissenschaft wohl besser vorbereitet sein.
      Ein neues Fenster der Hoffnung tut sich auf. Wie im Physik Journal vom Oktober 2016 auf Seite 11 gemeldet wird, haben Mitte August "China und Österreich den ersten Satelliten für Quantenkommunikation vom chinesischen Weltraumbahnhof Jiuquam erfolgreich gestartet". "Federführend waren dabei auf österreichischer Seite Anton Zeilinger in Wien und auf chinesischer Seite Jianwei Pan von der University of Science and Technology of China in Hefei, der 1999 bei Zeilinger promoviert hat." Das wichtigste Instrument an Bord des 600 Kilogramm schweren in rund 500 Kilometer Höhe kreisenden Satelleliten QUESS "ist ein Interferometer, in dem mit Hilfe eines nichtlinearen optischen Kristalls verschränkte Infrarotphotonen erzeugt werden. Geplant ist, mit den verschränkten Photonen eine Quantenkommunikation zwischen Tibet und der chinesischen Küste und später zwischen Beijing und Wien zu etablieren." "QUESS ist eine von fünf prioritären strategischen Missionen in China." Zum weiteren Schrecken aller Einsteingläubigen bringt das Journal auch noch groß das Bild eines Teleskops auf dem Dach des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation, das in der Lage wäre, verschränkte Photonen des Satelliten zu empfangen. Es würde mich aber nicht wundern zu hören, dass amerikanische Militärs im Geheimen schon längst an dem Problem dran sind. Nur die Akademie in Stockholm und die ihr zuarbeiten wollen nichts von solch "spukhaften Fernwirkungen" wissen. Und was würde gar Prof. Mittelstaedt dazu sagen? Nur gut für ihn, dass er das nicht mehr erleben muss.

"Ich habe schon längst die Hoffnung aufgegeben,
dass ich mich in Bezug auf Einstein (und Mittelstaedt) irre.
" (Hille)

E-Mail vom 7. März 2002
Betreff: Quantenspuk ist nicht relativ
Sehr geehrter Herr Doktor Weihs,
mit Interesse habe ich im Physik Journal vom März 2002 Ihre Darstellung und Kommentierung eines neues Experiments zur Quantenkorrelation gelesen. Die Argumente gegen solche "geisterhaften Fernwirkungen" hat bereits vor über 13 Jahren Prof. Jan Berg (TU München) als unbegründet darstellen können.
      Das Problem das manche Physiker mit ihr immer noch haben, deutet sich in Ihrem folgenden Satz an: "So könnten zwei Photonen, die aus einer gemeinsamen Quelle stammen, über beliebig weite Entfernungen WIE ein zusammenhängendes Ganzes beschrieben werden." Verräterisch ist dabei das Wörtchen "wie". Wenn es sich denn immer wieder erweist, dass sie ein zusammenhängendes Ganzes SIND, dann sollte dies der Wissenschaftler auch akzeptieren, denn es ist ja nicht seine Aufgabe, die Natur belehren zu wollen, dass sie das eigentlich doch nicht ist, als was sie sich zeigt. Doch der Gedanke der Ganzheitlichkeit will einfach nicht in einen Kopf, der ein mechanistisches Naturmodell hat, dass ja bereits von der Gravitation widerlegt wird. Hier verhalten sich riesige kosmische Systeme als EIN Ganzes und es gibt bis heute keinen zwingenden Beweis, dass dabei der Zeitfaktor irgendeine Rolle spielt. Und wenn man das ganzheitliche Modell wenigstens versuchsweise ohne Wenn und Aber einmal akzeptieren würde, weil es ja eine große Bereicherung der Erklärungsmuster ist, für die man dankbar sein sollte, dann verschwindet auch die so plausibel klingende Forderung, dass instantane Änderungen über große Entfernungen [mechanistisch] "erklärt" werden müssten. Niemand hat bis heute das Gravitationsphänomen ernstlich erklärt. Das ist auch weder möglich noch nötig, wie bereits Newton erkannte. Hauptsache wir können mit ihm prognostisch gut umgehen.
      Und was nun die "Bewegung" der Strahlteiler betrifft, so beweist das Experiment nur wieder einmal, dass "Bewegung" nur ein EINDRUCK ist, der lediglich im Kopf des Beobachters existiert, der natürlich auch die Quanten, wie einstmals das Licht im Michelsonexperiment, nicht kümmern kann. Erst wo sich eine REALBEZIEHUNG ändert, wie z.B. zwischen Lichtquelle und Lichtempfänger, wird diese auch prompt durch den Dopplereffekt angezeigt.
      Mein Beitrag zur Klärung der Frage, ob es physikalisch momentane Wirkungen auf Distanz geben kann, finden Sie als Text 9 unter "Pro" in dem Buch "Instantaneous Action at a Distance in Modern Physics: Pro and Contra", Edited by E. Chubykalo (Ed.) (University of Zacatecas, Mexico), Viv Pope (Swansea, UK), Roman Smirnov-Rueda (Univerity of Wales, Bangor, UK), in CONTEMPORARY FUNDAMENTAL PHYSICS (1999) Valeri V. Dvoeglazow, Series Editor NOVA SCIENCE PUBLISHERS, INC. New York* ISBN 1-56072-698-9. Oder auf meiner Homepage WEGE DES DENKENS (www.helmut-hille.de/holistic.html, deutsch unter /ganzheit.html).
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Hille
Hille-Heilbronn@t-online.de
www.helmut-hille.de
www.helmut-hille-philosophie.de - neu!

