Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2020


Helmut Hille
Seien wir weise
15.02.2020
Herrschaftswissen in der Krise
Unser alltägliches und wissenschaftliches Wissen ist Herrschaftswissen, um mit der Welt in gewünschter Weise zum eigenen Nutzen umgehen zu können. Das Sosein der Dinge und ihr Eigenwert interessieren dabei nicht, denn dazu müssten wir uns ihnen selbstlos in Liebe nähern. Auch die Religion dient zumeist nur dem eigenen Seelenheil und der Rechtfertigung unseres Denkens und Handelns, so wenn wir uns von Gott sagen lassen: "Macht euch die Erde untertan." Erst wenn wir versuchen, uns in das Gegenüber selbstlos hineinzuversetzen, können wir uns seinem Sosein nähern. Daher sind es immer nur Einzelne, die den Eigenwert von Wesen und Dingen sehen und um ihren zweckfreien Erhalt kämpfen. Der Masse und die sie vertretenden Politiker geht es dagegen nur um den kurzfristigen Nutzen an ihnen.

Erst neuerdings im Angesicht der Übervölkerung und der sich abzeichnenden Klimakrise beginnt ein Umdenken in größeren Rahmen. Heute hat ein Unternehmen, das ja langfristiger denken muss als Politiker, keine Zukunft mehr, wenn es nicht auf Nachhaltigkeit setzt, denn die Ressourcen werden durch die Masse der Menschen und den technischen Fortschritt immer schneller verbraucht. Immer mehr Menschen möchten von den Segnungen der modernen Technik profitieren, möchten Autofahren, Fliegen, Räume heizen, beleuchten, klimatisieren usw., was unweigerlich die Energievorräte und die Umwelt mehr und mehr überfordert, wenn wir uns nicht in Zahl und Ansprüchen begrenzen und nach intelligenteren Lösungen suchen. Das mag zwar auf eine Weise auch egoistisch sein, doch es wäre ein Egoismus, der die ganze Wirklichkeit einbezieht. Denn nur so bleibt sie uns als Lebensgrundlage erhalten.

Die Aufklärung der Beobachterrolle ist unumgänglich notwendig, wollen wir nicht nur Herr über die Dinge, sondern auch Herr im eigenen Hause werden und in der Wissenschaft zu objektiveren Aussagen kommen. Sonst laufen wir weiterhin blindlings nur den vom Gehirn erzeugten Illusionen hinterher. Mit solcher Selbstbesinnung beginnt das, was für mich zur Weisheit des Menschen gehört, während der blinde, aneignende Gebrauch von Fähigkeiten räuberischer Natur ist, die es um unserer Zukunft willen mehr und mehr zu bedenken gilt.

Die Liebe zur Weisheit
Um den Nutzen von Dingen kümmert sich jedes Tier. Allein die Liebe zur Weisheit ist es, die den Menschen aus dem Tierreich heraushebt. Sie ist es, die seine Würde ausmacht. Nur in liebevoller Hinwendung an die Gegenstände der Forschung kann sich erschließen, was sie für sich selber sind. Es gilt daher als Erstes sich zu entscheiden, was man eigentlich will: will man die Welt selbstlos verstehen oder will man nur ein Herrschaftswissen gewinnen, um die Dinge instrumentalisieren zu können, selbst unter falschen Prämissen. Die jeweilige, vielleicht unbewusste Entscheidung gehört zu dem, was man die Rolle des Beobachters nennt. Aufklärung heute ist die Aufklärung der Beobachterrolle. Ohne ihre Kenntnis und Berücksichtigung bleibt alles Wissen vorläufig und alles Handeln fraglich. Seien wir weise!

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Biologie, Evolution und Ethik
(11) Der Weg zum Humanum durch die Liebe zur Weisheit
http://www.helmut-hille.de/page28.html


Gruß an die ehemaligen englischen Europa-Abgeordneten
(nur hier)
Oh, to be in England
Now that April's there,
And whoever wakes in England
Sees, some morning, unaware,
That the lowest boughs and the brushwood sheaf
Round the elm-tree bole are in tiny leaf,
While the chaffinch sings on the orchard bough
In England - now!!
(ein mir unvergessenes Gedicht aus meiner Schulzeit)