Eine Kopie ging an die Redaktion des Physik Journals mit folgender Anmerkung:
Vielen Dank für den Bericht. Er zeigt wiedereinmal, dass Relativisten eine physikalische Sekte sind, die auch nach über 75 Jahren nicht gewillt ist, die Fakten anzuerkennen, weshalb sie die Quantenmechanik immer noch mit ihren unsinnigen Scheinproblemen zu attackieren versucht.
Hille

E-Mail vom 13. März 2002:
Sehr geehrter Herr Doktor Hille,
Es freut mich immer Reaktionen auf Artikel zu bekommen, entschuldigen Sie die spaete Antwort.
      Ich finde aber ein Problem in Ihrer Argumentation ist, dass Sie an der Gravitation "beweisen" wollen, dass etwas ohne Zeitverzoegerung geschieht. Ich gebe ihnen recht, dass zwingende Beweise fuer das Gegenteil ebenso fehlen, wenn Sie den indirekten Nachweis von Gravitationswellen ueber verlangsamende Pulsare nicht akzeptieren, was ich durchaus verstehen kann.
      Dennoch ist Einstein's Theorie der Gravitation fuer mich ein sehr schoenes Konstrukt, und dass die Newtonsche so nicht funktioniert, halte ich fuer ausreichend gezeigt. Es ist also wohl in fast allen gaengigen Theorien auch bei der Ausbreitung der Gravitation eine endliche Geschwindigkeit feststellbar.
Mit freundlichen Gruessen
Gregor Weihs

E-Mail vom 14. März 2002:
Sehr geehrter Herr Doktor Weihs,
vielen Dank für Ihre Antwort, die ja auch nicht so selbstverständlich ist.
      Ich kann ja nicht beweisen, dass Gravitation ohne Zeitfaktor ist, was ich auch nicht für entscheidend halte. Entscheidend halte ich dagegen, dass Körper sich mittels der Gravitation als ein Ganzes verhalten: die kosmische Ordnung ist ja wohl der größtmögliche Beweis, das es so ist, der ja überhaupt denkbar ist. Warum also den Gedanken der Ganzheit nicht auch bei den kleinsten "Körpern" gelten lassen, wenn es alle großen schon vormachen?
      Die Forderung, der Wirkmechanismus müsste erklärt* werden, ist zwar verständlich und wünschenswert wäre es schon, wenn das möglich wäre. Aber sie als Kriterium zu benutzen, um das Phänomen irgendwie in Frage stellen zu können, sehe ich als ein Weiterwirken der Einsteinschen Ablehnung, die Fakten der Quantenmechanik anzuerkennen, was nach einem dreiviertel Jahrhundert für mich ein Anachronismus ist. Diese fast schon unendliche Fortsetzung einer negativen Einstellung zu unerwünschten, weil unverstandenen Fakten, halte ich für ein ernstliches Problem der Physik, da sie nicht dem Geist der Wissenschaftlichkeit entspricht.
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Hille

*Das so neutral klingende Wort "Erklärung" meint immer eine mechanistische Erklärung im Sinne Einsteins. Was nicht in seinem Sinne "erklärt" werden kann, muss ein Irrtum sein, "weil nicht sein kann, was nicht sein darf." Die ganze relativistische Erklärerei betrifft "Probleme", wie z.B. das der Gleichzeitigkeit, die sich bei einer vorurteilsfreien Sicht entweder gar nicht ergeben oder Fakten wie die Schwerkraft, die ohne Wenn und Aber einfach zu akzeptieren sind.

Der Zeitfaktor in der Gravitation
Wäre die Gravitation von einem Zeitfaktor abhängig, würde bei einer plötzlichen Verlagerung von Materie, z.B. durch eine Supernova, das Verhalten von Körpern den tatsächlichen Machtverhältnissen hinterherhinken und beim Überschreiten der Grenzgeschwindigkeit, wenn es denn eine solche gäbe, würden Körper sogar ganz aus ihrem Gravitationsverbund fallen. M.E. hat man solche Konsequenzen noch nie beobachtet. Georg Galeczki, von mir in den E-Mailaustausch mit Gregor Weihs einbezogen, schickte ihm dazu die nachfolgend abgedruckte E-Mail mit einem englischsprachigen Anhang, dem sich die Übersetzung von Peter Hille anschließt.