Helmut Hille
Die unsichtbare Dynamik
25.03.2020
Bei einem Treffen von Einsteinkritikern vor Jahren in München meinte ausgerechnet ein studierter Physiker, ein Herr Doktor, beweisen zu müssen, dass bei Spannungen keine Kräfte beteiligt sind, indem er eine Schnur über seinen Kopf hielt, die er mit beiden Händen strafte. "Wo sehen sie jetzt eine Kraft?" Es geschah ja nichts. Er gehörte wohl zu jenen kritisch sein wollenden Physikern, die wie Ernst Mach sich auf den Augenschein verlassen wollen, der oft trügerisch ist. Die anwesenden Laien mochten seiner Argumentation jedoch nicht zu folgen, da ja offensichtlich Kräfte benötigt wurden, um die Schnur zu spannen. Und wenn eine gespannten Schnur in ihrem Zustand und ihrer Lage unverändert bleibt, dann doch wohl, weil ein Gleichgewicht der ziehenden Kräfte vorliegt, wie das jeder Laie erkennen konnte.

"Moderne" Physiker wollen aber von der Größe "Kraft" möglich nichts wissen, halten sie diese, wie andere Größen auch, oft für eine Sache, weshalb Einstein die Dynamik Newtons, also die Lehre von den Kräften, zur bloß beschreibenden Kinematik zurückentwickelte - bei Beibehaltung des nun nicht mehr zutreffenden Vokabulars, was bis heute für Verwirrung sorgt. Auch um Physik zu verstehen bedarf es zuerst der Beantwortung ganz grundsätzlicher Fragen, sowie Mut und Ehrlichkeit, ohne die Wissenschaft keinen Sinn macht. Heute sind theoretische Wissenschaftler jedoch eher bemüht, dem Mainstream zu folgen, um nicht unangenehm aufzufallen und ihre privilegierte Stellung in der Gesellschaft nicht zu gefährden.

Auch die Himmelsmechanik ist voller Kräfte. Trotzdem umrunden die Planeten seit Milliarden von Jahren auf immer gleichen Bahnen die Sonne, sieht der Sternenhimmel seit Menschengedenken immer gleich aus, von den Planeten und Monden abgehen, deren Bahnen jedoch gut berechenbar sind. Das liegt daran, dass weltweit Flieh- und Schwerkraft im Gleichgewicht sind - beide zugleich beim "Urknall" entstanden. Überhaupt ist das Prinzip des Gleichgewichts der Kräfte in der Natur ganz allgemein, vom Atom bis zum Gleichgewicht von tierischen Räubern und ihrer Beute. Aber auch die Gesundheit eines Lebewesens bezeichnet das Gleichgewicht seiner de- und konstruktiven Kräfte, das ihn in einem optimalen Zustand hält. Die Kräfte der Natur sind blind und können sich daher nicht selber regeln, weshalb sie der Gegenkräfte bedürfen. Es gibt zudem in der Evolution kein endgültiges Produkt und keinen Stillstand. Man muss in ihr so schnell wie möglich laufen, um auch nur auf der Stelle zu bleiben, wie es bei Alice im Wunderland heißt. In der Wirtschaft und Industrie weiß man das und stellt sich darauf ein.

Dieser allgegenwärtige Wandel ist natürlich für Menschen, die Sicherheit und Gewissheit wünschen, sehr beunruhigend, weshalb sie diesen Wandel am liebsten bestreiten und dazu auch mal die Wissenschaft bemühen, weil sie glauben, dass Wissenschaftler die Deutungshoheit hätten. Dem ist aber nicht so. Auch für Wissenschaftler gilt: was Menschen als "wahr" empfinden ist letztendlich das Gleichgewicht zwischen dem, was als Wissen in der rechten Hirnhemisphäre kompakt gespeichert ist - wie zutreffend es auch sei! - und dem, was die linke Hirnhemisphäre davon differenziert formuliert. Zudem werden Menschen, oft genug unbewusst, von ihren Urängsten gesteuert, die bedient sein wollen, um das Leben erträglich zu halten.

Statt verbissen auf Standpunkte zu beharren, die sich nicht bewährt haben, gilt es aufgeschlossen gegenüber Neuem zu sein und seinen geistigen Horizont zu erweitern. Hierzu Bertrand Russel: "Und er wird sehen, dass derjenige, in dessen Geiste sich die Welt spiegelt, in einem Sinne so groß wird wie die Welt selbst. Frei von den Ängsten, die den Sklaven der Verhältnisse befallen, wird er echte Freude kennen und durch alle Wechselfälle seines äußeren Lebens hindurch in den Tiefen seines Wesens von Glück erfüllt bleiben."