E-Mail vom 21. März 2002
Betreff: Der Zeitfaktor in der Gravitation
Lieber Herr Weihs,
in dem Anhang werden Sie einige zutreffende Argumente der 'beobachtbaren Konsequenzen' bezüglich [der Ausbreitung der Gravitation] finden. Da Sie die 'unstetigen Änderungen' des Feldes erwähnt haben, werde ich nächstes Mal Referenzen zu den Arbeiten von Waldyr Rodriguez, Jr. (Campinas, Brasil) ueber "X-pulses" schicken. - (Infolge eines Schlaganfalls mit bleibenden Folgen war dies meinem Freund Georg(e) Galeczki leider nicht mehr möglich.)
MfG
Georg Galeczki

The fundamental difference between gravity and electricity is manifested in the everyday presence of all kinds of electromagnetic waves and in the total absence of gravitational waves. Gravitational interaction is apparently instantaneous, as reluctantly assumed by Newton and latter suggested by many researchers from Laplace to Eddington and Van Flandern. Indeed, from the astronomical evidence within the solar system, Laplace concluded that the speed of propagation of gravity has to be at least 108c. This limit has been pushed to 1010c in the last years by Van Flandern, thus strongly suggesting instantaneous propagation of gravity. To quote Van Flandern: "Anyone with a computer and an orbit computation or numerical integration software can verify the consequences of introducing a delay into gravitational interaction. The effect on computed orbits is usually disastrous because conservation of angular momentum is distroyed. Expressed less technically by Sir Arthur (Eddington), this means: ´If the Sun attracts Jupiter towards its present position S, and Jupiter attracts the Sun towards its present position J, the two forces are in the same line and balance. But if the Sun attracts Jupiter towards its previous position S´, and Jupiter attracts the Sun towards its previous position J´, when the force of attraction started out to cross the gulf, then the two forces give a couple. This couple will tend to increase the angular momentum of the system. And, acting cumulatively, will soon cause an appreciable change of period, disagreeing with observations if the speed is at all comparable with that of light.

Der grundlegende Unterschied zwischen Gravitation und Elektrizität ist in der alltäglichen Gegenwart aller Arten elektromagnetischer Wellen und im vollkommenen Fehlen von Gravitationswellen manifestiert. Gravitationale Interaktivität ist augenscheinlich instantan, wie von Newton widerstrebend angenommen und später von vielen Forschern von Laplace über Eddington und van Flandern vorgebracht. In der Tat hat Laplace aus der astronomischen Evidenz innerhalb des Sonnensystems geschlossen, dass die Verbreitung der Schwerkraft zumindest 108c betragen müsse. Diese Begrenzung wurde von van Flandern in den letzten Jahren auf 1010c erweitert, womit er also sehr deutlich instantane Verbreitung von Gravitation nahegelegt hat. Um van Flandern zu zitieren: "Jedermann mit einem Computer und einer Orbitberechnung oder einer numerischen Integrationssoftware kann die Konsequenzen verifizieren welche sich aus der Einbringung einer Verzögerung in die gravitationale Interaktion ergeben. Die Auswirkung auf berechnete Orbite ist für gewöhnlich verheerend, da der Erhalt der Winkelbeschleunigung zerstört wird." Sir Arthur (Eddington) erläutert dies weniger technisch wie folgt: "Wenn die Sonne Jupiter zu ihrer gegenwärtigen Position S hin anzieht und Jupiter zieht die Sonne zu seiner gegenwärtigen Position J hin an, dann befinden sich die Kräfte auf der selben Linie und (in) Balance. Wenn die Sonne hingegen Jupiter zu ihrer vorhergehenden Position S' hin anzieht und Jupiter zieht die Sonne zu seiner vorhergehenden Position J' hin an, als die Anziehungskraft begann die Kluft zu überqueren, dann paaren sich diese beiden Kräfte. Diese Paarung wird dazu neigen die Winkelbeschleunigung des Systems zu vergrößern. Und, somit kumulativ wirkend, wird sie bald eine merkbare Veränderung der Zeitdauer/Periode herbeiführen, welche nicht mit den Beobachtungen übereinstimmt, wenn denn die Geschwindigkeit überhaupt mit der des Lichtes vergleichbar ist."
(ins Deutsche übertragen von Peter Hille)

Das Fehlen eines Zeitfaktors bei der Gravitation hat mit der Verschränkung aller Materie des Kosmos durch den BigBang zu tun. Die Schwerkraft ist also von Anfang an am Ort ihres Wirkens, weshalb der Zeitfaktor bei der Gravitation entfällt und der Begriff "Raumzeit" sie nicht trifft. Sie ist ein rein räumliches Phänomen, hat also auch nichts mit der Lichtgeschwindigkeit zu tun, was sowieso eine rein willkürliche Annahme war, die auch nicht thematisiert wurde. Siehe hierzu insbesondere "Gravitation und Quantenphysik" im Vorwort von (I/B5) meiner "Gedanken zur Gravitation".

Als mündige und weltoffene Bürger sollten wir unsere inhaltlichen Überzeugungen ohne jede Ängstlichkeit immer unter Revisionsvorbehalt stellen können, wollen wir nicht die Knechte sondern die Herren unserer Meinungen sein.
"Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut." (Perikles)


zurück weiter zurück zum Seitenanfang