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Biologie, Evolution und Ethik
(7) Die Waage der Welt
http://www.helmut-hille.de/page27.html



Helmut Hille
Es fehlt an Definitionen - nicht bei mir!
?2020
"Sprachkritik ist die wichtigste Aufgabe, die die theoretische Philosophie heute übernehmen kann." (Peter Janisch 2009 in "Kein neues Menschenbild. Zur Sprache der Hirnforschung".)

Auf Tagungen der DPG konnte ich immer wieder beobachten, dass mit Begriffen argumentiert wurde, die selbst undefiniert waren, so dass den Hörern viel Interpretationsspielraum blieb. Bei zentralen theoretischen Fragen halte ich das für verfehlt. Es zeigte dadurch auch, dass eine Wissenschaft sich nicht aus sich selbst heraus begründen kann, weshalb es immer Denker geben muss, die einen Zusammenhang mit dem Ganzen der Erscheinungen herstellen. Vor den modernen Naturwissenschaften war das kaum ein Problem, weil die Grundwissenschaften im Rahmen der Philosophie entstanden. Noch Isaac Newton bezeichnete seine Wissenschaft als "Naturphilosophie". Seit ihrer Abkoppelung von der Philosophie tritt die theoretische Physik auf der Stelle. Das war wohl auch ein Anlass für die DPG 2004, den "Arbeitskreis Philosophie der Physik" zu gründen, dem ich seitdem angehöre.

Meine Beiträge zur Physik fußen auf meinen Überlegungen zur Erkenntnistheorie. Die in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgekommene Quantenmechanik entstand aus der Einsicht heraus, dass es bei Messungen eine nicht aufhebbare Rolle des Beobachters gibt. "Die Bahn eines Teilchens entsteht erst dadurch, dass wir es beobachten" (Heisenberg), denn das Teilchen für sich hat weder Ort noch Bahn. Erst der Beobachter ordnet ihm einen Ort zu und verbindet Momente seiner Beobachtung zu einer Bahn. Inzwischen wurde die Quantenmechanik zur Quantenphysik weiterentwickelt und sie spielt in Forschung und Anwendung eine immer größere Rolle. Die Herstellung der Verbindung von Theorie und Praxis wird von der EU jetzt mit hohen Beträgen gefördert.

Im Herbst 2019 habe ich an der Uni Freiburg an einer sektionsübergreifenden Tagung der DPG zum Thema "Quantum Science and Information Technologies" teilgenommen und dort auf der Postersitzung mein Konzept zur Verbindung von Quantenphysik und Kosmologie vorgestellt (mein Tagungsbeitrag (12) auf ZEIT UND SEIN). Auch hierbei geht es ganz wesentlich um die richtige Verwendung der Begriffe. So habe ich zwischen Universum und Kosmos unterschieden, während heutige Kosmologen da keinen Unterschied machen. Versteht man aber den von uns bewohnten Kosmos als einen von vielen im Universum, ist sofort seine Vergangenheit und Zukunft offensichtlich und es entfällt die nicht hinnehmbare Annahme eines Urknalls aus dem Nichts. Wenn schon die Entstehung des Kosmos keiner Ursache bedürfte, dann bedürfen geringere Ereignisse erst recht keiner Ursache und wir könnten die Physik als Wissenschaft vergessen.

Auch bei Biologen gibt es Unsicherheiten, vor allem zum Begriff des Lebens. Meine Definition lautet: "Leben ist Materie mit der Fähigkeit zur Anverwandlung fremder Strukturen in die eigene, mit dem Ziel der Selbstreproduktion." So wird es auch möglich, die Existenz von Viren zu verstehen. (Siehe meine Sentenz vom Dezember 2019) - Aber auch ganz allgemein habe ich im Rahmen meiner Neurophilosophie, die philosophische Fragen mit Ergebnissen der Hirnforschung verbindet, wichtige Definitionen gefunden, z.B. zu der zentralen Frage "Was ist Wahrheit?" Meine Definition lautet: "Wahrheit ist die Übereinstimmung zwischen dem Gewussten mit dem Ausgesagten." Es gibt keine Wahrheitsinstanz außerhalb des Wissens, denn auch Fakten sind schon Interpretation. Und wie könnten wir etwas für wahr halten, von dem wir nichts wissen.

Es ist auch zu fragen, warum die Gottesfrage so hartnäckig ist. Es kann nämlich eine Entstehung aus dem Nichts, wie beispielsweise angeblich beim Urknall, geistig nicht nachvollzogen werden. Es ist gerade die Vernunft die fordert, dass es eine Ursache für die Existenz der Welt und ihrer schöpferischen Kräfte geben muss, was als das Göttliche verstanden wird. Nun wird Gott der Vertrautheit halber von Christen gern als eine über den Dingen thronende Person gesehen, während Mohamed weise den Gebrauch von Bildern in der Religion gleich verboten hat. Wenn es aber ein Universum ohne Grenzen in Raum und Zeit gibt, dann ist dieses der Ursprung unseres Kosmos und der Zufall bei der Verbindung unterschiedlicher Komponenten durch eine anwesende Energie das schöpferische Prinzip, das wir überall beobachten können. "Zufällig" heißt "ungeplant" - nicht mehr und nicht weniger, was selbst Heisenberg nicht ganz verstanden hatte. Wenn Einstein nichts vom Zufall wissen wollte und überzeugt war, dass Gott nicht würfelt, weil ihm als Autist Nichtberechenbares unheimlich war, dann verkennt er gerade das, was das Schöpferische ausmacht, nämlich, dass durch Zufall Neues entstehen kann, das man den beteiligten Komponenten vorher nicht angesehen hat. Das schöpferische Vermögen ist es gerade, was das Göttliche und das von Einstein gesuchte Geheimnisvolle ausmacht. Und es ist in den Dingen. Ein nicht würfelnder Gott wäre ein Widerspruch in sich.

Man muss also für ein neues Weltbild keine großartigen Szenarien entwerfen und dicke Bücher schreiben, sondern vor allem die richtigen Begriffe verwenden, wenn es denn Wissenschaft sein soll. Schon Konfuzius, der Weise aus China lehrte: "Soll die Gemeinschaft sich ordnen und der Einzelne seine Bestimmung erfüllen, dann müssen zuerst die Begriffe in Ordnung gebracht werden, denn die Unordnung ist zuerst im Denken."

Zum Weiterlesen:
Sentenz vom Juli 2019
"Gott würfelt nicht" - oder doch?



Helmut Hille
Die Raumfahrt und ich (I)
?2020
Es war Ende 1944 an der deutschen Ostseeküste östlich der Insel Wollin, als ich bei klarem Himmel über Usedom Raketen anhand ihrer in der Sonne leuchtenden Kondensstreifen aufsteigen sah. Es waren wohl die A4-Raketen Wernher von Brauns die in Richtung London flogen. Sie waren die ersten von Menschen geschaffenen Flugobjekte, die sich antriebslos im Orbit bewegen konnten (Orbit = Bahn um ein Himmelsobjekt, bei der Flieh- und Schwerkraft im Gleichgewicht sind). Der erste Flugkörper, der auf diese Weise die Erde umrundete, aber war der von der Sowjetunion 1957 gestartete Sputnik, der den Westen in helle Aufruhr versetzte. Die Antwort des Westens war die erste Mondlandung am 21. Juli 1969 (ein Tag vor meinem Geburtstag) mit Hilfe der Saturnrakete Wernher von Brauns, den Kennedy Gelegenheit gegeben hatte, sein Wissen umzusetzen, nachdem die von seinen eigenen Leuten konstruierten Raketen alle gescheitert waren, schon weil sie keine Steuerung mittels Kreiselkompasse hatten. In US-Sendungen über die amerikanische Raumfahrtgeschichte sucht man den Schöpfer der fehlerlos funktionierenden Saturnrakete jedoch vergebens.

Anhand von immer mehr gestarteten bemannten und unbemannten Flugobjekten hat sich mein Interesse an der Raumfahrt entwickelt. Aber auch anhand meiner philosophischen Ambitionen. Auf meiner Homepage WEGE DES DENKENS gibt es schon lange die Rubrik "Kosmologie und Raumfahrt". Real habe ich am abendlichen Himmel immer wieder kreisende Satelliten beobachten können, die oben noch von der Sonne beschienen wurden, während es am Boden bereits dunkel war. Neuerdings konnte ich so auch die internationale Raumstation ISS verfolgen. Interessanter waren für mich aber die theoretischen Voraussetzungen der Raumfahrt, deren Entwicklung zu echter Raumfahrt durch die herrschende Relativitätstheorie Einsteins mit ihrem ehernen Tempolimit jedoch bis heute blockiert wird. Man hat noch nicht gelernt so bodenlos zu denken, wie der Weltraum ist (s. die Sentenz vom Juni 2005 "Ins Bodenlose denken lernen"). Zur Aufklärung veröffentlichte ich 1995 auf meiner Homepage WEGE DES DENKENS, Datei (I/C4), den Aufsatz: "Der Tunneleffekt und eine Weltraumfahrt, die diesen Namen verdient. Wodurch Grenzgeschwindigkeiten entstehen und wie sie umgangen werden." Ich vermute, dass es solche Überlegungen waren, die Anfang des Jahrtausends die bekannten Raumfahrtagenturen auffallend nacheinander auf meine Seiten zugreifen ließ.

In der Nähe von München war zuvor die Raumfahrt in Form des DLR-Satellitenkontrollzentrums (DLR = Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) in Oberpfaffenhofen ca. 25 km südlich der Stadt mir näher gekommen, wo auch Raumflüge mit deutscher Beteiligung geleitet wurden. Bei einer solchen Mission wäre ich gern einmal im Kontrollzentrum dabei gewesen. Doch es drängten auch viele bayerische Politiker nach Oberpfaffenhofen, wollten sie doch miterleben, wie Bayern aus einem Agrarstaat sich zu einem Hightech Land entwickelt. Da hätte ich als einfacher Ingenieur wohl keine Chance gehabt. Immerhin habe ich einige Male mit dem DLR-Zentrum korrespondiert, u.a. über die Raketen- und Raumschiffsteuerung mittels Kreiselkompasse, die vom Flugkörper entkoppelt (kardanisch) aufgehängt sind und damit die Lage im Raum anzeigen können. Zur Kontrolle wären aber auch Referenzmessungen an Fixsternen wichtig, wie man mir schrieb. Man ist eben gewissenhaft.

Im Jahr 2000 zog ich von München nach Heilbronn nördlich von Stuttgart. Irgendwann stellte ich fest, dass auch dort in meiner Nähe für die Raumfahrt gearbeitet wird. Durch Initiative des deutschen Raumfahrtpioniers Eugen Sänger war in Lampoldshausen, ca. 35 km nördlich von Heilbronn, in der Nähe der A81, seit 1960 ein Raketentestgelände entstanden, wo seit 1976 Raketenantriebe für das europäische Ariane-Programm getestet und ggf. auch weiterentwickelt werden. Irgendwann habe ich das in einem Wald gelegene Testgelände besucht, das inzwischen auf 52 Hektar erweitert wurde und sich z.Zt. (2020) für den Test der Oberstufe von Ariane 6 rüstet. Inzwischen gibt es dort auch ein Museum, das ich unbedingt einmal besuchen sollte. (Inzwischen sicher auch wegen Corona geschlossen.)

Fortsetzung folgt



Helmut Hille
Die Raumfahrt und ich (II)
?2020
1995 wurde ich Mitglied der DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft), um als Philosoph meine Gedanken zu den rationalen Grundlagen der Physik vortragen zu können. Bis heute habe ich in 25 Jahren auf 16 Tagungen zu 30 Themen über meine Ansichten gesprochen. Neben theoretischen Überlegungen zur Physik als Wissenschaft standen die Schwerkraft und mit ihr verbunden die Kosmologie im Mittelpunkt meiner Überlegungen zur Physik. Als unsichtbare universelle Kraft wird von Physikern über die Schwerkraft gern nach Gusto spekuliert. Bei mir rückte im Lauf der letzten Jahre dagegen immer mehr die Frage nach der Natur der Schwerkraft in den Mittelpunkt meiner Ausführungen, wobei mir die Quantenphysik den notwendigen Hinweis in Form der Verschränkung von Teilchen durch einen gemeinsamen Ursprung gab. Beim so genannten "Urknall" wurde alle betroffene Energie/Materie ebenfalls miteinander verschränkt, weshalb sie die Tendenz hat, sich wieder vereinen zu wollen, was wir in Form der Schwerkraft erfahren, was ich, vielleicht als einer der Ersten, für einen neuen Aspekt von Verschränkung halte. Ihr entgegen wirkt die ebenfalls beim "Urknall" entstandene kosmische Fliehkraft. Bei Planetensystemen und Galaxien sind beide Kräfte im Gleichgewicht, weshalb sie, trotz aller Dynamik, Milliarden Jahre lang fast unverändert existieren können.

2017 habe ich auf der DPG-Tagung in Bremen in bündiger Form (d.h. ein Gedanke, eine Zeile) die Zusammenfassung meiner Überlegungen zur Kosmologie als "Die gesicherten Befunde zur Gravitation und Kosmologie" vorgetragen. Für den englischsprachigen Teil meiner Homepage ließ ich danach eine Übersetzung fertigen. Als für den Herbst 2019 die DPG ein neues Tagungsformat ankündigte, zum vorgegebenen Thema "Quantum Science and Information Technologies" für alle Gliederungen der DPG übergreifend, also für ein weitgehend anderes Publikum als 2017 in Bremen, dabei eine rein englischsprachige Veranstaltung, entsann ich mich der Übersetzung von 2017, die also schon vorlag, und meldete mich gleich an, obwohl mein Text dem Thema "Quantum Science and Cosmology" entsprach. Weil es deshalb in Freiburg dazu zu wenig Vortragsanmeldungen gab, um eine eigene Vortragsreihe zum Thema einrichten zu können, schlug man mir die Teilnahme an der allgemeinen Postersitzung vor. Durch die bündige Form des Textes ließ sich mein Thema auch gut optisch darstellen. Ich wurde als FM 65.1 der Erste der Posterreihe FM 65. Da war ich in guter Gesellschaft, denn daneben als FM 65.2 war die DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) vom DLR-Forschungszentrum Oberpfaffenhofen vertreten, wo ich doch so gern einmal bei einer Mission mit deutschen Astronauten dabei gewesen wäre.

Da meine Englischkenntnisse lückenhaft sind, ließ ich mir im Laufe des Nachmittags von Andreas Spörl von der DLR sein Ausstellungsobjekt erklären. Gegenstand war dort die Erfahrung, dass die Gesetze der Quantenphysik auch bei der Satellitensteuerung anwendbar sind, dass also "oben" im Weltraum und "unten" bei den Quanten, wie er sagte, die gleichen Naturgesetze gelten, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste wie ich meine, was jedoch von den Anhängern der Relativitätstheorie abgelehnt wird, die sich kein neues Weltbild der Physik wünschen, wie einer von denen bei der Sitzung monierte. Andreas Spörl wies ich darauf hin, dass dieser Zusammenhang von "oben" und "unten" bei mir im Kapitel "III. The Unity of Physics" (III. Die Einheit der Physik) genauso gesehen wird: "…it is now time, to consider gravity and entanglement as a unity and thus give physics a new direction, in which the same laws apply for the cosmos and the quantum." (…es wird Zeit, Gravitation und Verschränkung in Einem zu sehen und dadurch der Physik eine neue Richtung zu geben, in der für den Kosmos und die Quanten die gleichen Gesetze gelten.) Da wurde mir klar, warum unsere beiden Posterstände nebeneinander lagen. Theorie und Praxis waren zum gleichen Ergebnis gekommen - wie es auch sein sollte. Da hilft auch alles Monieren der Einsteinfreunde nichts.

Wir unterhielten uns noch über meinen Vorschlag von 1995, das zeitlose Tunneln von Teilchen mit einen Ionentriebwerk zu verbinden, was dann eben eine Weltraumfahrt ohne Tempolimit ermöglichen würde, die diesen Namen verdient. Als wir uns verabschiedeten sagte er noch: "Besuchen Sie uns doch mal in Oberpfaffenhofen." Ja, gern. Wollte ich ja schon immer. Aber ich wohne ja nicht mehr "nebenan" in München. Mal sehen, ob was daraus wird.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Tagungsbeiträge
(12) 1st DPG Fall Meeting in Freiburg/Br.: Quantum Physics and Cosmology
(Deutscher Text mit Weiterleitung zum englischen Text. Dort auch Bild der Postersitzung)
http://www.helmut-hille-philosophie.de/freiburg2019.html


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Dokument: http://www.helmut-hille-philosophie.de/st_2020.html